BLKÖ:Mehoffer, Ignaz Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mehofer, Alois
Band: 17 (1867), ab Seite: 270. (Quelle)
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Mehoffer, Ignaz Edler von (Schulmann, geb. zu Fulnek in Mähren 15. April 1747[WS 1], gest. zu Brünn 2. März 1807). Gehört einer älteren aus Fulnek stammenden Bürgerfamilie [271] an, welche von ihrem Geburts- und Wohnorte Fulnek aus einen ausgebreiteten Tuchhandel nach Italien und in die Türkei betrieben hat. Durch die Kriege Oesterreichs mit Preußen verarmte aber dieselbe und mußte ihr Vaterland verlassen. So floh des Ignaz Vater im Jahre 1756, zur Zeit des Ausbruches des siebenjährigen Krieges, mit seiner Familie nach Wien und der Sohn besuchte daselbst die unter den Jesuiten stehende lateinische Schule. Im J. 17358 schickte ihn der Vater nach Salzburg, wo ein Bruder des Ignaz am fürsterzbischöflichen Hofe als Truchseß und Münzmeister bedienstet war. [Vergleiche die vorstehende Lebensskizze von Alois Mehofer.] Nach dem bald darauf erfolgten Tode seines Vaters und da die Mutter nach Fulnek zurückgekehrt war, begab sich auch Ignaz von Salzburg in seine Heimat zurück und besuchte in Troppau die Humanitätsclassen (die 5. und 6. Classe des heutigen Obergymnasiums). Die Philosophie hörte er in Olmütz, wo er auch die philosophische Magisterwürde erlangte. Nun begab sich M. nach Wien, wo er die Rechte hörte und zugleich in der Kanzlei des damaligen Reichshofraths-Präsidenten Grafen von Harrach prakticirte. Eine Anstellung bei der Hof-Rechnungskammer, für welche ihm Hoffnungen gemacht worden, erhielt er nicht, da plötzlich eine Reduction des Personals eintrat; so ging er denn auf die Zusage einer Concipistenstelle bei dem Gubernium in Temesvár dahin, um aber auch da wieder enttäuscht zu werden, denn die ihm zugesagte Concipistenstelle verwandelte sich bei seiner Ankunft in Temesvár in eine Kanzlistenstelle, welche M. jedoch, ungeachtet der weiten und beschwerlichen Reise dahin, ablehnte. Nach einem dreimonatlichen Aufenthalte kehrte er nach Wien zurück, und trat wieder seinen früheren Posten bei dem Grafen Harrach an, den er so lange behielt, bis die Verhältnisse ihn auf einen Posten stellten, auf dem er in segensreichster Weise zu wirken berufen war. Um die deutschen Schuten im Kaiserstaate zu verbessern, hatte die Kaiserin Maria Theresia den Propst von Sagan, J. I. v. Felbiger [Bd. IV, S. 166], nach Wien berufen. Mehoffer wohnte dessen Vorlesungen über die Verfassung der deutschen Schulen und über die Sagan’sche Lehrmethode bei. Felbiger gab nun seinen Zuhörern die Beantwortung der Frage: „wie jeder von ihnen in seiner Weise die Verbesserung der Schulen durchzuführen gedächte“, zur Aufgabe. Mehoffer’s bis in’s Einzelnste ausgeführte Beantwortung erhielt so sehr Felbiger’s Anerkennung, daß er es ihm freistellte, wo er, um die Reformen des Schulwesens durchzuführen, hinzugehen wünsche. Mehoffer wählte sein Vaterland Mähren, und wurde alsbald als Director der Normalschule nach Brünn beordert, wo er im April 1775 eintraf. Er ordnete sofort den Unterricht der geistlichen und weltlichen Präparanden, welche dann als Directoren, Katecheten und Lehrer an der Hauptschule angestellt wurden, und noch im November 1775 wurden die Hauptschulen im Lande eröffnet; M. bereiste sie nun noch im nämlichen Winter, führte die weiteren Organisirungen in Person durch, sorgte für die erforderlichen Schulbücher, deren Verkauf er, da es keinen Verleger gab, unentgeltlich durch viele Jahre selbst besorgte. Ueber den Stand der Schulen erstattete er zweimal im Jahre, nämlich für den Winter- und Sommercurs, Hauptberichte, in welchen er die Bemerkungen hinzufügte, was, da es nicht in seiner Machtvollkommenheit lag, durch die [272] Kreisämter veranlaßt werden sollte. Auf seinem Posten entfaltete M. eine so energische und verdienstliche Thätigkeit, daß er im Jahre 1780 den Charakter eines Oberaufsehers der deutschen Schulen in Mähren erhielt. Als dann im Jahre 1782 das