BLKÖ:Liechtenstein, Karl Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 163. (Quelle)
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Liechtenstein, Karl Fürst (General der Cavallerie und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Wien 23. October 1790, gest. ebenda 7. April 1865). Sohn des Fürsten Karl Borromäus [S. 130, Nr. 41] aus dessen Ehe mit Maria Anna gebornen Gräfin Khevenhüller. Im December 1810 trat der Fürst, nachdem er eine sorgfältige Erziehung im elterlichen Hause genossen hatte, als Unterlieutenant in das 3. Uhlanen-Regiment, in welchem er auch noch [164] als Oberlieutenant diente, darauf aber als Rittmeister in das Huszaren-Regiment Fürst Liechtenstein kam. Nachdem er als erster Rittmeister in das Uhlanen-Regiment Fürst Schwarzenberg befördert wurde, trat er nach seiner Heirath im J. 1819 mit Charakter aus dem activen Dienste, aber im J. 1824 wieder als erster Rittmeister im 4. Uhlanen-Regimente in denselben ein. In den folgenden Jahren diente er als Major und Oberstlieutenant in den Kürassier-Regimentern Prinz Lothringen und Graf Wallmoden, wurde dann zweiter Oberst des Chevauxlegers-Regiments Graf Nostiz und 1830 erster Oberst und Commandant des Huszaren-Regiments König von Preußen. Im Jahre 1834 wurde er zum General-Major befördert, erhielt zuerst eine Brigade in Mähren, 1836 eine Infanterie-, später eine Cavallerie-Brigade in Wien, und wurde 1844 Feldmarschall-Lieutenant. Als solcher trat er eines anhaltenden Augenleidens wegen im Jahre 1847 in den Ruhestand. Im Frühjahre 1849 wurde er unter gleichzeitiger Verleihung der geheimen Rathswürde zum ersten Obersthofmeister ernannt, welche Würde er bis in seine letzten Tage bekleidete, in der Zwischenzeit, 1851, zum General der Cavallerie vorrückend. In dieser 54jährigen Dienstzeit machte der Fürst die Feldzüge der Jahre 1813 und 1814 im südlichen Deutschland, in der Schweiz, in Frankreich und in Savoyen mit und zeichnete sich in den bei St. Julien stattgehabten Gefechten, am 27. Februar und 1. März 1814 in seiner Eigenschaft als Adjutant des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Klebelsberg so aus, daß ihn derselbe in seiner Relation in ehrenvollster Weise nennt. Im Jahre 1815 marschirte er mit der großen Armee nach Frankreich und befand sich in den Gefechten bis vor Paris. Als im Jahre 1836 das Militär-Equitations-Institut in Salzburg errichtet wurde, wirkte er als Leiter desselben mehrere Jahre und erwarb sich große Verdienste um die Emporbringung der Reitkunst in der Cavallerie, so wie um Einführung einer zweckmäßigen gleichförmigen Abrichtungsmethode der Remonten. Nach einer mehrjährigen Wirksamkeit auf diesem Posten kam er im Jahre 1842 zum Hofkriegsrathe nach Wien und wurde während seiner Anstellung daselbst wiederholt mit diplomatischen und militärischen Sendungen an die Höfe von Rußland, Preußen, Frankreich und England betraut. Seine mannigfaltigen Verdienste um Staat und Kaiser wurden zu verschiedenen Malen gewürdigt. Noch als General-Major im Jahre 1840 wurde er Regiments-Inhaber des 5. Chevauxlegers-Regiments, das auch nach Umbildung in das Uhlanen-Regiment Nr. 9 seinen Namen trug. Der Fürst war Ritter des goldenen Vließes, Großkreuz des St. Stephan-Ordens und besaß Auszeichnungen fast aller europäischen Souveräne. Auch wurde ihm die Allerh. Gewährung, die außer Gebrauch gesetzten Divisionsstandarten seines Regiments, das sich in den Feldzügen 1849 in Italien und Ungarn ausgezeichnet, in der Capelle seines Schlosses zu Groß-Ullersdorf in Mähren aufbewahren zu dürfen. Schließlich wurde ihm noch, nachdem der österreichische Reichsrath mit einem Herren- und Abgeordnetenhaus in’s Leben trat, mit Allerh. Handschreiben vom 18. April 1861 die erbliche Reichsrathswürde verliehen. Der Fürst war, wie einer seiner Nekrologisten berichtet, „eine der populärsten Persönlichkeiten jener Tage, in denen Wien, nach Grillparzer’s bekanntem Ausspruche, [165] das „Capua der Geister“ war. Ausgezeichnet durch Umgänglichkeit und Bonhommie, zählte er zu jenen Cavalieren, auf welche das alte Wien stolz war, und welche ihrerseits wieder so liebenswürdig waren, auf das alte Wien stolz zu sein“. Der Fürst war (seit 21. August 1819) mit Franziska Gräfin Wrbna-Freudenthal (geb. 2. December 1799), Sternkreuz-Ordens- und Palastdame, vermält. Die Fürstin starb im Sommer 1863. Aus dieser Ehe entsprangen zwei Söhne und vier Töchter [vergleiche die II. Stammtafel]. – Von den Söhnen ist der älteste, Karl Rudolph (geb. 19. April 1827), Oberstlieutenant in der Armee; er machte die Feldzüge 1848 und 1849 in Italien und 1849 einen Theil des Sommerfeldzuges in Ungarn mit Auszeichnung mit, und wurde in der Schlacht bei Komorn am 2. Juli 1849 bei einer gelungenen Attaque auf die feindliche Cavallerie und auf eine Batterie, welche letztere auch erobert wurde, als damaliger Rittmeister so schwer blessirt, daß er an dem weiteren Fortgang dieses Feldzuges keinen Antheil mehr nehmen konnte. – Der jüngere Sohn Rudolph (geb. 18. April 1838) ist Major und Flügeladjutant Sr. Majestät des Kaisers.

Carl Fürst zu Liechtenstein (Wien 1865, Druck und Verlag von Carl Gerold’s Sohn, 4 S. gr. 8°.) (auch „Oesterreichische Revue“ 1865, VII. Band, S. 223]. – Der Kamerad (Wiener militärisches Blatt, 4°.) 1865, Nr. 29 u. 30. – Wiener Zeitung 1865, Nr. 81, 84, S. 147: „Leichenbegängniß“; S. 151; „Nekrolog“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 97, 100, 101. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 220, 222, 226 [Nachricht von seinem Ableben und einzelne Züge aus seinem Leben]. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 99, 100, 101, 108, 113 [Biographie und einzelne Züge aus seinem Leben]. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) 1865, Nr. 1139.