BLKÖ:Nagnzaun, Albert

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Naglitsch, Martin
Nächster>>>
Nagy, Alexander
Band: 20 (1869), ab Seite: 39. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 135934923, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nagnzaun, Albert|20|39|}}

Nagnzaun, Albert (Abt von Sanct Peter in Salzburg, geb. auf der Festung Hohen-Salzburg 14. November 1777, gest. zu Salzburg 29. September 1856). Die Nagnzaun sind eine seit ein paar Jahrhunderten in Salzburg ansässige Bürgerfamilie, von denen einzelne das Graveurhandwerk ausübten. Pillwein berichtet, daß er schon Wappen und Bilder vom 16. Jahrhunderte mit dem Namen Nagnzaun gesehen habe. So war ein Johann Nagnzaun im Jahre 1762 Büchsenmeister in Hohen-Salzburg, von dem Pillwein ein Bild des Theophrostus Paracelsus gesehen. Ein Franz Nagnzaun (geb. 1771) war Kleinuhrmacher und Graveur in Hohen-Salzburg. Dieser letztere war ein Vetter Albert’s, des nachmaligen Abtes. Der Vater Albert’s war fürsterzbischöflicher Kanonier. Den talentvollen Knaben nahm frühzeitig das Salzburger Capellhaus auf, nun besuchte er theils die Schule des Stiftes St. Peter, theils die Salzburger Universität. Als 18jähriger Jüngling trat er in den Orden des heil. Benedict und erhielt am 24. October 1795 das Ordenskleid im Stifte St. Peter, wo er am 21. November 1798 das feierliche Ordensgelübde ablegte. Seinen theologischen Studien lag er selbst dann noch, als er schon, am 28. Februar 1801, zum Priester geweiht war, mit ununterbrochenem Eifer ob, ohne jedoch seine Ausbildung auch in den übrigen Wissenschaften zu vernachlässigen, unter denen er namentlich für Naturwissenschaften frühzeitig eine Vorliebe faßte, so daß er, noch seinen theologischen Studien obliegend, seinen jüngeren Mitbrüdern Vorlesungen aus der Mineralogie hielt. Vom Jahre 1802 an widmete er sich dem Studium der orientalischen Sprachen und den höheren theologischen [40] Wissenschaften. Abt Dominik Hagenauer schickte ihn zur weiteren Ausbildung in den Wissenschaften nach Rom. Nagnzaun benützte seinen Aufenthalt in Rom, wo er theils archäologischen Studien sich zuwendete, theils unter der Anleitung des gelehrten Cassinensermönches P. Carlo Altieri die orientalischen Sprachstudien fortsetzte. Er verweilte in Rom vom Jahre 1804 bis zum Jahre 1806, in welchem er im Monate Juni nach dem Stifte St. Peter zurückkehrte. Noch in demselben Jahre begann er seinen jüngeren Mitbrüdern Vorlesungen in der Dogmatik zu halten. Nun erlangte er im Jahre 1808 das Doctorat der Theologie und Philosophie an der Universität zu Salzburg, an welcher er zum Professor des neuen Bundes ernannt wurde. In dieser Eigenschaft fungirte Dr. Nagnzaun in der theologischen Facultät bis zur Aufhebung der Universität im December 1811. Im Jahre 1812 ging er als Cooperator nach Dornbach bei Wien, wo er auch die praktische Seelsorge bis zum Jahre 1818 ausübte. Während dieser seiner Seelsorgezeit wurde er aber im Jahre 1816 auf kurze Zeit in das Stift zurückberufen, wo er die Novizen und Cleriker leitete, hierauf aber, zum Pfarrer und Herrschafts-Administrator ernannt, in dieser selbstständigen Eigenschaft nach Dornbach zurückkehrte. Als im Jahre 1818 der damalige Abt des Stiftes St. Peter, Joseph Neumair, mit Tod abging, wurde N. schon beim ersten Scrutinium am 15. December 1818 zum Abte erwählt und übernahm in demselben Jahre noch die Localdirectorstelle des Salzburger Gymnasiums, sowie er überhaupt fortan dem Unterrichtswesen auch in seiner neuen Würde ein besonderes Augenmerk widmete. Dieses erstreckte sich aber vorzüglich auch auf die Landschulen des Stiftes St. Peter. Unter ihm kam der Umbau des Schulhauses in Abtenau 1829 zu Stande. In demselben Jahre errichtete er in Rußbach eine Schule und führte dort ein ganz neues Schulhaus auf; ferner erbaute er in Annaberg im J. 1839 ein Schulhaus, ebenso 1848 eines zu Dornbach. Auch den schon in seiner Jugend mit Liebe erfaßten Naturwissenschaften und historischen Studien wurde er in seiner Prälatenstellung nicht ungetreu, und wandte Geldmittel und alle persönliche Energie auf, wo er nur die Sammlungen des Stiftes bereichern zu können vermeinte. So brachte er im Jahre 1819 von dem damaligen k. k. Regierungsrathe Schroll dessen ansehnliche Mineraliensammlung von ungefähr 10.000 Exemplaren käuflich an das Stift zu St. Peter und legte eine interessante naturhistorische Sammlung aller im Lande Salzburg vorkommenden Pflanzen, Vögel u. s. w. an. Diese naturhistorischen Anlagen und Sammlungen wuchsen so schnell heran, daß es im Stifte an Raum zur schicklichen Aufstellung zu fehlen begann. Auch da wußte der Abt Rath und erhielt durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers Franz im Jahre 1821 die Gallerie des kaiserlichen Residenzgebäudes in Salzburg zur Benützung für die Aufstellung der naturhistorischen Sammlungen. Im Jahre 1825 wurde die interessante Manuscriptensammlung und Bibliothek des damaligen k. k. Regierungsrathes Fellner angekauft. Dem Stiftsarchive wendete der Verblichene seine unmittelbare persönliche Thätigkeit zu, arbeitete Nächte hindurch in den Handschriften, Werken und an der Ordnung und Systemisirung derselben. Von seiner Handschrift findet sich noch ein nach dem Alphabete geordnetes Repertorium [41] in vier Folianten vor, das er selbst angelegt und vollendet hatte. Auch bereicherte er das Archiv durch die Seethaler’schen und Fellner’schen Sammlungen. Aber auch der Obsorge für die Kirche und für die Pfarreien vergaß Abt Nagnzaun nicht. Im Jahre 1827 baute er zu Dornbach den Pfarrhof und ein ganz neues Oekonomiegebäude, sowie er auch die umfassenden und bedeutenden Wirthschaftsgebäude zu Pabenschwand herstellte. Im Jahre 1837 stellte er die abgebrannte Kirche zu Kirchberg bei Wieting wieder her. Im Jahre 1833 nahm er die Restaurirung der Stiftskirche vor, die er im Jahre 1827 ganz neu mit Kupfer decken ließ. Auch um das Nonnenstift Nonnberg nahm er sich sehr werkthätig an. Im Jahre 1819 zum Visitator, im Jahre 1830 zum Administrator desselben ernannt, wußte er die damals etwas zerrütteten ökonomischen Verhältnisse des Nonnenstiftes der Benedictinerinen bald zu heben, und gab demselben seine alte Blüthe zurück. In seinem rastlosen Eifer ruhte er nicht, bis das ganze Klosterarchiv (darunter die wesentlichsten Stiftungsurkunden der Wallfahrtskirche Maria-Plain), welches im Jahre 1813 nach München abgeführt worden war, vollständig von da wieder zurücklangte, und die Vereinigung dieser Kirche mit dem Stifte St. Peter im Jahre 1823 wirklich zu Stande kam. Nagnzaun erreichte das hohe Alter von 79 Jahren. Das letzte Decennium seiner Jahre, in dem er noch seine Jubelprimiz feierte, brachte er in völliger Erblindung zu, die er sich wohl zunächst durch seine wissenschaftlichen Studien und Archivsarbeiten zugezogen haben mochte. Er wurde in München, jedoch leider ohne Erfolg, operirt. Auch in Wien wußte man ihm keine Abhilfe. Nagnzaun war der 79. Abt zu St. Peter, war Propst zu Wieting, fürsterzbischöflich geistlicher Rath, der Philosophie und Theologie Doctor und Jubelpriester.

