BLKÖ:Lumbe, Joseph Thaddäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lumau, T. F.
Band: 16 (1867), ab Seite: 158. (Quelle)
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Lumbe, Joseph Thaddäus (Professor der Landwirthschaft am ständisch-polytechnischen Institute zu Prag, geb. zu Prag 26. Februar 1801). Sein Vater Joseph Daniel war Professor der Humanitätsclassen am Prager Altstädter Gymnasium. Der Sohn besuchte die Teiner Hauptschule, das Altstädter Gymnasium und begann 1819 die philosophischen Studien, aus denen er im folgenden Jahre die Doctorwürde erlangte. Am 1. Jänner 1824 wurde L. zum Adjuncten der physisch-mathematischen Lehrkanzel an der philosophischen Facultät ernannt, in welcher Eigenschaft er auch den Professor der Mathematik und Physik zu wiederholten Malen supplirte. Als sein Vater (1826) starb, übernahm L. die Erzieherstelle bei dem ältesten Sohne des Obersthof-Lehenrichters Johann Freiherrn Lexa von Aehrenthal [Bd. XV, S. 49] und behielt sie bis zum J. 1836. Aus dieser Zeit durch den häufigen und anhaltenden Besuch der Herrschaft Doxan angeregt, stammt seine Neigung zur praktischen Landwirthschaft. In der Zwischenzeit vollendete er die juridischen Studien, supplirte im Jahre 1826 die Lehrkanzel der Landwirthschaft an der Prager Universität, und wurde mit Allerh. Entschließung [159] vom 7. Jänner 1832 o. ö. Professor desselben Gegenstandes an der Universität und am polytechnischen Institute zu Prag. Auf diesem Posten entfaltete L. eine erfolgreiche Thätigkeit. Die k. k. patriotisch-ökonomische Gesellschaft ernannte ihn schon im Jahre 1831 zum wirkenden, bald darauf zum Ausschuß-Mitgliede und im August 1852 zu ihrem Vicepräsidenten. Von ihm ging im Jahre 1850 die Anregung zur Errichtung der Ackerbauschulen in Böhmen aus. Mit den beiden Wirthschaftsräthen Horsky [Bd. IX, S. 309] und Komers [Bd. XII, S. 400] entwarf er im Vereine die Grundzüge dieser Anstalten und wirkte in dem dazu zusammengesetzten Comité bis diese Schulen in’s Leben traten. Als Geschäftsleiter des pomologischen Vereins veranstaltete er im Jahre 1835 einen praktischen Unterricht in der Obstbaumzucht im Garten des pomologischen Vereins für Lehramts-Candidaten der Volks- und Hauptschulen, und leitete denselben bis zum Jahre 1853. In den Jahren 1838, 1839 und 1840 war er bei der Zusammenstellung einer Industrialstatistik, nach den 16 Kreisen Böhmens, thätig. L. besuchte die Versammlungen deutscher Land- und Forstwirthe im Jahre 1840 zu Brünn, 1841 zu Doberan, 1842 zu Stuttgart, 1843 zu Altenburg, 1845 zu Breslau, 1846 zu Gratz, 1853 zu Nürnberg, 1855 zu Cleve, war auf jener zu Prag 1856 ökonomischer Geschäftsleiter derselben; die amtlichen Berichte dieser Versammlungen weisen L.’s dabei entwickelte Thätigkeit nach. Im Jahre 1857 wurde er von dem böhmischen Landesausschusse zur Agricultur- und Industrie-Ausstellung nach Paris geschickt. Im Jahre 1850 wurde ihm die Bepflanzung der nördlichen Staatsbahn übertragen. Seit 1848 führt L. die Leitung des böhmisch-ständischen polytechnischen Institutes. Was seine literarischen Arbeiten als Fachmann betrifft, so sind mehrere Abhandlungen in den ökonomischen Neuigkeiten, in den von der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft herausgegebenen drei Zeitschriften, deren Curatorium er seit ihrer Entstehung verwaltete, und in den zwei von dieser Gesellschaft herausgegebenen Wirthschaftskalendern enthalten.

Jelinek (Carl Dr.), Das ständisch-polytechnische Institut zu Prag. Programm zur fünfzigjährigen Erinnerungsfeier an die Eröffnung des Institutes. 10. November 1856 (Prag 1856, G. Haase Söhne, 8°.) S. 236.