BLKÖ:Nagy, Franz (Schriftsteller)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Nagy, Franz (Domherr)
Band: 20 (1869), ab Seite: 47. (Quelle)
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Nagy, Franz (ungarischer Schriftsteller, geb. zu Felsövály im Gömörer Comitate Ungarns 30. September 1765, gest. 15. Jänner 1820). Sein Vater war reformirter Prediger, früher zu Szathmár, zuletzt zu Felsövály. Den ersten Unterricht erhielt der Sohn unter der unmittelbaren Anleitung seines Vaters, dann schickte ihn dieser auf die Schule nach Sárospatak, später nach Miskolcz. Nach beendeten Studien widmete er sich dem Lehramte und erhielt im Jahre 1783 ein solches am Gymnasium zu Miskolcz. Schon zwei Jahre später wurde er Subrector und blieb es bis zum Sommer 1793. Nun unternahm er zur eigenen Ausbildung eine längere wissenschaftliche Reise in’s Ausland, die jedoch leider durch die damaligen Kriege unterbrochen wurde. In Zürch verweilte[WS 1] er zwei Jahre und besuchte dort die Collegien der Philosophie und Physik. Seine Absicht, die Akademien zu Paris, in Holland und Norddeutschland zu besuchen, scheiterte, wie oben erwähnt, am Ausbruche des Krieges. Nun kehrte er in sein Vaterland zurück und erhielt zuerst eine Stelle als Hilfspriester zu Csári, bald darauf als ordentlicher Priester zu Doropa. Als im Jahre 1796 das Obergymnasium zu Patak reformirt und an die Stelle jährlich wechselnder Professoren bleibende angestellt wurden, wurde auch Nagy berufen, der schon früher zu Miskolcz so tüchtige Beweise seines pädagogischen Berufes gegeben hatte. Im November 1798 trat er nun sein Lehramt an; er supplirte später zu wiederholten Malen und durch längere Zeit die Theologie, und als im Jahre 1819 für die Erklärung der heiligen Schrift ein neuer Lehrstuhl gegründet wurde, mit welchem der ihn innehabende auch Vorträge aus der griechischen Literatur zu halten verbunden war, fiel zunächst auf Nagy die Wahl, der bereits durch seine Uebersetzungen der Idyllen des Bion und Moschus die Aufmerksamkeit auf sich gerichtet hatte, und von dem es überdieß bekannt war, daß er sich mit dem Gedanken, die Ilias Homer’s in’s Ungarische zu übertragen, beschäftige. Jedoch nicht lange war es ihm gegönnt, diese letzte Stelle zu versehen. Ueberbürdet mit Arbeit, wollte er doch das einmal Begonnene vollenden und strengte in Folge dessen übermäßig [48] seine Kräfte an, so daß er zuletzt diesen Anstrengungen erlag und im kräftigen Mannesalter von 55 Jahren vom Tode dahingerafft wurde. Nagy hat nicht nur den Ruf eines ausgezeichneten Lehrers, sondern auch den Ruhm hinterlassen, der erste, Homer’s Ilias in’s Ungarische übersetzt zu haben, und zwar zu einer Zeit, da die ungarische Sprache lange noch nicht so ausgebildet und entwickelt war wie in der Gegenwart, wo Dichtung, Wissenschaft und Mäcenatum vereint thätig sind, die Sprache auf eine den erhöhten Ansprüchen einer vorwärts schreitenden Zeit entsprechende Stufe zu bringen, wenn sie dadurch auch noch immer nicht Weltsprache oder salonfähig werden wird. Die literarischen Arbeiten, welche Nagy durch den Druck veröffentlichte, sind: „Hunyadi László történetei“, d. i. Die Geschichten des Ladislaus Hunyadi (Preßburg 1793, 8°.), eine historische Erzählung in Versen; – „Pártos Jeruzsálem IX énekben“, d. i. Das empörte Jerusalem, in 9 Gesängen (ebd. 1799, 8°.), eine epische oder richtiger in epischer Form gehaltene Erzählung der sämmtlichen jüdisch-römischen Kriege, treu, wie sie Josephus Flavius berichtet, der Kriegsthaten Albrecht’s von Habsburg in Palästina, seines Sohnes Rudolph, seiner Kaiserwahl, der Schlacht mit Ottocar u. s. w.; – „Ódák Horácz mértékein“, d. i. Die Oden des Horaz in metrischer Uebersetzung (Kaschau 1807, 8°.); – „Homer Batrachomyomachiája“, d. i. Homer’s Frosch-Mäusekrieg (Patak 1809, 8°.); – „Bion és Moschus Idylliumai“, d. i. Die Idyllen des Bion und Moschus (ebd. 1811, 8°.). Nach seinem Tode wurden aus seinem Nachlasse gesammelt und herausgegeben mehrere Gelegenheitsdichtungen unter dem Titel: „Polyhymnia“, 2 Bände (Sárospatak 1820, 8°.) – und „Homer Iliásza“, d. i. Homer’s Iliade, 2 Bände (ebd. 1821, 8°.). Außerdem waren früher noch einzeln mehrere Leichenreden und im Jahre 1805 zu Kaschau ein Andachtsbuch, betitelt: „Szent Gyülekezet könyörgései hat penitentzialis heteken“, in zwei Bänden erschienen. Eine Sammlung seiner lateinischen Gedichte unter dem Titel: „Carmina latina“ befindet sich als Anhang bei dem oberwähnten Werke „Polyhymnia“. Eine ungarische Poetik, mehrere Reden, Predigten und Collectaneen zu einer größeren Arbeit über den Geist und die Natur der magyarischen Sprache haben sich in seinem Nachlasse gefunden. Wohin derselbe gekommen, ist nicht bekannt, wahrscheinlich wurde Alles zugleich mit seiner werthvollen Bibliothek verkauft, denn er hatte seine Familie ohne Vermögen zurückgelassen, und dieselbe war genöthigt, den ganzen literarischen Apparat, den Nagy behufs seiner wissenschaftlichen Arbeiten bei Lebzeiten gesammelt, unter den Hammer zu bringen. Franz Nagy erscheint auch hie und da als Franz Nagy von Vály oder Vályi-Nagy aufgeführt; dieses Vály bezieht sich nur auf seinen Geburtsort Felsö-Vály (d. i. Ober-Vály).

Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Második, az elsőt kiegészítő kötet, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Theil (Pesth 1858, Gyurian, 8°.) S. 216. – Toldy (Franz), Geschichte der ungarischen Dichtung von den ältesten Zeiten bis auf Alex. Kisfaludy. Aus dem Ungarischen übersetzt von Gustav Steinacker (Pesth 1863, Gustav Heckenast, 8°.) S. 390 u. 392.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: veweilte.