BLKÖ:Makó de Kerek Gede, Paul

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Makarius, Thomas
Band: 16 (1867), ab Seite: 321. (Quelle)
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Makó de Kerek Gede, Paul (gelehrter Jesuit, geb. zu Jaszapathi in Jazygien in Ungarn 18. Juli 1724, gest. zu Ofen 19. August 1793). Makó entstammt einem ungarischen Adelsgeschlechte und trat im Alter von 17 Jahren in den Orden der Gesellschaft Jesu. Er wurde im Lehramte verwendet und trug anfänglich in Tyrnau, später an der Wiener Universität Logik und Metaphysik vor. Seine Tüchtigkeit richtete auf ihn die Aufmerksamkeit van Swieten’s, der eben damals die Leitung der philosophischen Studien in den Erblanden unter sich hatte. Durch van Swieten wurde M. an die Theresianische Akademie als Lehrer der Mathematik, Experimentalphysik und Mechanik berufen. Die ersten zwei Wissenschaften trug er in lateinischer, die letztere in deutscher Sprache vor, welch letztere er sich als geborener Ungar, erst durch anhaltendes Studium eigen gemacht. Als in der Folge die ungarische Universität von Tyrnau nach Pesth-Ofen versetzt wurde, und M. nach Aufhebung seines Ordens in den Weltpriesterstand übertreten war, ernannte ihn die Kaiserin zum infulirten Abt zu St. Margaretha von Bela, zum Domherrn der Kathedrale zu Waizen, zum königlichen Rath und Director der philosophischen Facultät an der Hochschule zu Pesth. Als Lehrer und Gelehrter nimmt M. für seine Zeit eine hervorragende Stellung ein. Zur Aufnahme der Pflege der Wissenschaften in Ungarn trug er wesentlich bei. Sein ganzes Leben war ihr gewidmet, man kann sagen, er trieb die Wissenschaften mit Leidenschaft. Zur Erholung übte er die Dichtkunst und nicht ohne Talent und Erfolg. Seines „Elegiacon“ bediente man sich seiner Zeit und ob der classischen Sprache desselben – M. schrieb und dichtete lateinisch – in den schweizerischen Schulen zum Unterricht. Seine Lieblingswissenschaften waren Philosophie, Physik, Mathematik und bereicherte er dieselben mit mancher werthvollen Arbeit (das Verzeichniß seiner Werke folgt unten). In seinen philosophischen Schriften bediente er sich, der Erste, der scientifischen Methode Wolf’s und reinigte diese Wissenschaft von den unnützen scholastischen Streitfragen, welche weniger den Scharfsinn steigern und die Denkkraft bilden, als dieselbe ermüden und lähmen. Seine Lehrbücher bilden in der verkommenen katholischen Schulliteratur eine rühmliche Ausnahme, er schmückte sie mit fein gewählten Stellen aus den griechischen und lateinischen Classikern, in denen er trefflich bewandert war, mit weiser Mäßigung und seltener Gediegenheit vertheidigte er die aufgestellten Lehrsätze und bestreitet in gleicher Weise die entgegengesetzten. In seinen physikalischen Schriften blieb er mit dem Fortschritte dieser [322] Wissenschaft auf gleicher Höhe; er war es auch der in Wien den Geschmack für die höhere Mathematik, die bis dahin nur dem Namen nach bekannt war, weckte, und das Studium derselben durch einen faßlichen Vortrag zu erleichtern suchte. Seltene Kenntnisse besaß er in den Sprachen. Er sprach französisch und italienisch, zur Noth auch griechisch, das Hebräische verstand er fertig, deutsch lehrte und schrieb er, die lateinische Sprache aber hatte er in ihrer echt römischen und classischen Zierlichkeit, er mochte Prosa oder Verse schreiben, ganz in seiner Macht. Frei von Vorurtheilen that er alles, dieselben wo er sie fand zu beseitigen; neue Ideen regten ihn zum Nachdenken darüber auf und wenn er mit seinem freien festen Blick in das Wesen derselben gedrungen, ihre Bedeutsamkeit und Nützlichkeit erkannt, so gehörte er auch zu ihren mächtigsten Förderern. Fast schon 70 Jahre alt, unternahm er es, des Halle’schen Philosophen Eberhard Vernunftmoral in’s Lateinische zu übersetzen, damit in den philosophischen Schulen Ungarns ein entsprechendes Lehrbuch in dieser Wissenschaft vorhanden