BLKÖ:Habsburg, Leopold III. der Gerechte

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 412. (Quelle)
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167. Leopold III. der Gerechte, Herzog von Oesterreich (geb. 1349, gefallen bei Sempach 9. Juli 1386). Drittgeborner Sohn Albrecht’s II. des Lahmen oder des Weisen [s. d. Nr. 8], aus dessen Ehe mit Johanna [s. d. Nr. 119], Erbtochter Ulrich’s, Grafen von Pfyrt. Gemalin: Viridis, Tochter Barnabas, Herzogs von Mailand, ihm vermält im Jahre 1364. Kinder: Wilhelm (gest. 1406); Friedrich von Tirol mit der leeren Tasche [s. d. Nr. 103]; Leopold IV. der Stolze [s. d. Folgenden]; Ernst der Eiserne [s. d. Nr. 78]; Elisabeth, als Braut Heinrich’s, Grafen von Görz, gestorben; Margaretha, Gemalin Johann’s von Luxemburg, Sohnes Kaiser Karl’s IV., und Katharina [s. d. Nr. 156]. Wahlspruch. Um ein Gebirge, dessen Felsstücke zwei aus Wolken hervorragende Hände wegräumen und einen Weg bahnen, die Umschrift: „Virtuti nil invium“, wie Fugger übersetzt: Der Tugend Bahn nichts hindern kann. Hervorragende Lebensmomente. Leopold erbte mit seinem Bruder Albrecht, nach Rudolph’s IV. Tode, die österreichischen Lande und beide Brüder wichen von der Erbfolgeordnung ihres Vaters ab, wodurch sie für länger als ein Jahrhundert die Macht des Hauses Habsburg schwächten und eine Reihe von Familienfehden veranlaßten, welche zwischen Leopold selbst und seinem Bruder Albrecht, zwischen Leopold’s Söhnen Wilhelm, Friedrich IV. und Ernst, zwischen Ernst’s Sohne Friedrich V. (als Kaiser III.) und seinem Neffen Sigismund, dem Sohne Friedrich’s IV.[WS 1], ausgefochten wurden, bis sie unter Friedrich’s V. großem Sohne, Maximilian I., ihr Ende erreichten. Leopold war in mehrere Kämpfe verwickelt; mit dem Geschlechte von Carrara um die Tarviser Mark, mit seinem Vetter Enguerrand von Coucy, welcher unter dem Vorwande, seine Großtante, Gemalin Leopold’s des Aelteren, sei in ihrem Witthum verkürzt worden, Kriegsvolk in’s Elsaß, Breisgau und Aargau führte, um von Leopold Geld zu erpressen; und die Venediger machten ihm Triest streitig. Mit seinem Bruder Albrecht nahm er Theilungen vor; die erste zu Wien am 18. November 1364, in welcher die Primogenitur festgesetzt wurde, wie sie schon der große Urahn der Habsburger, Kaiser Rudolph, zu Rheinfelden (1283) und Leopold’s Vater, der weise Albrecht (1355), festgesetzt hatte; die zweite Theilung fand im Jahre 1365 Statt, nach dieser blieb Tirol beiden Brüdern gemeinschaftlich, die inneren Lande sammt und sonders fielen an Albrecht, die Besitzungen in Schwaben, Elsaß, dann die Habsburg und Kyburg an Leopold; endlich in der dritten Theilung, im Jahre 1375, erhielt Leopold auch Tirol und die inneren Lande, und Albrecht behielt nur Oesterreich. Die Vögte in den Vorderlanden, welche Leopold angehörten, verwalteten aber wenig in dessen Sinn dieselben. Arge Willkür und schwere Bedrückungen waren an der Tagesordnung, welche sie zwar vor Leopold verheimlichten, die aber dann jenen Kampf veranlaßten, welcher bei Sempach auf so traurige Weise ausgefochten wurde. Nachdem die Zürcher und Glarner einen Anschlag auf Rapperswyl, wenngleich vergeblich, unternahmen, die Luzerner das Schloß Rattenburg zerstörten, welches einem Freunde und Vasallen Leopold’s, dem Ritter Hermann von Grünenberg, gehörte, schlug sich der ganze Adel auf Leopold’s Seite und [413] an sechzig Fehdebriefe von Fürsten, Grafen und Edlen wurden an die Eidgenossen abgesendet. Bei