BLKÖ:Oehri, Franz Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Oehler, Joseph
Band: 21 (1870), ab Seite: 12. (Quelle)
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Oehri, Franz Joseph (k. k. General-Auditor und Schriftsteller, geb. auf dem Rennhofe zu Mauren am Schellenberg in Vorarlberg 3. März 1793, gest. zu Güns in Ungarn 30. October 1864). Nachdem er die Winterschule seines Dorfes, in den Jahren 1806 und 1807 die Normalschule zu Feldkirch, dann das dortige Gymnasium besucht, kam er zu Ostern 1810, damals 17 Jahre alt, nach Wien, wo er die philosophischen Studien beendete. Um die Rechte zu hören, ging er, von den damaligen Unterrichtszuständen im Kaiserstaate wenig befriedigt, nach Landshut, wo er im Herbste 1817, während dieser Zeit sich in anstrengender Weise seinen Lebensunterhalt erwerbend, die Rechte beendigte. Er kehrte nun nach Oesterreich zurück, wo aber seine Landshuterstudien nach dem herrschenden Systeme nichts weniger denn eine Empfehlung waren und er gezwungen war, ein ganzes Jahr, 1818, dem Studium österreichischer Rechtsgegenstände zu widmen, worauf er nach abgelegten Prüfungen am 17. November 1818 in Wien als unbeeidigter Auditoriatspraktikant in kaiserlichen Staatsdienst trat. Anfangs November 1819 wurde O. Auditor im ersten walachischen Grenz-Regimente. Er blieb in dieser Stellung bis October 1836, indem er während dieser Zeit in gleicher Eigenschaft zu Chasteller-Infanterie Nr. 27, dann zum Kaiser-Jäger-Regimente und zuletzt zum 5. Artillerie-Regimente übersetzt worden, worauf er im Jahre 1836 zum Stabsauditor bei der mobilen Armee in Italien befördert und als Justiz-Referent dem k. k. Marine-Obercommando zugetheilt wurde. Im Mai 1842 rückte er zum General-Auditor-Lieutenant und Justiz-Referenten des lombardisch-venetianischen Generalcommando’s vor. Am 19. April 1844 wurde Oehri nach Venedig commandirt, um die große Untersuchung in der k. k. Marine aus Anlaß der Entweichung der Schiffsfähnriche Attilio und Emilio Baron Bandiera [Bd. I, S. 142] und Domenico Moro zu führen, die am [13] 25. Juli 1844 in Cosenza erschossen wurden. Anfangs Jänner 1845 wurde dieses Gericht aufgehoben und O. kehrte zu seiner vorigen Dienstleistung zurück, trat aber am 1. Februar 1849 in zeitliche Pension, bis er am 22. Jänner 1850 bei dem Landes-Militärcommando in Ofen wieder in activen Dienst berufen ward, worauf er am 25. Mai 1851 Oberst-Auditor und Militär-Appellationsrath in Wien wurde. Am 4. März 1862 trat O. mit dem Charakter eines k. k. General-Auditors in den Ruhestand über, den er noch ein paar Jahre genoß, bis er zu Güns, wohin er im Juli 1862 übergesiedelt, im Alter von 71 Jahren starb. Seine Erholungsstunden widmete O. seiner Familie und wissenschaftlichen Studien; die Früchte der letzteren sind nachstehende Werke: „Die Weltlage in ihrer geschichtlichen Entwickelung und nach den jeweilig herrschenden Grundsätzen mit dem gegenwärtigen Zeitgeiste und seinen Gefahren dargestellt, mit besonderer Rücksichtsnahme auf die deutsche Nation nach ihrer Geschichte, ihrer Macht, ihrer Politik und ihrem Berufe“ (Leipzig 1861, 8°.); – „Die Weltordnung und die Aufgaben Oesterreichs und Deutschlands“ (Wien 1862, Zamarski, 8°.); – „Die Welt in ihrer Erhabenheit und nach dem Leben der Natur in Gemässheit eines allgemeinen obersten Grundsatzes dargestellt ... mit natürlicher Begründung der Erscheinungen der Ebbe und Fluth, des Magnetismus, der Elektricität, des Nordlichtes, des Thierkreislichtes, der Sternschnuppen u. s. w.“ (Wien 1864, Zamarski, 8°.). An die kaiserliche Akademie der Wissenschaften übersandte O. im J. 1862 eine umfangreiche Abhandlung: Genaue Beobachtungen über Ebbe und Fluth zu Venedig. Mit Bemerkungen und Tabellen. Oehri war zweimal verheirathet, zuerst, seit 1834, mit der kais. Hauptmannswitwe Johanna Wallenweber, gebornen Daucher, welche ihm aus ihrer ersten Ehe zwei Söhne mitbrachte: Ludwig, gestorben als Hauptmann, und Aldobrand Wallenweber, zuletzt Oberst im Inf. Reg, Nr. 33. Johanna besaß eine tüchtige musikalische Bildung, war eine gute Sängerin und ließ sich in Italien, in Florenz und Mailand öffentlich in Concerten mehrere Male hören. Sie starb in Italien am 8. Februar 1858. Ihrem zweiten Gatten Oehri gebar sie zwei Kinder, eine Tochter, welche sich der Kunst widmete, eine gute Sängerin wurde, sich mit Rudolph Röttger vermälte und im Jahre 1864 bei der Oper in Barcellona engagirt war; der Sohn Otto (geb. zu Venedig 19. Jänner 1842) erhielt in der Wiener-Neustädter Akademie seine militärische Ausbildung. Im Jahre 1859 kam er als Lieutenant zu Heß-Infanterie und unmittelbar zu der damals im Felde stehenden Armee in Italien. Am 24. Juni 1859 rieß ihm bei Solferino eine Kanonenkugel beide Füße weg und er starb den Tod auf dem Felde der Ehre. Aus Oehri’s zweiter, im Jänner 1860 geschlossenen Ehe sind keine Kinder vorhanden.

Vorarlberger Landes-Zeitung 1864, Nr. 143: „Nekrolog“. – Militär-Zeitung (Wien, 4°.) 1864, Nr. 98: „Nekrolog“ von Joseph Bergmann.