BLKÖ:Oroszhegyi Szabó, Josua

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 108. (Quelle)
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Oroszhegyi Szabó, Josua[WS 1] (ungarischer Schriftsteller, geb. zu Nagykolcz im Szathmárer Comitate, Ungarns 24. Mai 1822). Der Sohn eines mit zahlreicher Familie gesegneten Vaters, der die Stelle eines Hofrichters bekleidete; die erste Erziehung erhielt er bei seinem Oheim, der Prior eines Minoritenklosters war, das Gymnasium besuchte er in Neustadt und Szathmár und schon damals zeigte er große Vorliebe für die Literatur. Nachdem der Versuch, ihn im Szathmárer Seminar unterzubringen, seiner geschwächten Gesundheit wegen mißglückt war, blieb er noch einige Zeit bei seinem Oheim, beschäftigte sich mit sprachlichen Studien und kam dann nach Erlau, um dort das Studium der Theologie zu beginnen. Ein Jahr setzte er dasselbe fort, ohne ihm jedoch ein besonderes Interesse abzugewinnen, daher gab er es auch gegen den Willen seines Onkels, mit dem er sich deßhalb entzweite, auf und ging im Jahre 1841 nach Pesth, wo er bei Dr. Paul Bugát [Bd. II, S. 198] für den ersten Moment Unterkunft und Unterstützung fand, da ihn dieser bei der Redaction des „Orvosi tár“, d. i. Medicinisches Magazin, verwendete. Daselbst blieb er einige Zeit, bis der sogenannte Bildungsverein (önképző társulat) in’s Leben trat, bei welchem sich O. zuerst als Mitglied betheiligte und dann dessen Notar wurde. Um diese Zeit betrat O. zuerst, und zwar in Garay’s Zeitschrift „Regélő“ (der Erzähler), die schriftstellerische [109] Laufbahn, schrieb Novellen, Gedichte, die in Frankenberg’s „Életképek“ und in Vahot’s „Divatlap“ erschienen; aber auch auf ernsteren Gebieten sah sich O. um, und zwar, als Bugát den naturwissenschaftlichen Verein begründete, an dem sich O. insbesondere auf sprachlichem Felde bei Bildung einer entsprechenden chemischen Terminologie in ungarischer Sprache, thätig erwies. Mittlerweile wurde O. Vorstand des oberwähnten Bildungsvereins und übernahm auf Helmeczy’s [Bd. VIII, S. 293] Einladung die Stelle Garay’s [Bd. V, S. 85] an der Zeitschrift „Jelenkor“, da Garay Kränklichkeit halber von aller Arbeit sich enthalten mußte. In dieser Zeit entwickelte O. auf journalistischem Gebiete eine große literarische Thätigkeit, und zwar bei den gangbarsten politischen und belletristischen Blättern jener Periode, wie im „Jelenkor“, „Társalkodó“, „Magyar föld és népei“ u. a. Auch hatte er sich an der Leitung des zu jener Zeit in Pesth blühenden Röszler’schen Mädchen-Erziehungs-Institutes betheiligt und Innerhalb fünf Jahren durch die ausgeprägte nationale Richtung, die er dem Institute zu geben gewußt, dasselbe gehoben und ihm große Sympathien in den besseren Pesther Familien gewonnen. In jener Zeit, 1847, schrieb er eine ungarische Sprachlehre in deutscher und in ungarischer Sprache, begann in Gemeinschaft mit der Instituts-Inhaberin die Herausgabe der „Honleányok lapjai“, welche aber schon mit der vierten Nummer in Folge der Märzereignisse des Jahres 1848 in’s Stocken gerathen waren. Bis zu jener Zeit war die weibliche Erziehung in Ungarn eine in jeder Beziehung mangelhafte’, die Lecture der Frauen ließ viel, wenn nicht Alles zu wünschen übrig, es fehlte aber auch eine den Geist und das Gemüth bildende und unter Einem das Wissen bereichernde. So verband sich denn O. mit mehreren gleichstrebenden Gesinnungsgenossen, wie mit Paul Vasvári, B. A. Nyáry, A. Bolcsu, Michael Tompa, R. Szabó u. A., um auch in dieser Richtung entsprechende Abhilfe zu schaffen. Die medicinischen Studien, die er mittlerweile begonnen und fortgesetzt hatte, waren im Jahre 1848 beendet, als die Bewegung in Ungarn ausbrach und O., der eben die Rigorosen zur Erlangung der Doctorwürde machen wollte, auf ganz andere Bahnen, die mit seinen bisherigen Arbeiten nichts gemein hatten, getrieben wurde. Baron Eötvös, Cultusminister des ersten ungarischen (März-) Ministeriums, nahm O. in sein Amt, aus demselben begab sich O. bei der steigenden Verwicklung als Feldarzt in’s Lager, in welchem er aber bald eine Hauptmannsstelle erhielt und dieselbe bis zum Ende der Revolution bekleidete. Nun vor ein Kriegsgericht gestellt, wurde er zum Tode verurtheilt, das Urtheil aber auf zehn Jahre Kerker in der Festung Josephstadt gemindert. Im December 1856 der kaiserlichen Amnestie theilhaftig, verließ er seinen Kerker und kehrte nach Pesth zurück, wo er nun den strengen Prüfungen sich unterzog und 1857 die medicinische Doctorwürde erlangte. Im folgenden Jahre begab er sich in die Türkei und wurde dann Arzt bei den Tartaren in der Dobrutschka, was er im Jahre 1863 noch war, seine folgenden Schicksale sind nicht bekannt. Außer zahlreichen belletristischen, in periodischen Schriften gedruckten Arbeiten hat er selbstständig herausgegeben: „Szervényi vegytan“, d. i. Organische Chemie; – „Ód, és az [110] emberi egészség uj ápolási rendszere“, d. i. Der Magnetismus und ein neues System der Pflege der menschlichen Gesundheit. Ueberhaupt beschäftigte ihn der thierische Magnetismus in hervorragender Weise und veröffentlichte er im „Napkelet“ mehrere Aufsätze über die Erscheinungen desselben. Ueberdieß war O. einige Zeit Mitarbeiter des ungarischen medicinischen Wochenblattes „Orvosi hetilap“.

Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Második, az elsőt kiegészitő kötet, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Theil (Pesth 1858, Gyurian, 8°.) S. 239.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Oroszhegyi, Szabó Josua.