BLKÖ:Morawek, Adolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Morali, Ottavio
Band: 19 (1868), ab Seite: 71. (Quelle)
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Morawek, Adolph (Arzt, geb. zu Prag 11. November 1816, gest. zu Würzburg 11. November 1855). Der Sohn geachteter Bürger in Prag, beendete er daselbst seine Studien und erlangte im Jahre 1843 die medicinische Doctorwürde. Nun wirkte er als Secundärarzt an verschiedenen Abtheilungen des Prager Krankenhauses und bildete sich unter Männern wie Engel, Kraus, Oppolzer, Pitha und Riedel, so daß er in der Reihe der jüngeren Aerzte bald zu den ausgezeichnetesten Vertretern seiner Wissenschaft zählte. Im Jahre 1848 wurde er Assistent der unter Dr. Pitha stehenden chirurgischen Klinik. Vier Jahre bekleidete M. diesen Posten. Die wenigen Stunden, die ihm nach den ihm obliegenden klinischen Visiten und den ermüdenden, mit seinen Schülern abzuhaltenden Operationsübungen noch blieben, widmete er mit rastlosem Eifer dem Studium seiner Specialwissenschaft, auf der die unermüdliche Forschung mit jedem Tage neue und immer wichtigere Ergebnisse zu Tage fördert. Der angestrengte Dienst hinderte ihn, sich schriftstellerischen Arbeiten in seinem Wissenschaftszweige zuzuwenden, aber er unterließ es nicht, die sich ihm darbietenden zahlreichen und wichtigen Beobachtungen aufzuzeichnen, um sie in einer späteren Zeit, wenn ihm vielleicht mehr Muße gegönnt war, zu verarbeiten. In dieser Periode unternahm er eine Reise durch Deutschland nach Frankreich und England, auf derselben berührte er Würzburg, wo die medicinische Facultät schon eine der schönsten Zierden ihrer Wissenschaft in Scanzoni besaß. Morawek hatte dort in den maßgebenden Kreisen seiner Wissenschaft so viele Sympathien gefunden, daß die Wahl der medicinischen Facultät bei Gelegenheit der Besetzung der Professur der chirurgischen Klinik auf ihn fiel. Am 10. Mai 1854 betrat er als neuernannter Lehrer der chirurgischen Klinik Würzburgs Boden[1]; die strengste Pflichterfüllung, die [72] humanste Hingebung am Krankenbette, die wärmste Liebe zu seinen Schülern bezeichneten jeden seiner Schritte. Aber nicht lange war es ihm gegönnt zu wirken. Anderthalb Jahre nach seiner Berufung entriß ihn in noch nicht vollendetem 40. Jahre der Tod der Menschheit und der Wissenschaft. Im Drucke ist von ihm nichts erschienen, als ein Bericht über seine oberwähnte Reise in den Miscellen der „Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde, herausgegeben von der medicinischen Facultät in Prag“, im 43., 46., und 47. Bande, und ein Artikel über die Bewegungsorgane im Analektenreferate derselben Zeitschrift, im 41. Bande. Der Herzog Max in Bayern, Vater Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich, ließ sein Grab mit einem Denkmale schmücken. Dasselbe ist aus Sandstein, in einfachem gothischen Style und aus der Werkstätte des Bildhauer zu Würzburg, Wilhelm Huber, hervorgegangen. Sein College, der berühmte Arzt Scanzoni, würdigte in einem Nachrufe die Verdienste des Verblichenen.

Die Erinnerungen (Prager belletristische Zeitschrift, 4°.) Jahrg. 1856, S. 177: „Aus dem Leben eines Arztes“. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 475. – Grabdenkmal des Arztes Adolph Morawek. Die „Erinnerungen“ enthalten eine Abbildung des Denkmals, dessen Inschrift folgendermaßen lautet: Dr. Adolf Morawek, öffentlicher ordentlicher Professor der gesammten chirurgischen Klinik an der kgl. Julius-Maximilians-Universitaet, dann Ober-Wundarzt des Julius-Hospitals, Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, geb. zu Prag am 11. November 1816, gest. zu Würzburg an demselben Tage 1855. Dem Biedermanne, dem berühmten Arzte widmet dieses Andenken in Liebe und Dankbarkeit Maximilian Herzog in Bayern.

  1. Bemerkenswerth ist es, welches Contingent Oesterreich und namentlich Böhmen an berühmten Aerzten dem Auslande liefert, so ist zunächst zu erwähnen Professor Kiwisch von Rotterau, auch bereits 1852 gestorben [72] (vergleiche seine Biographie in diesem Lexikon, Bd. XI, S. 343]; Dietrich, Professor der Klinik zu Erlangen, gest. 1858, vormals Assistent der pathologischen Anatomie zu Prag; Lange in Heidelberg, vormals Professor der Geburtshilfe in Prag; Professor Scanzoni, lange Zeit Professor der Geburtshilfe in Würzburg, eine Specialität ersten Ranges in seinem Fache; Professor Bamberger in Würzburg, ein geborner Prager, vormals Assistent des Professors Oppolzer in Prag und Wien; Professor Linhart, ein geborner Brünner, Nachfolger Morawek’s in Würzburg und vormals Assistent des Professors Schuh in Wien, u. m. A.