BLKÖ:Mayr Edler von Melnhof, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 152. (Quelle)
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88. Mayr Edler von Melnhof, Karl (Industrieller, geb. zu Leoben in Steiermark im Jahre 1811, gest. zu Gratz 4. Jänner 1864). Der Sohn eines geachteten Bürgers in Leoben und Bruder des Franz Mayr von Melnhof [s. d. S. 107, Nr. 35]. Karl widmete sich dem technischen Fache und besuchte in Wien das Polytechnicum. Nach beendeten Studien entschied er sich für das Eisenhüttenwesen, wozu sich ihm auf den Eisenwerken seines Vaters Gelegenheit darbot, wobei er aber auch bald erkannte, daß es für die Steiermark hohe Zeit sei, das ausgefahrene Geleise des Altherkömmlichen zu verlassen, um nicht zu eigenem schweren Nachtheile von den riesigen Fortschritten, welche damals bereits in den Rheinländern, in Belgien und besonders in England im Eisenhüttenwesen gemacht wurden, überflügelt und endlich unterdrückt zu werden. Im Jahre 1836 trat M. mit dem um die österreichische Montan-Industrie hochverdienten Peter Tunner, im nächsten Hinblicke auf das Eisenhüttenwesen und Alles mit demselben im Zusammenhange Stehende, eine Reise an, auf welcher vorerst Deutschland, dann aber noch viele Länder des Continents, als: Schweden, Belgien, England, Frankreich und Italien besucht wurden. In Schweden verweilte M. längere Zeit bei dem berühmten Sheffström, Professor der Hüttenkunde in Falun. Im Rheinlande, wo er gleichfalls längere Zeit sich aufhielt, erlernte er praktisch den Puddlings- und Walzproceß auf einer der dortigen, den englischen nachgebildeten Anlagen. Nach zweijähriger Abwesenheit, nachdem er noch die Eisenwerke bei Brescia kennen gelernt, kehrte er in seine Heimat zurück. Da sich ihm aber in derselben vorderhand keine Aussicht darbot, seine gewonnenen Kenntnisse sofort zu verwerthen, so trat er in fremde Dienste und nahm den Antrag des Grafen Johann Nostiz an, auf der Herrschaft Plan in Böhmen ein Puddlings- und Walzwerk zu erbauen. Im Jahre 1840 hatte M. seine Aufgabe gelöst, nun erst berief ihn sein Vater, um die Leitung des zu jener Zeit noch im ersten Aufkeimen begriffenen Puddlingswerkes auf der Donawitz bei Leoben zu übernehmen. Nach dem Ableben seiner Eltern trat er mit seinem Bruder Franz in den Besitz der sämmtlichen Werke seines Vaters, und von dieser Zeit datirt der großartige Aufschwung, den dieselben nahmen, wovon der hauptsächlichste Antheil eben ihm gebührt; denn er war es, der alte Vorurtheile aus den Wurzeln hob und beseitigte, indem er dem mit Steinkohlen erzeugten Eisen für den Commerzbedarf erfolgreich die Bahn brach, und überhaupt jene Reformen einführte, welche den Aufschwung ermöglichten, wobei er jedoch von Niemand unterstützt und vielmehr von allerlei Hindernissen aufgehalten, immer nur auf sich selbst angewiesen war. Im Jahre 1849 trennte er sich, von dem Drange, immer Neues zu gründen, von seinem Bruder Franz, kaufte ein im kleinsten Maßstabe angelegtes Puddlingswerk zu Judenburg und brachte dasselbe in der kürzesten Zeit zu einer großartigen Ausdehnung. Aber ein Siechthum, das ihn schon seit längerer Zeit befallen, setzte allmälig seiner jahrelangen segensvollen Thätigkeit Grenzen, und lähmte seine Thatkraft, bis sie mit seinem Tode ganz erlosch. Für seine Verdienste wurde er [153] noch wenige Jahre vor seinem Tode, 1831, in den erbländischen Adelstand erhoben. In seinem Nekrologe heißt es: Karl von M. war zwar kein Feldherr oder Staatsmann, auch kein Künstler oder Gelehrter von europäischem Rufe, aber speciell für die eisen- und kohlenreiche Steiermark hat er segensvoller und nachhaltiger gewirkt, als wenn er den Feldherrn und Staatsmann, den Künstler und Gelehrten in seiner Person vereinigt hätte. Er hatte nämlich sein ganzes Leben dem Aufschwunge der Eisen-Industrie und dem Hüttenwesen gewidmet, und da er mit einer ungewöhnlichen Begabung das reichste theoretische und praktische Wissen und eine ausdauernde Thätigkeit ohne Gleichen verband, so erzielte er auch in kürzester Zeit Resultate, welche nicht nur ihm, sondern dem ganzen Lande Ehre und Vortheil brachten.

Adelstands-Diplom vom 25. September 1861. – Tagespost (Gratzer politische Zeitung) 1664, Nr. 22. – Wiener Zeitung 1864, Nr. 24, S. 329.