Sempach sollte die Sache ausgetragen werden. Um Mittag, am 9. Juli 1386, begann der hitzige Kampf, in welchem von beiden Theilen Wunder der Tapferkeit verrichtet wurden. Nachdem der Kampf schon lange gewährt und noch immer unentschieden blieb, faßte der Unterwaldner Arnold Strutthahn von Winkelried mit den Worten: „Ich will Euch eine Gasse machen“, sieben bis acht Lanzen der Herzoglichen, begräbt sie in seiner Brust, reißt ihre Träger, während er selbst sinkt, zu Boden und die Schweizer dringen durch diese Gasse in die Reihen der Herzoglichen, wo sie eine furchtbare Niederlage anrichten. Schon war der österreichische Bannerträger, Heinrich von Eschenlohe, mit dem Banner gefallen. Da drang auf den Ruf Ulrich’s von Aarburg: „Rettet Oesterreich, Rettet!“ Leopold gewaltig durch die im heftigen Handgemenge verwickelten Schaaren. Rings um ihn fielen die Edelsten seines Heeres, da stürzt er mit seinem Rosse und vergeblich versuchend, sich aufzuraffen, ruft er: „Ich bin der Fürst von Oesterreich“. Ein gemeiner Schweizer aber, das Andenken Winkelried’s besudelnd, ersticht Leopold, indem er mit der Lanze in die Blöße stößt, wo sich in der Seite der Harnisch öffnet. Martin Malterer, Bannerherr von Freyburg im Breisgau, des geliebten Herrn Leiche gewahrend, wirft sich auf dieselbe, damit sie nicht befleckt und zerquetscht werde. Nachdem der Führer todt war, suchten auch viele der Seinigen den Tod. 656 Grafen und Ritter lagen auf dem Wahlplatze, darunter Albrecht von Müllinen, der Markgraf von Hochberg, die Grafen von Fürstenberg, Thierstein, Aarberg, die von Liechtenstein, Hallwyl, Escheng, aus Tirol die von Spauer, Fels, Wolkenstein, Schroffenstein, Starkenberg, Schlendersberg, Rottenburg, Karl von Mayenburg, Otto Truchseß von Waldburg, die Herren von Ems, Erlach, Ochsenstein, Rechberg, Freyberg, Kageneck, Stein, Schellenberg. Von den Eidgenossen blieben nicht viel über 200. Leopold wurde mit seinen Heeresfürsten zu Königsfelden, die erschlagenen Eidgenossen zu Luzern begraben. Winkelried’s Capelle stand über 400 Jahre, ein Denkmal bisher unübertroffenen Heldenmuthes; den Franzosen blieb es aufbehalten, es auf dem Wege nach Ennemoos zu zerstören.

Lorenz (Ottocar), Leopold III. und die Schweizer-Bünde (Wien 1860, Gerold, 8°.) [vergl. Allgem. Zeitung 1860, Beilage Nr. 263, mit einer treffenden Anmerkung]. – Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg (Wien, gr. 8°.) Bd. IV, S. 181. – Mailáth (Joh. Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Perthes, 8°.) Bd. I, S. 166–179. – Fugger (Joh. Jac.), Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668, kl. Fol.) S. 345, 347, 354, 367–369, 376 u. 377. – Hormayr’s Oesterr. Plutarch, Bd. III, S. 1–26 abgedr. In der „Austria. Oesterr. Univ. Kal.“ für 1854, S. 1–7. – Neue Zeitschrift des Ferdinandeums in Tirol und Vorarlberg, II, S. 17: „Hofstaat, Hofsitte und Hoffestlichkeiten unter Herzog Leopold dem Frommen zu Innsbruck“. – Senkenberg, Selecta juris et historiae (1738), IV, S. 1–160: „Von den edeln Grafen von Habspurg, Hertzogen zu Oesterreich u. s. w., auch etwas von der Sempacher-Schlacht, in welcher Hertzog Leupold ... erschlagen und zu Königsfelden begraben ist“; – S. 161–314: „Alberti III. et Leopoldi fratrum ducum Austriae chartularium austriacum varii generis monumenta a. 1379 et 1380 exarata complectens“. – Füßli, Neues Schweizer Museum 1793, I, 609–637: „Anonymi aliqua gesta de morte domini Lutoldi (sic) ducis