BLKÖ:Oehler, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 11. (Quelle)
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Oehler, Joseph (Buchhändler und Schriftsteller, geb. zu Troppau im Jahre 1763, gest. zu Wien im Jahre 1816). Die Studien beendete er an der Hochschule zu Wien, dann aber widmete er sich dem Buchhandelsgeschäfte, übernahm auch eine Buchdruckerei und erwarb sich durch Druck einer ihrer Correctheit wegen sehr geschätzten Ausgabe der lateinischen Classiker einen vortheilhaften Ruf. Die Texte entnahm er der Zweybrückner Ausgabe und dem mit größter Sorgfalt gedruckten Originaltexte stellte er die besten der damals bekannten Uebersetzungen gegenüber, so dem Virgil die Uebersetzung von Voß, dem Florus jene von Bertrand, dem Persius jene von Fülleborn u. s. w. Gräffer, der in den Dreißiger-Jahren und wohl auch schon früher den ganzen Jammer des durch die Censur und den Preßdruck tiefgesunkenen Wiener Buchdruckes durchzukosten Gelegenheit gehabt, bemerkt, daß Oehler’s Miniaturdruckerei mit einfachen Lettern auf gewöhnlichem Papier damals (1802) bessere Ausgaben lieferte, als später (1835 u. f.) die pompösesten Officin-Firmen trotz ihrer Prunktypen und trotz des Velins mit ihren unwissenden Setzern und bei dem völligen Mangel einer Correctur-Organisation, welche letztere bei Beschaffenheit der Ersteren doppelt nothwendig erschien. Oehler, der selbst eine tüchtige Bildung besaß, war aber [12] auch ein gründlicher Sprachkenner und sein eigener Corrector. Ein anderer Versuch analog der obengedachten Ausgabe der römischen Classiker, eine der Classiker der neueren Völker zu bewerkstelligen, scheiterte an der mangelnden Theilnahme des Publicums und kam nicht über Tasso’s befreites Jerusalem in der Uebersetzung von Gries heraus. Ueberdieß war Oehler Verfasser mehrerer Schriften, die ohne Angabe seines Namens erschienen sind, als: „Geschichte des Krieges zwischen Oesterreich, Russland und der Türkey, mit Plänen“, 6 Hefte (Wien 1791); – „Geschichte des gesammten Theaterwesens zu Wien“ (ebd. 1803); – „Panorama von Wiens Umgebungen, mit Kupfern“ (ebd. 1807). Wohl dürfte auch die in Oehler’s Todesjahr von einem Joseph Georg Oehler herausgegebene Schrift: „Der Wiener Congress vom Jahre 1815. Eine merkwürdige Parallele zu dem Jahre 1515“ (Wien 1816, 8°.) ihn zum Verfasser haben. Ferner besorgte O. die Redaction des bei Schrämbel in Wien in den Jahren 1812–1814 erschienenen siebenbändigen „Zeitungs-Lexikons“. Noch sei hier erwähnt, daß ein Bruder des berühmten Dichters der Messiade Klopstock Oehler’s Handlungsgesellschafter war.

(Schwaldopler) Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten (Wien 8°.) Zweites Bändchen (1802), S. 175. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 82.