BLKÖ:Horsky, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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ab Hortis, Samuel
Band: 9 (1863), ab Seite: 309. (Quelle)
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Horsky, Franz[BN 1] (Landwirth, geb. zu Bilin in Böhmen 29. September 1801). Sohn des fürstlich Lobkowitzischen Bergmeisters, besuchte er die landwirthschaftliche Akademie zu Krumau, trat 1821 in Dienste des Schwarzenbergischen Fürstenhauses, wurde 1837 Amtsdirector, dann Inspector der Herrschaft Libiegitz, als welchem ihm im Jahre 1846 von vier Fürsten und vier Grafen die Centralgeschäfte von 17 Domänen als Wirthschaftsrath und Oberdirigent übertragen wurden. In und bei der Landwirthschaft aufgewachsen, und dann, wie er selbst schreibt, „Von der Pike auf“ bei den Patrimonial-Aemtern bis zu ihrer im Jahre 1849 erfolgten Auflösung angestellt, hat er als Wirthschafts- und Amtsdirector zu Libiegitz und als Wirthschaftsrath mehrerer Herrschaften, wie später als Director der böhmischen Ackerbauschule zu Rabie vielseitige Gelegenheit gehabt, die landwirthschaftlichen Verhältnisse Böhmens besonders in’s Auge zu fassen. Dieß hat er denn auch gethan, und vornehmlich auf ihre Verbesserung bedacht, hat er zuerst ihre Mängel aufzufinden getrachtet, um, wenn er diese gefunden, die Mittel zu bestimmen, wie denselben abzuhelfen sei. So fand er denn bald, daß bisher sowohl die Klein- als auch die Großwirthschaft mit unzulänglichen Acker-, Saat- und Culturgeräthen bestellt war. Auf ihre zweckmäßige Verbesserung sinnend, gelang es ihm von 1829 an, in welchem Jahre er an die Ausführung seiner Ideen ging, bis zur Gegenwart, nicht nur eine Reihe der ganz glücklichen Veränderungen an den vorhandenen Ackergeräthschaften vorzunehmen, sondern auch ganz neue zu erfinden, die sich ihrer erfolgreichen Brauchbarkeit wegen alsbald Bahn brachen. Diese Maschinen und Geräthschaften lieh er den Kleinwirthen unentgeltlich zum Gebrauche, was auch ihre Verbreitung förderte. Diese seine Tendenzen verwirklichte er später, als er im Jahre 1846 und 1847 eine 17 bis 23 Domänen umfassende Güter-Oberdirection antrat, in noch weit größerem Umfange. Andere nicht minder wichtige Momente eines rationelleren Wirthschaftsbetriebes sind sein neues Ackersystem und seine gleichfalls neue Düngerbehandlung, welche beide in seiner weiter unten unter seinen Werken verzeichneten Schrift: „Die allgemeine Verbreitung der Fruchtwechselwirthschaft“ in besonderen Anhängen ausführlich beschrieben werden. In den von H. angebahnten Verbesserungen der Landwirthschaft liegen thatsächlich die wirksamsten Mittel zur [310] Hebung des Nationalreichthums und zur Erleichterung der Steuerzahlung. Mit Bestimmtheit weist H. in seinen Werken in dem System einer geregelten Fruchtwechselwirthschaft nicht nur eine veredelte Production, sondern auch eine Mehrerzeugung an Feldfrüchten um beiläufig 62 bis 110 Percent jährlich nach; so daß nach seinen Berechnungen Oesterreichs Ackerboden durch die Fruchtwechselwirthschaft eine Mehrproduktion von 175 bis 315 Millionen Metzen Kornwerth zu erzielen fähig sei, wobei Böhmen allein mit etwa 43 Millionen Metzen Kornwerth concurriren würde. Um seinen praktischen Ideen in der einfachsten aber auch erfolgreichsten Weise unter dem Landvolke, welches zu Neuerungen sich schwer entschließen mag, Eingang zu verschaffen, verfiel H. auf den Gedanken der sogenannten „Feldpredigten“. Schon im Anfange des Jahres 1861 hatte H. mehrere solche Versammlungen auf freiem Felde zur Unterweisung im Feldbaue abgehalten, im Mai 1862 aber fand über Aufforderung von 22 Gemeinden des Smichover Amtsbezirkes eine solche Feldpredigt zu Kamyek Statt, welche sich aber in ein Fest verwandelte, das dem vielverdienten Feldprediger selbst von den Gemeinden war veranstaltet worden. Alle diese Bestrebungen H.’s sind aber nicht unbekannt geblieben und haben zunächst eine größere Würdigung auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1855 gefunden, auf welcher er 19 von ihm selbst erfundene Modelle und seine mannigfaltigen Verbesserungen an Ackerbaugeräthschaften ausgestellt hat. Unter diesen Ausstellungsobjecten wurden besonders seine Maschinen für eine Vervollkommnung der Kartoffelcultur von Sachverständigen gewürdigt und anerkannt. Horsky’s schon erwähntes Werk über die „Fruchtwechselwirthschaft“ enthält im Anhang IV ein Verzeichniß seiner