BLKÖ:Marcant von Blankenschwert, Michael Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Maray, Albina
Band: 16 (1867), ab Seite: 415. (Quelle)
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Marcant von Blankenschwert, Michael Freiherr (General-Major, Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Báth in Ungarn im Jahre 1752, gest. zu Sepsi-Szent-György in Siebenbürgen 25. März 1831). Entstammt einer alten ursprünglich lothringischen Familie. Schon Vater und Großvater hatten als brave Officiere im kaiserlichen Heere gedient und war letzterer nach 50jähriger Dienstzeit in den Ritterstand erhoben worden. 16 Jahre alt, trat M. als Cadet in die kaiserliche Armee, wurde im Jahre 1772 Fähnrich bei Sztaray-Infanterie und rückte im Regimente nach und nach zum Oberstlieutenant vor. Während dieser Zeit hatte sich M. im Türkenkriege als Oberlieutenant bei Schabacz und Belgrad, dann als Hauptmann in den Kriegen gegen Frankreich ausgezeichnet. Im März 1799 war er zum Major befördert worden. Bei der Belagerung von Schabacz hatte M. den Auftrag erhalten, eine Redoute aufzuführen, durch welche das Lager gegen einen Ausfall gedeckt wurde; und nachdem der Sturm beschlossen worden, leitete er mit beispielloser Entschlossenheit mit 20 Arbeitern den Bau einer Brücke, welche zur Ausführung des Sturmes nöthig geworden war. Kaiser Joseph war Augenzeuge dieser Waffenthat und gab ihm öffentlich die Allerh. Zufriedenheit zu erkennen, während er die Arbeiter reichlich beschenkte. Bei dem Sturme auf Belgrad führte M., damals schon Hauptmann, seine Compagnie im heftigsten Kugelregen bis an die Pallisaden, ermunterte durch Wort und That die Mannschaft zum Ersteigen derselben, worauf der Feind das Feld zu räumen gezwungen ward. Im Feldzuge des Jahres 1796 that sich M. bei mehreren Gelegenheiten durch seine Bravour hervor. So hatte er am 18. October die Angriffe des Feindes auf Malterdingen und die den Ort begrenzenden Anhöhen durch seine eigene und die Tapferkeit des 3. Bataillons, das er als Interims-Commandant befehligte, abgeschlagen und durch seinen hartnäckigen Widerstand, wie durch die mit großer Einsicht getroffenen Maßregeln wesentlich zur Erhaltung dieses wichtigen Punctes beigetragen. Wenige Wochen später, am 22. November, zeichnete er sich bei Sundheim aus, wo er sich des oberen Dorfes bemächtigte, den Feind aus den Verschanzungen trieb und diese alsdann selbst besetzte; endlich nicht geringere Beweise seiner persönlichen Tapferkeit gab er bei der Belagerung von [416] Kehl. Im Jahre 1799 befehligte M. die Vorposten bei Nauders in Tirol und hatte durch seine während geraumer Zeit getroffenen Verfügungen sich als seiner Aufgabe so tüchtig gewachsen gezeigt, daß ihn der Corpscommandant Graf Bellegarde am 28. April 1799 zum Anführer einer Colonne von einem Bataillon Graf Sztaray und vier Compagnien Kinsky erwählte. Am genannten Tage bewährte M. wie sonst seine Bravour und Umsicht. Unaufhaltsam vordringend verjagte er die Franzosen aus allen zum Theile sehr festen und vortheilhaften Stellungen, nahm das Dorf Klamaschad mit Sturm und drängte den Feind mit großem Verluste bis zu der dritthalb Stunden entfernten Brücke bei Strada zurück. Diese durch M. erzielten Erfolge erleichterten unserer Hauptcolonne jenseits des Inns das Vorrücken. M. selbst aber begnügte sich mit den gewonnenen Vortheilen noch nicht, sondern erstürmte die Brücke bei Strada und griff die daselbst stark besetzte feindliche Redoute, deren die ganze Umgebung beherrschende Lage höchst vortheilhaft war, mit einer Unerschrockenheit und Raschheit ohne Gleichen an. Dieser Angriff war auch von dem glücklichen Erfolge begleitet, daß die Redoute von den Unseren – wenngleich mit starkem Verluste – genommen und besetzt wurde. Die Verluste der Unseren betrugen 3 todte und 12 verwundete Officiere, 90 Todte und 237 Verwundete von der Mannschaft. M. selbst war am Kopfe schwer verwundet worden. Aber die bedeutenden Verluste an Officieren und Mannschaft wie die eigene Wunde konnten ihn nicht zurückhalten, die durch seine und der Seinigen Tapferkeit