Austriae et de guerra dominorum Friburgensium contra Bernenses a. 1386–1389. [414] Mit Anmerkungen von Zurlauben und Anic. Melot. – Gerbert (Martin), De translatis Habsb. Austr. princ. etc. cadaveribus (S. Blasii 1772, Fol.) Cap. VI: „De Leopoldo cognomento Probo apud Sempachium succumbente“. – Etrénnes helvetiques, I, 1813, S. 30–69: „Bataille de Sempach 8. Juillet 1386, par Ph. Bridel. – Wyß (Joh. Heinrich), Die Schlacht von Sempach am 9. Heumonat 1386 nach allen ihren merkwürdigen Umständen beschrieben (Zürich 1783, 8°.). – Monatliche Nachrichten von Zürich, 1783, S. 122–127 u. 169–172: „Von der jetzt noch üblichen Feyer der Sempacher Schlacht“. – Langhans (Jac.), Beschreibung des Streits zu Sempach (o. O. 1619, 8°.). – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatenkunde. Herausgegeben von Joh. Paul Kaltenbäck (Wien, 4°.) Jahrg. 1837, Nr. 14, S. 56: „Notiz aus der Sempacher Schlacht“. – Lambecius, Comment. Biblioth. Caesar. edit. Kollar, Tom. II, lib. II, c. VIII. p. 961: „Catalogus Germanicus Comitum, Baronum, et Nobilium, qui cum Archiduce Leopoldo probo occubuerunt apud Sempachum in proelio contra Helvetios 1386”. [Dieses Verzeichniß der bei Sempach gefallenen Ritter und Edeln enthält auch: Fugger’s Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich, S. 370–372, mit Abbildung der Wappen eines großen Theiles derselben.] – Aehnlich wie die Schlacht bei Morgarten lebt auch die Sempacher Schlacht in Lied und Dichtung fort; siehe: Sammlung für altdeutsche Literatur und Kunst, herausg. von F. H. von der Hagen, Docen und Büsching (Breslau 1812). Bd. I, S. 1: „Die Schlacht bei Sempach 1386, von P. Suchenwirth; mitgetheilt von Docen“. – Soltau, Ein Hundert deutsche historische Volkslieder (Leipzig 1836), S. 74: „Ein Spruch vom Sempachstrit“. – Hormayr’s Taschenbuch, Jahrg. 1839, S. 201–215: „Lied von dem Sempacher Streit aus Rochholz’ eidgenöss. Liederchronik“. – Rochholz, Eidgenössische Liederchronik, S. 28–50: Die Schlacht bei Sempach, von Joh. Sutter“. Dieses Gedicht, dessen Verfasser in der Sempacher Schlacht mitgefochten, erschien unter dem Titel: Die Schlacht bei Sempach so beschehen im 1386 Jar uff sanct Cirillentag im Lucernergebiet gelegen“ (o. O. u. J., 8°., 1666; wieder Lucern 1694, 8°. und ebd. 1705, 8°.). – Gedichte über die Schweiz und über Schweizer (Bern 1793, bei Emil Haller, 8°.) Bd. II, S. 11: „Sempacher Schlacht“, von Am Bühl; S. 177: „Auf dem Schlachtfeld bei Sempach“, von F. L. Haller. – Jos. Ign. Zimmermann gab heraus: Petermann von Gundolfingen oder die Sempacher Schlacht, ein eydgenössisch Trauerspiel (Basel 1779, 8°.). – Von Ben. Neubert erschien anonym: Walther von Stadion oder Geschichte Herzog Leopold’s von Oesterreich und seiner Kriegsgefährten. 2 Theile (Leipzig 1794, Weygand, 8°.). – Hagen und Büsching in ihrem Grundriß der Literatur gedenken noch eines alten, bereits 1481 bei Anthonius Sorg zu Augsburg in Folio erschienenen Romanes, welcher so anfängt: „Hie hebt sich an ein schöne uñ kurczweilige hystori zelesen von herczog Leuppold und seinem sun Wilhalm von oesterreich wie die jr leben volenndet haben.“Porträte. 1) Leopold’s des Gerechten Porträt siehe: Fugger, Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668, kl. Fol.) S. 377; – 2) nach diesem schlecht nachgestochen von Blaschke; – 3) nach dem Stammbaume in der Ambraser-Sammlung gez. von C. Mayer, gest. von J. Hyrtl.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wilhelm’s.