Salzburger Kirchenblatt (4°.) V. Jahrg. (1856), Nr. 45. – Predigt (Leichenrede) bei der Beerdigung der entseelten Hülle des hochwürdigen und wohlgebornen Herrn Albert Nagnzaun. LXXIX. Abtes des Benedictinerstiftes St. Peter zu Salzburg .. abgehalten von J. B. R. (Salzburg 1856, Duyle). – Storch (Franz Dr.), Skizzen zu einer naturhistorischen Topographie des Herzogthums Salzburg (Salzburg 1857, Mayr, 8°.), im Aufsatze: „Geschichte der botanischen Forschungen in Salzburg“, von Heinrich Reitzenbeck. [Zur Zeit, als Abt Albert das Zeitliche segnete, besaß das Naturaliencabinet von Sr. Peter in Salzburg 252 Vogelarten, Fische und Amphibien, 3500 Insecten, 750 Molusken; eine Mineraliensammlung von 10.000 Stücken; ein allgemeines Herbarium in Großfolio-Format von 10.000 Arten, darunter 8170 Phanerogamen, 117 Farnkräuter, 618 Moose, 742 Flechten, 240 Algen, 113 Blattschwämme; die Flora von Salzburg in Kleinfolio-Format, welche 1024 Arten enthält; eine Sammlung von 2500 Früchten und Samen, und eine Holz- und Früchtensammlung von 77 salzburgischen Gesträuchen und Bäumen. Reitzenbeck schreibt ihn unrichtig Nagenzaun statt Nagnzaun.] – Salzburger Landes-Zeitung 1856, Nr. 235 u. 236. – Pillwein (Benedict), Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer, theils verstorbener, theils lebender Künstler, auch solcher, welche Kunstwerke für Salzburg lieferten (Salzburg 1821, Mayr’sche Buchhandlung, kl. 8°.) S. 166. – Gistel (Johannes). Lexikon der entomologischen Welt, der carcinologischen und archäologischen (Stuttgart 1846, Schweizerbart, 8°.) S. 54 [daselbst heißt er irrig Nagezaun]. – Series Abbatum monasterii O. S. B. ad S. Petrum Salisburgi (Salzburg 1864, Duyle), p. 28.