sei. Durch diese seine Art, durch diese Tüchtigkeit im Gebiete der Wissenschaft, durch diese Unbefangenheit im Denken und Urtheilen, hatte er sich auch die Hochachtung seiner Zeitgenossen erworben und stand mit auswärtigen Gelehrten verschiedener Wissenschaftszweige in weitläufigem Briefwechsel. Makó’s Schriften sind in chronologischer Folge: „Elegiarum liber unicus“ (Tyrnaviae 1752, 12°.), neue Ausgabe unter dem Titel: „Carminum elegiacorum libri tres“ (ebd. 1764, 8°.) und zuletzt: „Elegiacon auctum et emendatum adjecto odario in secundas Josephi II. nuptias“ (Budae 1780, 8°.); – „Compendiaria Physicae institutio. Partes duo“ (Vindobonae 1762 et 1763, 8°.; editio 2da, ebd. 1764, 8°.); – „Compendiaria Matheseos institutio. Algebra et Geometria. Partes duo“ (ebd. 1764, zuletzt 1776, 8°., mit Fig.); – „Compendiaria Logices institutio“ (ebd. 1765, editio 4ta recognita 1773), wurde in Venedig nachgedruckt; – „Compendiaria Metaphysices institutio“ (ebd. 1761, letzte Auflage 1797, 8°.), gleichfalls in Venedig nachgedruckt; – „Dissertatio de figura telluris“ (Olomucii 1767, 4°.); – „Calculi differentialis et integralis institutio“ (Viennae 1768, 8°.), öfter in Schlesien, der Schweiz und in Italien nachgedruckt; – „De arithmeticis et geometricis aequationum resolutionibus“ (ebd. 1770, 4°.); – „Physikalische Abhandlung von den Eigenschaften des Blitzes und[WS 1] den Mitteln wider das Einschlagen“ Wien 1772, 2. Auflage 1775, 8°.), diese Abhandlung gab sein Zuhörer Joseph von Retzer aus Makó’s lateinischen Heften in dieser Uebersetzung eher heraus, als das folgende lateinische Original selbst erschien; – „Dissertatio physica de natura et remediis fulminum“ (Goritiae 1773, 8°.), in ungarischer Uebersetzung von Nikolaus Revay (Preßburg 1781, 8°.); – „Physikalische Abhandlung vom Nordlichte“ (Wien 1773, 8°.), dürfte wohl dieselbe sein, welche viele Jahre später in den „Beiträgen zu verschiedenen Wissenschaften“ (Wien 1795, 8°.) abgedruckt ist; – „Sätze aus dem Gleichgewichte der Körper, aus der Maschinenlehre und aus dem Wasserbau“ (ebd. 1773, 8°.); – „Oratio, quam anno 1777, cum regia scientiarum universitas Budae collocaretur adornavit etc.“ (ebd. 1777), auch deutsch (ebd. im näml. Jahre, 8°.); – „Elementa [323] Matheseos purae“ (Budae 1778, 8°.); – „Elementa Geometriae purae“ (ebd. 1778, 8°.); – „Dissertationes physicae“ (ibid. 1780, 8°.); – „Descriptio provinciae Moxitarum in regno Peruano quam e scriptis postumis Francisci Xaverii Eder e Soc. Jesu annis XV sacri apud eosdem Curionis, digessit, expolivit et adnotatiunculis illustravit“ (ebd. 1791, 8°.). M. starb allgemein betrauert im Alter von 69 Jahren.

P. Makó posthumae memoriae (Pestin. 1793, 8°.). – Kreil (Anton), Einige Züge aus dem Leben und dem Charakter des nunmehr verewigten P. Mako, seinem Andenken gewidmet (Pesth 1793, 8°.). – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex. 8°.) p. 216. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1808, Gerh. Fleischer, 8°.) Bd. VIII, S. 449 [nach diesem geb. 9. Juni 1723]. – Schlichtegroll (Friedrich), Nekrolog auf das Jahr 1793 (Gotha 1794, Justus Perthes, 8°.) IV. Jahrgang, 1. Band, S. 365 [nach diesem geb. 17. Juli 1724]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stück, S. 307 [nach diesem geb. 9. Juli 1723]. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1775, Loewe, 8°.) Tom. II, p. 541. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 21 [nach diesem geb. 9. Juli 1723]. – Fejér (Georgius), Historia Academiae scientiarum Pazmaniae Archi-Episcopalis ac M. Theresianae regiae literaria (Budae 1835, Typ. reg. Universit., 4°.) p. 52, 96, 106 et 111. – Biographie nouvelle des Contemporains etc. (Paris 1821 et s., à la librairie histor., 8°.) Tome XII, p. 291. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., Firm. Didot, 8°.) Tome XXXII, p. 996.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: nnd