Ackerwerkzeuge, Saatmaschinen und Culturgeräthe in systematisch-chronologischer Ordnung, welches deren nicht weniger denn 62 aufzählt und deren ersten in das Jahr 1830 zurück und die neuesten bis auf die Gegenwart reichen. In ebenso erfolgreicher Weise wie auf dem praktischen Wege, ist H. auf theoretischem durch Schriften zu wirken beflissen gewesen und hat bisher folgende Werke herausgegeben: „Neue Culturverfahren der Hackfrüchte, besonders der Kartoffeln und Zuckerrübe“ (Prag 1851, André, 8°.); – „Die vervollkommnete Drillcultur der Feldfrüchte, besonders der Kartoffeln und Zuckerrüben auf Erdkämmen. Gartenmässig im Grossen ausführbar durch neue Geräthe und Maschinen“ (ebd. 1851, K. André, mit 6 Tafeln); – „Dienstanweisung über das neue Ackersystem“ (ebd. 1853, 8°.); – „Die allgemeine Verbreitung der Fruchtwechselwirthschaft als wirksamstes Mittel des Nationalreichthums und zur Erleichterung der Steuerzahlung, begründet durch Thatsachen“ (ebd. 1861, H. Mercy, 8°.); auch in čechischer Sprache unter dem Titel: „Střidavé hospodárštvi a jeho všeobecné rozšiřené“ (ebd. 1861, Mercy, 8°.); – „Landwirthschaftliche Feldpredigten“. I. Bd. (ebd. 1861, 8°.). Der Verfasser der bei Augusta in Leitomischl im Jahre 1858 unter dem Titel: „Chrysantheme“ erschienenen Gedichtesammlung, der übrigens auch Franz Horsky heißt, scheint doch eine von dem Wirthschaftsrathe Horsky verschiedene Person zu sein. Auch nach anderer Seite hin hat H. Verdienste erworben; so hat er die von ihm dirigirte Ackerbauschule mit Stiftungscapitalien bedacht, ferner in Prag, Moschau, Choltschitz und Vodnian wohlthätige Stiftungen begründet; beim Ausbruche des Feldzuges 1859 auf eigene [311] Kosten vier Kürassierpferde ausgerüstet und 1000 fl. österr. Metall, für verwundete k. k. Officiere gewidmet. Diese mannigfaltigen Verdienste Horsky’s wurden von seinem Monarchen durch die große goldene Civil-Verdienstmedaille und mehrere Jahre später durch das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet; die vielen behördlichen Anerkennungen seines segensvollen Wirkens sind aber in der mehrerwähnten Schrift über die „Fruchtwechselwirthschaft“, S. 44–45, ausführlich mitgetheilt. Horsky’s Ruf ist so verbreitet, daß er Systemisirungen und Bereisungen von Gütern in Oesterreich, Mähren, Schlesien, Ungarn, ferner in Galizien, in der Lombardie, in Polen und Rußland vorzunehmen hat. Außer mehreren Ehrenämtern ist H. Ehrenbürger der Stadt Vodnian und Mitglied mehrerer landwirthschaftlichen Vereine des In- und Auslandes.

Horsky (Franz), Die allgemeine Verbreitung der Fruchtwechsel-Wirthschaft als wirksamstes Mittel zur Hebung des Nationalreichthums u. s. w. (Prag 1861, H. Mercy, 8°.), [Enthält die ausführlichsten Mittheilungen über H.’s Wirken u. z. S. 24–28: „über seine persönlichen Bemühungen zur Begründung eines zweckmäßigen Wirthschaftsbetriebes unter dem Volke“; S. 41–45: „Zeugnisse seiner öffentlichen und administrativen Wirksamkeit“ u. m. A.] Bericht über die allgemeine Agricultur- und Industrie-Ausstellung zu Paris im Jahre 1855. Herausgegeben unter der Redaction von Dr. Eberhard von A. Jonák (Wien 1857/58, Staatsdruckerei, 8°.) Bd. I, Classe III, Landwirthschaft, S. 40, 51, 67. – Bohemia (Prager Unterhaltungsblatt, 4°.) 1861, Nr. 230, S. 2164. – „Horsky’s Feldpredigten“; – 1862, Beilage zu Nr. 124, S. 1251: „Eine Feldpredigt“. – Oesterreichische Signale für Theater, Kunst, Literatur u. s. w. Herausgegeben von Karl Joseph Kinderfreund (Wien, 4°.) Jahrg. III (1861), Nr. 17. – Schneitler (C. Dr.) und Andree (J.). Die neueren und wichtigeren landwirthschaftlichen Maschinen und Geräthe, ihre Theorien u. s. w. (Leipzig 1857, Teubner. 8°.) S. 246. – Oesterreichische Zeitung (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1855, Nr. 404: „Pariser Ausstellung“. – Wiener (amtliche) Zeitung 1861, Nr. 243, S. 3781. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namens: Franz Seraph Horsky, Wirthschaftsrath. Nach einer Photographie von V. Katzler lithogr. Gedruckt bei Jos. Stoufs in Wien (4°.), Beilage zu Kinderfreund’s „Oesterr. Signale“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Horsky Ritter von Horskyfeld, Franz [Bd. IX, S. 309].
    Blätter für den häuslichen Kreis. Illustrirte Zeitung zur Unterhaltung und Belehrung (Stuttgart, Herm. Schönlein, Fol.) V. Jahrg. (1872), S. 423 [mit Holzschnittbildniß auf S. 421]. [Bd. 28, S. 354.]