BLKÖ:Pohl, Johann Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pohl, Ferdinand
Band: 23 (1872), ab Seite: 33. (Quelle)
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4. Johann Wenzel Pohl (čechischer Philolog, geb. zu Königgrätz um das Jahr 1740). P. war k. k. Kammerthürhüter in Wien, dann Lehrer der böhmischen Sprache an der kaiserlichen Militär-Akademie und ertheilte auch Unterricht aus derselben den Erzherzogen, unter Andern dem Kaiser Joseph II. P. schrieb und veröffentlichte eine böhmische Grammatik unter folgendem Titel: „Grammatica linguae bohemicae oder die böhmische Sprachkunst, bestehend in vier Theilen (Orthographie. Etymologie, Syntaxis und Prosodie). Allen Liebhabern dieser Sprache, sowohl lehrenden als lernenden, zu einem erforderlichen Werkzeuge gefertigt“ (Wien, Triest, Prag 1756; zweite Auflage 1764; neue durchaus verb. u. verm. Auflage 1773, 1785, 8°.). Diese Sprachlehre ist, wie Pohl’s Biograph im Slovník: R(ybick)a, berichtet, in der Literatur der böhmischen Linguistik berüchtigt und galt als ein förmliches grammatikalisches Monstrum, was vornehmlich von den zwei letzten Ausgaben (1773 und 1785) gilt, in welchen P. zahllose überflüssige, plumpe und lächerliche Neologismen in Antrag bringt. P. war einer derjenigen Männer des vorigen Jahrhunderts, welche der böhmischen Sprache einen neuen Schliff geben und dieselbe überhaupt reformiren wollten und sie zu diesem Behufe mit Fremdwörtern bereicherten, wobei ihm jedoch aller grammatikalische Geist und Scharfsinn fehlte. Bei der Grammatik befanden sich zwei Anhänge, ein „böhmisch-deutsches Wörterbuch“ und ein „Anfang von 16 Gesprächen“. Als Curiosum seien noch die beiden Thatsachen bemerkt: daß P. seine Grammatik dem hl. Wenzeslaus, Landespatron von Böhmen, gewidmet und daß er darauf im Jahre 1773 ein eigenes Privilegium genommen hat: „weil er die ehemalige böhmische Grammatik nicht allein von ihren Mangeln geläutert, sondern auch selbe dahin eingeleitet, daß nicht allein der Deutsche daraus das Böhmische, sondern auch der Böhme die Sprache im Begriff bringen kann“ (!!). Noch gab P. die zweite Schrift: „Wahre gegründete böhmische Rechtschreibung“ (Wien 1768) heraus, deren Werth mit jenem seiner Grammatik wetteifert. [(De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stück, S. 27. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 510, Nr. 1.] –