BLKÖ:Priuli, Nicolò conte

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 316. (Quelle)
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Priuli, Nicolò conte (Humanist, geb. zu Venedig 24. Mai 1792, gest. ebenda 14. Februar 1854). Entstammt einer uralten venetianischen Patrizierfamilie; sein Vater war Marco Antonio Pietro Priuli, seine Mutter Katharina degli Grizzo. Das Haus der Priuli soll nach dem Zeugniß italienischer Geschichtsforscher seinen Ursprung von den alten Königen Ungarns ableiten. Ein Silvester Priuli ließ sich im Jahre 1119 in Venedig nieder und begründete daselbst sein Geschlecht, welches drei Dogen, vierzehn Procuratoren, fünf Cardinäle, mehrere Gouverneure von Städten und Provinzen und mehrere in den Wissenschaften und in der Kriegskunst hervorragende Personen zählt. Ein Constantin Priuli war Gesandter in Ungarn und legte im Jahre 1370 in Aquileja die Fehde bei, welche Leopold von Oesterreich gegen die Republik Venedig erhoben hatte; ein Nikolaus P. war Fürst von Candia; Daniel P. ein berühmter Senator, welcher im Jahre 1469 die Streitigkeiten zwischen den Städten Justinopolis und Triest beschwichtigte, die Insel Rhodus eroberte und die Republik im Kriege gegen Negroponte auf das Freigebigste unterstützte; Andreas P. ragte zu seiner Zeit auf wissenschaftlichem Gebiete hervor, Franz P. spielte als Gesandter in den Angelegenheiten der Republik mit Papst Paul V. eine hervorragende Rolle, und Joseph P. war in den letzten Tagen der Republik auf publicistischem Gebiete thätig. Unser in Rede stehende Nikolaus P. erhielt im Seminar zum hl. Cyprian auf der Insel Murano, das unter der Leitung des Ordens der Somasker stand, eine sorgfältige Erziehung, welche vornehmlich der auf wissenschaftlichem Gebiete ausgezeichnete Johann Anton Moschini überwachte. Nach beendeten Studien trat P. in das öffentliche Leben, und zwar in der Stellung als Municipal-Assessor, welche ihm der Gemeinderath von Venedig übertragen hatte. In derselben entwickelte er eine ebenso umsichtige, als namentlich in der Freihafen-Angelegenheit Venedigs einflußreiche Thätigkeit. Als Venedig und sein Gebiet wieder an Oesterreich zurückkam, wurde eine Deputation an den Hof nach Wien entsendet, um daselbst die Freigebung des Hafens zu erbitten, da sonst der Ruin Venedigs unausbleiblich war. Kaiser Franz ertheilte im Jahre 1829 dieselbe und an der günstigen Erledigung dieser für Venedig so wichtigen Angelegenheit hatte P. den wesentlichsten Antheil. Einige Jahre später legte P., da die Angelegenheiten in seiner Familie seine ganze Thätigkeit in Anspruch nahmen, seine Stelle nieder, ohne jedoch in allen wichtigeren Angelegenheiten dem Gemeinwesen seinen erprobten Rath zu entziehen. So machte er sich vornehmlich um das Straßenwesen und um die Humanitäts-Anstalten [317] der Stadt vielfach verdient. In allen wichtigen Angelegenheiten, wenn es ersprießliche Neuerungen zur Förderung des öffentlichen Lebens galt, war er mit Schrift und Wort thätig; ein Freund der schönen Künste, schrieb er Concurse aus in der Malerei, Bildhauerei und Kupferstecherkunst; er war Mitglied des Athenäums von Venedig und Vice-Präsident des neunten Congresses der italienischen Gelehrten. Das Vertrauen, das P. von Seite der Bevölkerung genossen, war so groß, daß sie ihn an die Spitze des Gemeinwesens berief, welchem Rufe jedoch P. seiner anderweitig vielfachen Geschäfte wegen nicht folgen konnte; doch nahm er bei besonderen Angelegenheiten wichtige Missionen an und begab sich im Jahre 1850 dem Rufe des Ministeriums folgend, als Vertrauensmann nach Wien, wo er in den Angelegenheiten der inneren Ordnung seines Vaterlandes auf das Erfolgreichste thätig war. Ein unauslöschliches Andenken aber stiftete er sich durch die Sorgfalt, welche er den Wohlthätigkeits- und anderen Humanitäts-Anstalten widmete. Schon bei seinen Lebzeiten spendete er denselben ansehnliche Summen, welche er durch seine letztwilligen Verfügungen um ein bedeutendes vermehrte; so verschrieb er dem Asyl für kleine Kinder 60.000 österreichische Lire, den Armen seiner Pfarre 1000 Lire, der Commission für öffentliche Wohlthätigkeit in Venedig ein Capital von 6000 Lire, welche zwölf Jahre nach Priuli’s Tode der Erbe auszubezahlen hatte, in der Zwischenzeit hatte derselbe alle Jahre einen Betrag von 200 Lire zu entrichten; dem Civilspitale in Venedig 10.000 Lire; dem Communalspitale in Dolo 4000 Lire; außerdem noch mehrere geringe Summen zu anderen frommen und wohlthätigen Zwecken. P. wurde für seine mannigfachen Verdienste mit dem Orden der eisernen Krone ausgezeichnet. Von seinen im Drucke erschienenen Arbeiten sind anzuführen seine im Jahre 1840 öffentlich gehaltene Rede: „Sugli asili infantili se sulla loro utilità particolarmente in Venezia“; – im Jahre 1842: „Sulla utilità degli Asili d’infanzia“; – im Jahre 1843: „Delle lodi del conte Giuseppe Boldù“ – und im Jahre 1844: „Della necessità di mantenere gli Asili infantili in Venezia“. Der edle Menschenfreund starb tief betrauert im Alter von 62 Jahren.

Elogio del conte Nicolo Priuli, Presidente alla Commissione degli asili d’infanzia in Venezia letto ... dal Deputato della commissione stessa Conte Perluigi Bembo (Venezia 1855, Gaetano Longo, 8°.). – L’Omnibus (Venezianer Blatt, 4°.) 1855, p. 178: „Sull’ inaugurazione del busto di Nicole Priuli“. – Porträt. Unterschrift: Busto del conte Nicolò Priuli. G. Rebellato dis. Prem. lit. Kier 1855 (Venedig, 8°.).