BLKÖ:Pointner, Benno

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pok, Wenzel
Band: 23 (1872), ab Seite: 35. (Quelle)
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Pointner, Benno (63. Abt des Schottenstiftes in Wien, geb. zu Rafing in der Pfarre Pulkau in Niederösterreich 22. September 1722, gest. zu Wien [36] 14. Februar 1807). Aus innerem Beruf trat P. am 28. October 1740, damals 18 Jahre alt, im Stifte zu den Schotten in Wien in den Benedictinerorden, in welchem er seine Studien beendete und im September 1745 die heiligen Weihen erlangte. Eifer und Geschick bekundete er in verschiedenen Aemtern, mit denen er von seinen Oberen betraut worden und von der Stelle eines Subpriors und Stiftspfarrers erhoben ihn seine Brüder nach Ableben des Abtes Robert Stadler durch Wahl am 27. März 1765 zur höchsten Würde ihres Hauses. Durch 42 Jahre in einer kirchlich und politisch denkwürdigen und sehr bewegten Zeit bekleidete P. mit Eifer und Energie sein wichtiges Kirchenamt. Bereits begannen die neuen Ideen der Zeit sich Bahn zu brechen und viele Vorrechte der Kirche wurden theils angezweifelt, theils geradezu in Abrede gestellt; auf öffentlichen Lehrkanzeln wurden Ansichten vorgetragen, welche den Satzungen des canonischen Rechtes völlig widersprachen, ja man stellte sogar den Grundbesitz der Pfarren und Kirchen in Frage und beantragte dessen Wegnahme. In dieser bedrohlichen Zeit hielt Abt Benno die klösterliche Disciplin mit aller Sorgfalt aufrecht, weise den veränderten Bedürfnissen der Zeit Rechnung tragend, hielt er die jungen Ordensbrüder zu Fleiß und Eifer in den Wissenschaften an; ließ für das Hausstudium neue entsprechende Statuten entwerfen, schickte mehrere Stiftsglieder auf die Hochschule, um eine höhere wissenschaftliche Ausbildung zu erwerben, nahm zur Aufrechterhaltung der Kirchenzucht häufige Visitationen auf den zum Stifte gehörigen Pfarren vor; hatte auf Unterstützung der Schulen und Hebung des Volksunterrichts sorgfältig Bedacht, suchte geeignete Lehrer anzustellen und ihren Unterhalt so viel als möglich zu sichern, kurz, that nach Innen und Außen Alles, um einerseits den kirchlichen Sinn zu fördern und andererseits den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Wie sehr ihm das Erstere gelang, beweisen die in einer von Freigeisterei fortgerissenen Zeit nichtsdestoweniger errichteten zahlreichen und ansehnlichen Stiftungen. In Pointner’s Periode fallen folgende Stiftungen: die Leithner’sche (1763), die Moltke’sche (1765 und 1780), die Gyrmus’sche (1778), die Dietrich von Dieden’sche (1779), die Hajek von Waldstätten’sche (1782), die Franz Joseph fürstl. Liechtenstein’sche (1784) und die Sicky’sche (1797 und 1798). Den religiösen Bedürfnissen der dem Stifte unterstehenden Gemeinden half er theils durch Erbauung neuer Kirchen und Beistellung der dazu erforderlichen Priester, theils durch Vermehrung der Seelsorger in größeren Gemeinden ab. Von den durch Abt Benno theils restaurirten, theils neuerbauten Kirchen sind anzuführen: jene zu Gumpendorf (1768), zu Enzersdorf im Thale (1766 und 1767), zu Klein-Enzersdorf (1774), Gaunersdorf (1776), Zellerndorf (1772). – Auch auf die zeitlichen Geschäfte seines Hauses hatte P. sein Augenmerk geworfen und ließ in den Jahren 1765 auf 1767 den schönen Bibliothekssaal und das neue Refectorium errichten, an den verschiedenen Baulichkeiten des Stiftes entsprechende Herstellungen vornehmen, für die Stadtschullehrer ein entsprechendes Haus bauen u. dgl. m. – Als nach dem Tode der Kaiserin Maria Theresia Kaiser Joseph II., die namentlich auch in das Kirchenwesen tief eingreifenden Reformen in seinem Kaiserstaate durchführte, entwickelte Abt Benno eine Gewandtheit [37] und Energie, wodurch das Stift gerettet und durch die Strömungen der Zeit glücklich hindurch geführt wurde. Der Abt setzte sogar durch, daß der Kaiser die Stiftsprivilegien bestätigte (1782); nur das Asylrecht, das überall aufgehoben wurde, ging verloren. Der Bezug des Gottesheil-Salzes aus dem k. Salzamte zu Gmunden wurde ebenfalls dem Stifte belassen. Ja der Kaiser selbst betraute den Schottenprälaten mit verschiedenen Aufträgen, ernannte ihn zum Präses der milden Stiftungs-Oberdirection, übertrug ihm die Administration der Güter des Stiftes Montserrat und die Besorgung der die Montserrater betreffenden Angelegenheiten. – Die Anordnung des Kaisers, daß viele neue Pfarren in Wien und auf dem Lande errichtet werden müssen, griff tief ein in die ökonomischen Verhältnisse des Stiftes. Wurde der Sprengel desselben in der innern Stadt durch Gründung mehrerer Pfarren, die zu älteren hinzutraten, geschmälert, so wurde doch dessen Pastoralgebiet durch die Gründung