BLKÖ:Schroll, Kaspar Melchior Balthasar

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Schroff (Zugführer)
Nächster>>>
Schroll, Beda
Band: 32 (1876), ab Seite: 15. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 178127558, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schroll, Kaspar Melchior Balthasar|32|15|}}

Schroll, Kaspar Melchior Balthasar (Chef der Berg- und Salinen-Direction in Salzburg, geb. zu Kirchberg, einem in dem damals zu Salzburg gehörenden Brixenthale gelegenen Dorfe, am 6. Jänner 1756, gest. am 16. November 1829). Nachdem er die heimatliche Dorfschule besucht, kam er zuerst nach Kitzbühel und dann als Sängerknabe in das damalige Chorherrnstift St. Zeno bei Reichenhall, wo er zum Eintritte in das Gymnasium vorbereitet wurde. Letzteres besuchte er zu Hall und nach Aufhebung des Ordens der Jesuiten in Salzburg, wo er auch die philosophischen Studien beendete. Seine ursprüngliche Absicht, sich dem geistlichen Stande zuzuwenden, hatte er [16] aufgegeben, nachdem er eine Anstellung beim Bergwesen erhalten hatte. Nun betrieb er fleißig das Studium der Mathematik, namentlich des angewandten Theiles derselben, wurde im Jahre 1777 Bergwerks-Praktikant in Salzburg, ließ sich aber gleichzeitig bei der Berghauptmannschaft, welche eine Abtheilung der Hofkammer bildete, verwenden. Nach seiner 1778 erfolgten Uebersetzung zum Berg- und Hüttenamte in Lend und 1779 geschehener Beförderung zum Gegenschreiber in Leogang, sandte ihn Erzbischof Hieronymus, der seine Tüchtigkeit erkannt hatte, auf Aerarialkosten auf die Bergakademie zu Freiberg, wo er unter Charpentier, Werner u. A. eine vollständige theoretische und praktische Ausbildung in den Bergwissenschaften erhielt. Nach Beendigung des Curses besichtigte er die sächsischen Bergwerke, kehrte 1782 nach Salzburg zurück, wurde nun Bergofficier bei der dortigen Hofkammer in Bergwerkssachen und begleitete den damaligen Berghauptmann auf allen seinen Commissionsreisen. Im Jahre 1788 erfolgte seine Ernennung zum fürstlichen Rathe und Referenten der Hofkammer in Bergwerkssachen und nach deren Auflösung zum Hofkammerrathe. Im Jahre 1791 begann er seine Vorlesungen über Mineralogie und Bergbaukunde an der Universität in Salzburg, und wirkte überdieß als Mitglied der zur Behandlung und Leitung des Wasserbaues im Gasteiner Thale und der Austrocknung des Pinzgaues aufgestellten Commission. 1793 zum Bergrathe ernannt, wurde er, als Kurfürst Ferdinand die Regierung antrat und am 7. December 1803 der Hofkammer eine neue Verfassung gab, Hofkammerrath, und nachdem 1806 Salzburg unter die österreichische Landeshoheit kam, 1807 Chef der neu organisirten Berg-, Salinen- und Münzdirection mit dem Titel eines Directors und k. k. Regierungsrathes. Als dann 1810 Salzburg unter bayerische Landeshoheit kam, blieb er provisorisch in seiner Stelle, wurde aber, da für den Salzachkreis als dritten Haupt-Bergdistrict ein besonderes Ober-Bergcommissariat errichtet wurde, 1812 zum Ober-Bergcommissär mit dem Titel eines k. Oberstbergrathes ernannt. Als endlich 1816 Salzburg wieder unter Oesterreich kam, erfolgte 1823, nach vollendeter Organisation der montanistischen Behörden, Schroll’s Ernennung zum Chef der Berg- und Salinen-Direction über den ganzen Gebirgsbezirk Salzburgs, während die unmittelbare Leitung des Salzburger Forstbezirkes an Franz Anton Jirasek [Bd. X, S. 179] übertragen wurde. In letzter Eigenschaft blieb S. bis an sein im Alter von 73 Jahren erfolgtes Lebensende thätig. Das Bergwesen im Salzburgischen verdankt S. viele und nicht unwesentliche Verbesserungen, von denen u. a. namhaft genannt seien: jene beim Poch- und Waschwerke in Böckstein, bei dem Goldwaschwerke in Rauris und Fusch, bei dem Kupferwaschwerke am Limberg, zu Kluken und Untersulzbach, wo er auch die Siebsalz-Manipulation einführte; bei der Kupfererzeugung in Großarl, vorzüglich aber in Leogang, wo er ein Waschhaus und einen Stoßherd erbaute, das Schmelzen des Blei- und Kupferrostes und die Siebsalz-Manipulation des Scheidwerkes verbesserte u. s. w. Ueberdieß war S. auch als Schriftsteller in seinem Fache thätig und hat selbstständig herausgegeben: „Grundlinien einer Salzburgischen Mineralogie“ (Salzburg 1786, 8°.); – „Beiträge zur Kunst und Wirthschaft der Aufbereitung der Erze. Nebst zwei Anhängen: a) Beschreibung einer neuerbauten [17] grossen Treibmaschine, b) Ueber die Mittel zur Erhaltung tauglicher Berg- und Hüttenarbeiter“ (Salzburg 1802, Mayr, gr. 8°.); – „Gespräche zwischen einem Pfleger und Gemeindevorsteher über einige wichtige Gegenstände der Landwirthschaft, des Forst- und Wasserbauwesens“ (ebd. 1829). Von seinen in Fachschriften zerstreuten Aufsätzen, sind anzuführen: in Hübner’s „Physikalischem Tagebuch 1786“: „Anzeige der Fossilien des Salzburgischen Gebirges, nach der Wernerischen Uebersetzung von Cronstadt’s Mineralogie geordnet“; – in Schrank’s „Abhandlung einer Privatgesellschaft von Naturforschern“: „Beschreibung einer neuen Art Siedofen von bewährtem Nutzen, in welchem jede Gattung der gewöhnlichsten Feuermaterialien ... mit guter Wirthschaft angewendet werden kann“ (Bd. I, 1792); – „Geographisch-mineralogische Uebersicht der Salzburgischen Berg- und Hüttenwerke, in Briefen an seine Freunde ...“; – in v. Moll’s „Jahrbuch“: „Beschreibung und chemische Zerlegung einer neuen Steinart, die man vielleicht Madreporstein nennen könnte“ (Bd. I, 1797); – „Beschreibung der Ueberschwemmung zu Niedernsill im Pinzgau“ (Bd. V, 1802). Kleinere technische und fachwissenschaftliche Mittheilungen seiner Feder befinden sich in der „Oberdeutschen Literatur-Zeitung“, in Koch-Sternfeld’s „Salzburg- und Berchtesgaden“ u. a. O. zerstreut.

Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, Lex.-8°.) Bd. II, Sp. 849. –