BLKÖ:Orosz, Ladislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Orosz, Joseph von
Band: 21 (1870), ab Seite: 107. (Quelle)
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Orosz, Ladislaus (gelehrter Jesuit, geb. in Ungarn 18. December 1697, gest. im Jahre 1773). O. trat im Jahre 1716, damals 19 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er nach beendeten Studien im Jahre 1726 die Priesterweihe erlangte und sofort [108] nach Westindien als Missionär entsendet wurde. Als solcher war er durch vier Jahrzehende vornehmlich in Paraguay thätig, war auch Rector zu Buenos Ayres und zuletzt Vorsteher der ganzen Provinz, damals das sogenannte „Jesuitische Reich“, bis es im Jahre 1768 aufgelöst und Paraguay mit Buenos vereinigt wurde. Im letztgenannten Jahre kehrte auch O. nach Europa zurück, wurde Spiritual im Collegium seines Ordens zu Tyrnau und blieb es bis zu dessen Aufhebung, die er nur wenige Monate, nachdem er das Alter von 76 Jahren erreicht hatte, überlebte. Ueber seine Thätigkeit als Missionär, über den Zustand der Missionen in Paraguay, über die Entstehung neuer hat er im 11., 14., 24., 25., 32. und 40. Bande von Stöcklein’s „Briefe und Reisebeschreibungen, welche von den Missionärs der Gesellschaft Jesu aus beiden Indien und andern über dem Meere gelegenen Ländern seit 1642–1730 in Europa angelangt sind“ (Augsburg 1728, Fol.) ausführlichen Bericht erstattet. Außerdem gab er selbstständig heraus des Nikolaus del Techo S. J.: „Decades Virorum illustrium Paraquariae S. J. ex historia Provinciae et aliunde depromptae“ (Tyrnaviae 1759, Fol.). Von diesem Werke sind eigentlich zwei Theile vorhanden, der erste, von Nikolaus del Techo verfaßte enthält fünf Decaden. Orosz brachte Material für einen zweiten Band, nämlich noch vier Decaden, nach Europa mit: aber nachdem derselbe gedruckt war, wurde dessen Veröffentlichung als nicht zeitgemäß von den Oberen des Ordens unterdrückt, so daß nur sehr wenige Exemplare dieses zweiten Bandes in die Oeffentlichkeit gelangt sind. In Handschrift hinterließ O. ein chinesisches Wörterbuch, das er aus dem Spanischen in’s Lateinische übersetzt hat.

Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1775, Loewe, 8°.) Tom. II, p. 210. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae et Ratisbonae 1855, Lex. 8°.) p. 247.