der Pfarre Schottenfeld um ein beträchtliches vermehrt. Da diese Vorstadt einen unerwarteten Aufschwung nahm, ließ Abt Benno im Jahre 1783 in derselben eine neue Kirche und Pfarrhaus bauen, welche im Jahre 1786 vollendet dastanden. Auf dem Lande errichtete der Abt die neuen Pfarren Breitenlee, Martinsdorf, Höbesbrunn, Enzersdorf im Thale, Platt und Wetzelsdorf, zu gleicher Zeit ließ er die dortigen Kirchen und Schulhäuser neu herstellen, besorgte die Erhaltung der erforderlichen Seelsorger und leistete Beiträge für die Lehrer und Instandhaltung der Gebäude. – Auch was die Temporal-Verwaltung des Stiftes betrifft, hat sich Abt Benno unbestreitbare Verdienste gesammelt. Als er an das Ruder trat, hatte er das Stift mit einer drückenden Schuldenlast übernommen. Diese Lasten waren im Laufe der Zeit in Folge der Josephinischen Reformen, durch die nothwendigen, von dem Kloster geführten Bauten, endlich durch die Kriegszustände, in welche Oesterreich durch die französische Revolution gerissen wurde, auf das Ungeheuerliche gestiegen. Aber Abt Benno überwachte das ganze Verwaltungswesen, führte auf den Stiftsbesitzungen eine zeitgemäße rationelle Bewirthschaftung ein und brachte, als die Gefahr für die finanzielle Lage auf’s Höchste gestiegen war, Rettung durch den Verkauf der ausgedehnten Stiftsgründe inner der Linie Wiens. Diesem Umstande verdanken die Vorstädte Schottenfeld und Breitenfeld ihre Entstehung. Eine anziehende ausführlichere Darstellung der Verdienste des Abtes Benno nach dieser Richtung hin gibt Hauswirth auf S. 154 des in den Quellen bezeichneten Werkes. – Auch die ferne Abtei Telky in Ungarn wurde von dem Abte Benno mehrmals besucht und den dringendsten Bedürfnissen, die der Augenschein bestätigte, abgeholfen. Im Jahre 1779 erbaute der Abt ein Gotteshaus für die Katholiken in Páty, errichtete eine Schule daselbst, setzte den Bau der neuen Kirche in Telky fort und ordnete zuletzt den Bau des Kirchenthurmes und der Schule in Jenoe an. Neben den angeführten zahlreichen Bauten in Niederösterreich und Ungarn gelang es dem Prälaten auch, dem Stifte mehrere werthvolle Realitäten zu erwerben, von denen hier nur die Erwerbung des Kehlhofes in Ottakring mit allem Zugehör (1777) und jene mehrerer ansehnlicher Waldantheile erwähnt sein mögen. So hat der Prälat sein Stift durch die aufgeregten Wogen der Zeit zu [38] steuern verstanden, durchdrungen von der hohen Verpflichtung seines Berufes, hatte er keine Scheu, unter den schwierigsten Umständen vor den Mächtigen und Gewaltigen der Erde mit christlichem Muthe die Sache seiner Abtei zu führen, wobei es ihm nicht selten gelang, seinen Bestrebungen den erwünschten Erfolg zu verschaffen. Sein Biograph sagt ausdrücklich: „die Verdienste dieses Abtes für die Abtei können von den Mitgliedern derselben nicht hoch genug geschätzt und gepriesen werden. Was er geleistet, stellt ihn in die vorderste Reihe der Aebte des Stiftes“. Dem würdigen Kirchenfürsten war es gegönnt, am 21. September 1798 sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum zu begehen, bei welcher Gelegenheit die Ordensmitglieder ein großes Fest veranstalteten und der Stiftscapellmeister Joseph Eybler eigens ein musikalisches Vorspiel: „Berathschlagung zwischen der Freude und der Tonkunst unter dem Vorsitze der Bescheidenheit“, und ein großes Oratorium: „Die Hirten bei der Krippe“ componirte und zur Aufführung brachte. Die vier Regenten Kaiserin Maria Theresia und die Kaiser Joseph II., Leopold II., Franz I. zeichneten den würdigen Prälaten bei jeder Gelegenheit aus und besonderes Vertrauen schenkte ihm die edle und hochsinnige Erzherzogin Maria Anna [Bd. VII, S. 26, Nr. 212], die ihn zu ihrem geistlichen Führer erwählte und mit ihm auch, nachdem sie sich nach Klagenfurt zurückgezogen hatte, bis zu ihrem im Jahre 1789 erfolgten Tode im brieflichen Verkehre blieb. Der Abt legte auf diesen Briefwechsel mit der frommen Prinzessin einen so hohen Werth, daß er ihn als bleibendes Denkmal aufzubewahren würdig erachtete und deßhalb im Stiftsarchive hinterlegte. Der würdige Prälat erreichte das hohe Alter von 85 Jahren. Er wurde der Erste auf dem zum Stiftsgute Breitenlee im Marchfelde gehörigen Friedhofe, den er selbst als Begräbnißstätte für die Geistlichen seines Stiftes bestimmt hatte, begraben. Auf seinem Grabsteine stehen die wenigen, aber sein Wirken treu bezeichnenden Worte: „Ejus memoria in Benedictione“. Sein wohlgetroffenes Brustbild befindet sich im Garten des Stiftshofes zu Ottakring.

Hauswirth (Ernst Dr.), Abriß einer Geschichte der Benedictiner-Abtei U. L. F. zu den Schotten in Wien (Wien 1858, Mechitaristen-Druckerei, 4°.) S. 142–157; „Abt Benno, 1765–1807“.