österreichische Schlesien mit Mähren vereinigt, d. h. unter das mährische Gubernium gestellt wurde, wurden M. auch die schlesischen Schulen zugetheilt und erhielt er den Auftrag, sie nach dem in Mähren bestehenden Plane einzurichten. Um ferner dem Schulwesen eine größere Unterstützung und einen einheitlichen Charakter zu geben, befahl Kaiser Joseph II. im Jahre 1787, daß bei jedem Kreisamte ein eigener Schulcommissär anzustellen sei. Dieser wurde nach M.’s Vorschlag ernannt, von ihm genau instruirt und war in seinem Amte überhaupt an den Schul-Oberaufseher angewiesen. Der Erfolg aber, den man sich von diesen Schulcommissären versprach, war nicht erzielt worden, auch beschwerten sich einige Bischöfe, daß sie mit dem Schulwesen in keiner Verbindung ständen, und so wurden auf Befehl des Kaisers Franz die Schulcommissäre außer Wirksamkeit gesetzt und im Jahre 1804 ein neuer Schulplan in Ausführung gebracht. Die Hauptpuncte desselben bestanden darin: daß das deutsche Schulwesen den bischöflichen Consistorien untergeordnet wurde, und daß die weltlichen Oberaufseher, an deren Stelle bei den Consistorien geistliche Referenten von den Bischöfen vorgeschlagen werden mußten, bei den Gubernien in dem Studien-Departement angestellt werden sollten. So verlor M. seine Stelle als Oberaufseher der deutschen Schulen in Mähren und Schlesien, welche er nahezu durch dreißig Jahre bekleidet, und während welcher Zeit er mächtig zur Aufnahme des Schulwesens in diesen Ländern beigetragen hatte. Als nämlich M. im Jahre 1775 sein neues Amt antrat, besuchten im ganzen Lande kaum 10.000 Kinder die Schulen, als er seinen Posten in Folge des neuen Schulplanes aufgeben mußte, befanden sich im Lande 1548 Schulen, welche von 146.894 Schülern besucht wurden, ungerechnet die 28.586 Erwachsenen, welche nur an Sonn- und Feiertagen in den Schulen unterrichtet wurden. Den Consistorien war offenbar die durch den tüchtigen Unterricht fortschreitende Bildung der unteren Volksclassen, welche die weltliche Schuloberaufsicht nach Kräften förderte, bedrohlich erschienen. Mehoffer war schon im Jahre 1796 in Anerkennung seiner Verdienste um das Schulwesen, „das unter seiner Leitung in jedem Bezuge gewonnen hatte“, wie es im Diplome heißt, in den erbländischen Adelstand erhoben worden. Im Jahre 1804, als der neue Schulplan in’s Leben trat, erhielt er als Entgelt für den Verlust seines Oberaufseherpostens den Titel eines kaiserlichen Rathes und wurde er bei dem mährisch-schlesischen Gubernium dem geistlichen Departement als Referent des deutschen Schulwesens zugetheilt. Noch ist zu bemerken, daß M. den Plan des Pensions-Institutes für Schullehrer-Witwen und Waisen in Mähren und Schlesien entworfen hat. Nach seinem Tode gab J. J. H. Czikann Mehoffer’s „Erdkunde der Markgrafschaft Mähren, mit vorzüglicher Rücksicht auf Natur- und Kunsterzeugnisse u. s. w.“, berichtigt und vermehrt (Brünn 1814, J. G. Gastl, 8°.) aus dessen Nachlasse heraus.

Adels-Diplom vom 13. Februar 1796. – Erdkunde der Markgrafschaft Mähren, von [273] Ignaz v. Mehoffer, berichtigt und vermehrt von Joh. Jac. Czikann (Brünn 1814, 8°.), daselbst Mehoffer’s Selbstbiographie. – Neue Annalen der Literatur in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Anton Doll, 4°.) I. Jahrg. (1807), 1. Bd., Intelligenzblatt Monat August, Sp. 88; dieselben, II. Jahrg. (1808), Intelligenzblatt Jänner, Sp. 33. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, S. 553. – Rozličnosti Pražské, d. i. Prager Miscellen, in den Jahrgängen 1829 und 1830. – Wappen. Ein blauer, mit drei silbernen rechtsschrägen Balken belegter Schild, welcher in der Mitte von einem blauen, mit einem schmalen Silberstreif belegten Querbalken durchschnitten ist. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm. Aus dessen Krone wachsen zwei auswärtsgekehrte, unten blau und oben silbern, in der Mitte quergetheilte Büffelhörner. Die Helmdecken sind blau, mit Silber belegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1847.