BLKÖ:Morawetz, Franz (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Morawek, Adolph
Band: 19 (1868), ab Seite: 72. (Quelle)
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Morawetz, Franz (I.) (gelehrter Piarist, geb. zu Straznitz in Mähren 18. Februar 1734, gest. zu Leipnik 22. November 1814). Erscheint auch mit dem Doppeltaufnamen Franz Adolph. In seinem Geburtsorte besuchte er die unteren Schulen und das Gymnasium, und setzte die Studien in Troppau und Olmütz fort, an welch letzterem Orte er im Jahre 1750 in den Orden der frommen Schulen trat, in welchem er zwei Jahre später die Ordensgelübde ablegte und in den Lehranstalten des Ordens zu Leitomischl und Kremsier die philosophischen und theologischen Studien beendete. Nun wurde er selbst im Lehramte verwendet und trug zuerst in Freyberg Philosophie, zwei Jahre später in Nikolsburg das Bibelstudium und vier Jahre darnach dasselbe in Kremsier vor; überdieß lehrte er daselbst auch noch von 1792 bis 1807 Hermeneutik des alten und neuen Testamentes und die Einleitung in die heiligen Bücher; durch zwei Jahre die hebräische Sprache und versah seit 1795 längere Zeit hindurch die Stelle des Vice-Directors. In Kremsier war M. auch viele Jahre Bibliothekar der erzbischöflichen Bibliothek, über welche er eigenhändig einen trefflichen Realkatalog verfaßte. Die [73] von Morawetz verfaßten Schriften sind: „Moraviae historia politica et ecclesiastica cum notis et animadversionibus criticis probatorum auctorum“, tomi 3 (Brünn 1785–1787, 8°.). In Jaroslaw Schaller’s „Kurzen Lebensbeschreibungen jener verstorbenen gelehrten Männer aus dem Orden der frommen Schulen, die sich durch ihr Talent und besondere Verdienste um die Literatur und Wissenschaften u. s. w. vorzüglich ausgezeichnet haben“ (Prag 1799, 8°.) wird, S. 169, der Piarist Adolphus Pilarz a S. Floro als Verfasser des genannten Werkes angegeben und dabei bemerkt, „daß Pilarz es mit Beihilfe des P.Franz Morawetz verfertigt und zum Drucke befördert habe. Die Sache verhält sich aber eben umgekehrt, der auf dem Titel mitgenannte Adolph Pilarz hat nur stylistische Aenderungen daran vorgenommen und den Druck besorgt. Noch gab Morawetz heraus die Schrift: „Genealogisches Fragment eines adeligen, aus dem Königreich Neapel nach Mähren gekommenen Geschlechtes der Ritter von Galotti“ (Brünn 1790). M. erreichte das hohe Alter von 80 Jahren.

d’Elvert (Christian), Geschichte der historische Literatur von Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1850, gr. 8°.) S. 250, und in den „Nachträgen“, S. 297, welche in desselben Verfassers „Geschichte des Bücher- und Steindruckes u. s. w.“ (Brünn 1854) abgedruckt sind. – Czikann (Johann Jakob Heinrich), Die lebenden Schriftsteller Mährens. Ein literarischer Versuch (Brünn 1812, Jos. Georg Traßler, 8°.) S. 106. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 706. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur. Redigirt von Joh. Wilh. Ridler (Wien, 4°.) Jahrg. 1831, S. 171, im Aufsatze des Bibliothekars Richter: „Zur Geschichte der mährischen Literatur“. Daselbst heißt es über die von Morawetz geschriebene Geschichte: „Pilarz und Morawetz schrieben ein ziemlich brauchbares Compendium der mährischen Geschichte in lateinischer Sprache zusammen, das bis an das neunzehnte Jahrhundert reicht und dafür alle damals zugänglichen gedruckten und geschriebenen Quellen benützt wurden. Bescheidene Kritik, möglichste Vollständigkeit, selbst hinsichtlich der mährischen Literaturgeschichte, letztens kluge Vermeidung (damals) fruchtloser Polemik, begründeten den Credit dieses fast ganz vergriffenen Werkes mitten in einer Zeit, wo unter der Firma der von der Regierung geförderten heilsamen Aufklärung die Emissäre der Encyklopädisten, Physiokraten, Oekonomisten, Philantropen und Illuminaten auf geheimen Wegen ihr Ziel verfolgten und einen Geist im Lande zu begründen suchten, dessen Verderblichkeit die Zeitereignisse sattsam nachgewiesen haben.“ Bezüglich dieser letzteren Anschuldigung stellt der Redakteur des Archivs, Ridler, die gegründete Frage: „Läßt sich dies nachweisen?“