BLKÖ:Polheim, Judith von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Polheim, Hartneid von
Band: 23 (1872), ab Seite: 63. (Quelle)
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10. Judith von P. (gest. 5. October 1578), aus dem Hause der Herren von Weißbriach, war die Gemalin des Kämmerers und Hauptmanns der Hatschierwache, Maximilian Freiherrn von P. Frau Judith war eine eifrige Lutheranerin und nicht zufrieden, ihrem Bekenntnisse ungestört zu leben, suchte sie auch in höchsten Kreisen Proselyten zu werben, womit sie jedoch übel ankam. Der Sachverhalt, auch für unsere kirchlich bewegte Zeit interessant, ist folgender: Frau Judith von P. war der Kaiserin Anna, Gemalin Ferdinand’s I., Obersthofmeisterin gewesen, hatte sich aber später vom Hofe zurückgezogen und lebte mit ihrem Manne, der längere Zeit schon kränkelte, in Oesterreich ob der Enns. Als nun im Jahre 1568 die Königin von Polen, Katharina, eine geborne Erzherzogin von Oesterreich, nach Linz kam, wünschte sie die alte Freundin ihrer Kindheit zu sehen, doch diese entschuldigte sich mit der großen Schwachheit ihres Mannes, und – was sie in ihrem Schreiben noch weiter vorgebracht, lernen wir aus der Antwort der Königin kennen: „Liebe Frau von Polheim. Dein Schreiben habe Ich mit Gnaden empfangen und Deine Entschuldigung daraus verstanden, daß du Deines Herrn Schwachheit halber nicht hast herkommen können, wiewohl Ich Dich von Herzen gern hätte gesehen, aus sonder gnädigem Gemüth, so ich zu Dir trage. Weil’s aber mit Deinem Herren eine solche Gelegenheit hat, nehme Ich Deine Entschuldigung mit Gnaden an, und wünsche Deinem Herrn von Gott dem Herrn gute Gesundheit. Was belangt den Glauben und Deine Ermahnung, habe Ich noch längs aus Deinem Schreiben verstanden, daß Du Mich bittest, die Bibel zu lesen, darauf laß ich Dich wissen, daß Mir die Bibel gar wohl bekannt ist, und habe sie oft durchlesen, ist auch noch Meine tägliche Uebung und Mir die größte Freud und Trost, darinnen zu lesen. Weil Du dann auch darinnen wohl belesen bist, so wollest aber auch den Spruch Pauli fleißig merken, daß ein jeglicher Mensch sich seines Berufes halten solle! So ist Mein und Dein Beruf nicht, dieselbe nach unserem Bedünken zu urtheilen, sondern das Lehren gehört denen zu, die von Gott den ehrlichen Beruf haben. Derhalben rathe Ich Mir und Dir, Wir bekümmerten Uns nicht um die Sachen, die Uns nicht befohlen sind, sondern halten Uns nach der Lehre Pauli, daß Wir in Stille hören und fragen, und die Haushaltung in die Hand nehmen, so weit denen Weibern gebührt. Das habe Ich Dir zu gnädiger Antwort auf Dein Schreiben nicht wollen verhalten. Deinem Herrn, wie auch Deinem Vetter wollest Meinen gar gnädigen Gruß sagen, damit allezeit Deine gar gnädige Frau. Datum Linz den 16. October 1568. Katharina, Königin in Polen“. –