BLKÖ:Stoecklein, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Stöckler, Emanuel
Band: 39 (1879), ab Seite: 99. (Quelle)
[[{{{9}}}|{{{9}}} bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 133740145, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stoecklein, Joseph|39|99|}}

Stoecklein, Joseph (Priester der Gesellschaft Jesu, geb. zu Oettingen in Schwaben 30. Juli 1676, gest. zu Gratz 28. December 1733). Trat im Alter von 24 Jahren, 1700, in der österreichischen Ordensprovinz als Jesuit ein, beendete im Orden die Studien, erlangte das Baccalaureat der Philosophie, die Doctorwürde der Theologie und wurde nach abgelegtem Ordensgelübde durch sieben Jahre in Ungarn im Predigtamte verwendet. Darauf wirkte er zunächst als Rector im Collegium zu Neustadt, dann aber durch zehn Jahre als Feldcaplan bei den kaiserlichen Truppen, mit denen er elf Schlachten und zahlreiche Belagerungen im Reich und in Ungarn mitmachte und that sich in Ausübung seines geistlichen Amtes auf dem Schlachtfelde, in Pflege der Kranken so hervor, daß er bei den kaiserlichen Generalen und selbst bei den fürstlichen Heerführern des evangelischen Glaubens zu hohem Ansehen gelangte. Guido Graf Starhemberg besuchte ihn wiederholt im Collegium zu Gratz, Prinz Eugen von Savoyen stand mit ihm in freundschaftlichem Briefwechsel, König Georg, damals noch Kurfürst von Hannover, König August von Polen, der Herzog von Württemberg, der Herzog von Baden, alle bewarben sich um seinen Besitz und wünschten ihn in der Eigenschaft eines Hofpredigers an ihren Hof zu ziehen. Ebenso erging aus dem Reich mancher Ruf an ihn, und wo er sein Predigtamt versah, gewann er dem katholischen Glauben neue Seelen, wie dies in Hagenbach, Rastadt, Baden, Speyer und Philippsburg der Fall war. In Siebenbürgen allein rief er 25 Convente ins Leben und führte durch sein überzeugendes Wort Viele in den Schoos der Mutterkirche zurück. Als in Ofen die Pest ausbrach, eilte er dahin, um physischen und geistlichen Beistand zu leisten, und nachdem er, selbst von der Seuche befallen wieder genesen war, setzte er sich von Neuem der Gefahr aus, indem er wie früher unerschrocken sein Hilfs- und Trösteramt verrichtete. Dafür aber war er auch, wie uns sein Biograph im 19. Jahrhundert berichtet, zu besonderen Gnaden ausersehen: so hatte er – ein anticipirter Gaßne – einen vom Teufel Besessenen mit wenigen Worten geheilt und in Neustadt zur Zeit, da er dort als Rector hauste und von einem Gläubiger hart bedrängt ward, nach brünstigem Gebete wie durch ein Wunder die erforderliche Summe gefunden! Zuletzt wirkte er in Gratz sechs Jahre als Vorstand der katechetischen Bibliothek und drei Jahre als Präfect über die Herausgabe der Bücher. Auch war er schriftstellerisch thätig und schrieb außer mehreren katechetischen Büchern ein Dankopfer für das befreite Ofen (Wien 1712, Fol.); – eine „Vergleichung der sinesischen [100] Chronologie mit den Epochen und Zeitaltern anderer Nationen, der mosaischen, syrischen, egyptischen, indischen griechischen, römischen und mit jener der heiligen Schrift wie anderer profaner Schriftsteller“; – ferner „Auszug der Söhne Israels aus Egypten und ihre Reise durch die Wüste bis ins gelobte Land, nach den Berichten des P. Sicard von der Gesellschaft Jesu, des Abtes von Gaming und des Pater Felix aus dem Orden der Dominicaner zu Ulm, aus den Jahren 1485 und 1556“; diese und die vorige Schrift bilden den 16. und 20. Band des von ihm herausgegebenen „Mercurius oder der neue Welt-Bote“, einer periodischen Schrift, welche die Berichte der Missionäre der Gesellschaft Jesu, ferner verschiedene Briefe. Mittheilungen und Reiseschilderungen enthält, die von Missionären des Ordens aus beiden Indien und anderen jenseits des Oceans gelegenen Ländern vom Jahre 1642 bis zum Jahre 1758 nach Europa gelangten. Stoecklein selbst hat aus den Manuscripten und verläßlichen Mittheilungen in fremden Sprachen die ersten fünf Bände dieser für die Geschichte der Cultur der Länder und Völker jenseits des Oceans wichtigen „Berichte“ redigirt. Jeder dieser Bände – der letzte ausgenommen, welcher nur vier Theile enthält – umfaßt acht Theile, alle Bände zusammen also 36 Theile, deren erste 25 Stoecklein selbst herausgab, während die übrigen von seinen Ordensbrüdern Franz Keller [Band XI, S. 139, Nr. 2], Peter Probst [Band XXIII, S. 319, Nr. 3] und Karl Meyer (geb. zu Erfurt 16. October 1678 und gest. zu Passau 22. November 1742) herausgegeben wurden. Das ganze Werk erschien in den Jahren 1728–1758 in Folio bei Veith in Augsburg und Gratz; – ferner gab er Bossuet’s, Bischofs von Meaux „L’Apocalypse“ in Uebersetzung mit Erklärungen und Bemerkungen (Augsburg und Gratz, 1718, Veith) heraus und besorgte den Druck der deutschen Predigten seines Mitbruders Gerard Pouly. Als er in seiner letzten Krankheit bestimmt erfuhr, daß sein Tod nahe bevorstehe, ließ er den Schreiner holen, damit dieser an ihm das Maß für die Länge des Sarges nehme. Unter seinem schriftlichen Nachlasse befand sich eine Darstellung, wie der Arianismus aus Siebenbürgen zu beseitigen sei.

Mercurius oder der neue Welt-Bote. Fortgesetzt von P. Franz Keller (Augsburg und Gratz, Veith) XXIX. Theil, Nr. 572, S. 141 bis 154. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Vienna 1855, Lex.-8°.) p. 340. – Peinlich (Richard Dr.), Geschichte des Gymnasiums in Gratz. Zweite Periode. Im Jahresberichte des k. k. ersten Staats-Gymnasiums zu Gratz für das Jahr 1870, S. 150.