BLKÖ:Olbricht, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Okolicányi, Paul
Band: 21 (1870), ab Seite: 53. (Quelle)
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Olbricht, Franz (Landwirth und Archäolog, geb. zu Brecheltschaft in Preußisch-Schlesien im Jahre 1788). Schon seine Eltern übersiedelten nach Böhmen und Franz besuchte die Schulen zuerst in Sagan, später in Prag und trat im Jahre 1804 zu Liboch im Leitmeritzer Kreise in Privatdienste. Im Jahre 1808 erhielt er einen selbstständigen Posten zu Dub im Prager Kreise, trat aber bald darauf als Officier in das Prager Freiwilligencorps, nach dessen Auflösung er sich dem landwirthschaftlichen Fache zuwendete. Im Jahre 1810 unternahm er eine Reise nach Deutschland und Dänemark, auf welcher er die bedeutendsten landwirthschaftlichen Institute besuchte, nach seiner Rückkehr übernahm er im Jahre 1811 die landwirthschaftliche Verwaltung einer dem reichen Gutsherrn A. Veith gehörige Herrschaft, trat aber schon im Jahre 1813 in Dienste des Grafen Deym, auf dessen Gütern er die Flachscultur ganz nach der in Flandern bestehenden Methode einführte. Im Jahre 1818 kehrte er nach Liboch zurück und verbesserte dort durch treffliche Einrichtungen und Einführung zweckmäßiger Culturen im hohen Grade die landwirthschaftlichen Verhältnisse. Insbesondere richtete er auf die Rübezucker-Fabrikation seine Aufmerksamkeit und erreichte äußerst glückliche Erfolge. Im Jahre 1817 kaufte er sich bei Lobositz im Leitmeritzer Kreise an, später aber erwarb er das Gut Milžan bei Kaaden. Nicht lange behielt er diese Besitzungen und zog sich, nachdem er Alles veräußert, nach Teplitz zurück, wo er seine Gattin, eine Schwester des als Alterthumsforscher und Landwirth bekannten Mathias Kalina Ritter von Jäthenstein [Bd. X, S. 391] durch den Tod verlor. Nun verlegte er sich auf die Archäologie und Kalina wurde sein Lehrer und Führer auf diesem Gebiete, zu dessen Bearbeitung und Studium die Gegend, in welcher O. lebte, reichlich genug Gelegenheit darbot. Auch betheiligte er sich nach 1848 an mehreren, durch die veränderten Verhältnisse hervorgerufenen gemeinnützigen Einrichtungen. Auf den Gebieten, welche O. ursprünglich und auch später pflegte, auf jenem der Landwirthschaft und Alterthumskunde, war er auch frühzeitig schriftstellerisch thätig; war in den Jahren 1818–1822 fleißiger Mitarbeiter der von Karl Christian André begründeten und herausgegebenen Zeitschrift „Hesperus“, ebenso der „Oekonomischen Neuigkeiten“ Ebendesselben. Als Mitglied der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft im Königreiche Böhmen wirkte er seit 1848 als Mitarbeiter des „Wochenblattes der Land-, Forst- und Hauswirthschaft für Bürger und Landmann“, in welchem er unter anderem vornehmlich über die Versuchsarbeiten der landwirthschaftlichen Schule zu Liebwerda Bericht erstattete; später, als er sich mit archäologischen Arbeiten beschäftigte, schickte er mehrere derselben in die archäologische Abtheilung des böhmischen Museums in Prag. Selbstständig sind von ihm erschienen: „Böhmens [54] Hopfenbau und Handel, mit vergleichender Beziehung auf das Ausland, in mehrseitiger Hinsicht dargestellt“, 2 Abtheilungen (Prag 1835, Calve, mit 1 Tab, gr. 8°.); – „Die Güterpachttrage unserer Zeit“ (Prag 1848, 8°.). Für den Druck vorbereitet hat er die Schriften: „Lehre der oberflächlichen Trockenlegung der Aecker“ und „die Bedeutung des Thierschutzes“.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt vonDr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 1028.