errungenen Vortheile vollends auszunützen und so begann er, obgleich der Feind den hartnäckigsten Widerstand leistete, dessen Verfolgung bis Reims auf eine Entfernung von fünf Stunden, nahm noch das von 1000 Franzosen besetzte Reims und trieb den an 6000 Mann starken Feind auf diese Art in seine Hauptverschanzungen zurück, verhinderte dessen Gegenanstrengungen und wußte durch gut gewählte und oft gewechselte Stellungen die eigene Schwäche so geschickt zu verbergen, daß er der feindlichen großen Uebermacht gegenüber seine Position so lange behauptete, bis andere Colonnen der Unseren ihn zu unterstützen nachgerückt waren. Jetzt erst gedachte er seiner Kopfwunde und wurde er durch starken Blutverlust ganz erschöpft nach Nauders gebracht. Aber er wartete die Heilung seiner Wunde durchaus nicht ab; nach kurzer Zeit, obgleich sie noch offen war, erschien er wieder im Felde und übernahm in Abwesenheit des älteren Stabsofficiers das Commando. Noch im nämlichen Jahre zeichnete er sich bei mehreren Gelegenheiten wieder aus: so bei Alessandria, bei Eröffnung der dritten Parallele, wozu er außer der Tour mit besonderem Vertrauen befehligt wurde; ferner bei Novi, wo er mit außerordentlicher Bravour focht, wieder verwundet und ihm ein Pferd unterm Leibe erschossen wurde; endlich in der Schlacht bei Genola, wo er, kaum von seiner Wunde hergestellt, eine außerordentliche Verwendung fand. Mit einem Bataillon stellte er sich dem ungestüm vordrängenden Feinde entgegen und hielt ihn in seinem Vorrücken auf. Die Franzosen, erbittert durch diesen unerwarteten und hartnäckigen Widerstand, wie durch den großen Verlust, den sie erlitten, erneuerten wieder den Angriff. Aber M. mit seinem Bataillon hielt wacker Stand, bis Unterstützungen herbeieilten, die dem Gegner in die Flanke fielen und ihn endlich zur Flucht nöthigten. Das Ergebniß [417] dieses durch M. geleisteten Widerstandes war die Rettung des Gepäckes und des Geschützes unserer Colonnen. Im September 1800 war M. zum Oberstlieutenant vorgerückt. Da nach abgelaufenem Feldzuge die Darstellungen der Waffenthaten mehrerer verdienter Krieger nicht rechtzeitig bei dem Capitel des Maria Theresien-Ordens eingelangt waren, so wurde im Monate März 1802 ein neues Capitel unter dem Vorsitze des Feldzeugmeisters Ferraris abgehalten und in der 68. Promotion (vom 5. Mai 1802) zwanzig neuen Rittern, und darunter auch Marcant, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt. Im Jahre 1805 erfolgte seine Erhebung in den Freiherrnstand. Im Jänner 1806 wurde er zum Obersten im 1. Szekler Grenz-Regimente befördert und blieb es bis Juli 1809. Nach dem Wiener Frieden trat er als General-Major in den Ruhestand über und zog sich nach Sepsi-Szent-György in Siebenbürgen zurück, wo er im hohen Alter von 79 Jahren starb.

Freiherrnstands-Diplom vom 23. Jänner 1805. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 711 u. 1744. – Wappen. In Blau drei weiße gelbbesaamte, in ein gestürztes Dreieck (oder 2 über 1) gestellte Gartenrosen. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, aus welcher sich ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm erhebt. Auf der Krone des Helms steht ein mit der Spitze aufwärts gekehrtes bloßes Schwert mit goldenem Gefäß. Die Helmdecken sind rechts roth, links blau, zu beiden Seiten mit Silber belegt. – Leitner von Leitnertreu berichtet in seiner „Ausführlichen Geschichte der Wiener-Neustädter Militär-Akademie“ (S. 456) von einem Joseph Marcant von Blankswerth, der im Jahre 1779 aus der k. k. Wiener-Neustädter Militär-Akademie zu Nugent-Infanterie Nr. 30 als Fahnencadet ausgemustert, im Jahre 1799 – also im nämlichen Jahre, wie der obige Michael, was doch Zweifel erregt – zum Major auch bei Sztaray-Infanterie Nr. 33 befördert worden und sich bei der Unternehmung auf Engadein ausgezeichnet habe, dort aber verwundet und gefangen worden sei. Das Zusammentreffen der Beförderung zum Major in einem und demselben Regimente und im nämlichen Jahre lassen hier entweder einen Irrthum in den Taufnamen oder aber in den Angaben vermuthen.