BLKÖ:Senkenberg, Heinrich Christian Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 34 (1877), ab Seite: 115. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Heinrich Christian von Senckenberg in der Wikipedia
GND-Eintrag: 107653338, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Senkenberg, Heinrich Christian Freiherr|34|115|}}

Senkenberg, Heinrich Christian Freiherr (Reichshofrath, rechts- und staatswissenschaftlicher Schriftsteller [116] (geb. zu Frankfurt a. M. 19. October 1704, gest. 30. Mai 1768). Entstammt einer angesehenen Frankfurter Familie, besuchte die Schulen in Gießen, von wo er sich im Jahre 1725 in seine Vaterstadt begab und dort mit großem Eifer Geschichte und Rechtswissenschaft betrieb. In den Jahren 1727 und 1728 beendete er an den Hochschulen zu Halle und Leipzig seine Studien. Nach Beendigung einer wissenschaftlichen Reise durch Niedersachsen, kehrte er 1729 nach Hause zurück, nachdem er kurz zuvor die juridische Licentiatenwürde erworben hatte. In seiner Vaterstadt betrieb er nunmehr das Advocatursgeschäft, hatte es aber noch nicht lange ausgeübt, als ihn im November 1736 der Rheingraf Karl zu Dhaun als ersten Rath nach Dhaun berief. Im Jahre 1735 kam er auf die zu Göttingen neu errichtete Universität als Syndicus, außerordentlicher Professor der Rechte und Beisitzer der Juristenfacultät. Im Jahre 1736, in welchem ihm auch das Doctordiplom ausgefertigt wurde, erhielt er zu Göttingen eine ordentliche Professur der Rechte mit dem Charakter eines kurfürstlichen Rathes, im Jahre 1738 aber eine gleiche mit dem Charakter eines Regierungsrathes an der Hochschule in Gießen. Während seines Aufenthaltes in letzterer[WS 1] Stadt nahm ihn der Fürst von Oranien und Nassau als wirklichen geheimen Justizrath in seine Dienste, der Markgraf von Ansbach machte ihn zu seinem Hofrath und viele andere Grafen und Stande des deutschen Reiches zu ihrem Kanzleidirector, Hofrath und Kreisdirector. In Folge dessen legte er sein Lehramt nieder und wählte Frankfurt a. M. zu seiner Wohnstätte, bis ihn Kaiser Franz I. Stephan zum kaiserlichen Reichshofrath ernannte. Am 15. November 1745 traf er in dieser Eigenschaft in Wien ein. Im Jahre 1751 erhob ihn der Kaiser in Würdigung seiner Verdienste als Rechtsgelehrter in den Reichsfreiherrnstand. Die Zahl der Schriften S.’s beläuft sich, ohne seine Vorreden und in Sammelwerken enthaltenen Aufsätze, über 80. Sie haben für dieses österreichische Lexikon nur theilweise Bedeutung, daher, mit Uebergehung der übrigen, deren Titel in den unten bezeichneten Quellenschriften aufgefunden werden können, nur jene hier angegeben werden, welche zu Oesterreich in einer oder der anderen Beziehung stehen. Diese sind: „Rerum Alemanicarum Scriptores aliquot vetusti ex Bibliotheca Melch. Haimesfeldii Goldasti. Editio 3, Tomi 3 (Francof. et Lips. 1730, Fol.); – „Selecta juris et historiam tum anecdota tum iam edita sed rariora.“ Tom. I–VI (Francof. ad Moen. 1742, 8°.); darin ist besonders bemerkenswerth im vierten Bande: „Anonymus Helvetius de Origine et Historia Ducum Austriae usque ad pugnam Sembacensem“ – „Alberti III. et Leopoldi III. Ducum Austriae Chartularium“ – „Acta Imperii Comitialia aliaque publica Seculi XV.“ – „XX Monimenta anecdota res Austriacos illustrantia“ – „Anonymi Carmen de obsidione et expurgnatione Hohenkraen 1512“ – „Anonymi Heilbronnensis Historia belli rusticani an. 1525; accedit praefamen Scriptores quosdam Austriacos et instituti rationem percensens“; im fünften Bande: „Chronicon Austriacum anecdoton ab anno MCCCCLIV usque ad annum MCCCCLXVII“; – „Disquitio, qua filiam ultimae gentis suae in regnis et principalibus privative succedere ex genuinis fontibus deducitur et diplomatica [117] appendice ulterius illustratur“ (Goettingae 1736, 4°.), die neue Ausgabe erschien unter dem Titel: „Disquisitio de successione filiarum in regnis et principatibus: quam cum additionibus et appendice de successione Austriaca Senkenbergii edidit. ... G. W. Lud. Beneke“ (Giesae 1742, 4°.) – „Corpus iuris feudalis Germanici“ oder vollständige Sammlung der teutschen gemeinen Lehensgesetze ...“ (Gießen 1740, gr. 8°.); neu mit einigen Zusätzen von Dr. Joh. Fried. Eisenhart[WS 2] (Halle 1772, gr. 8°.); – „Sammlung von ungedruckten und raren Schriften zur Erläuterung des Staats-, des gemeinen bürgerlichen und Kirchenrechtes, wie auch der Geschichte von Deutschland“, 4 Theile, mit KK. (Frankf. a. M. 1745–1751, 8°.); – „Neue und vollständige Sammlung der Reichsabschiede, welche von Zeiten Kaiser Conradi II., bis jetzo auf den deutschen Reichstagen abgefasset worden“, 4 Theile (Frankf. 1747, Fol.); – „Gedanken von dem allzeit lebhaften Gebrauch des uralten teutschen bürgerlichen und Staatsrechtes in den nachherigen Reichsgesetzen und Gewohnheiten, sonderlich auch bey denen Lehren von Königswahlen und Erzherzogthümern. Nach Anleitung des Schwabenspiegels und beigelegten ungedr. Urkunden“ (Frankf. a. M. 1759, 8°.); – „Corpus iuris e Bibliotheca Senkenbergiana emissum etc.“ Tom. I et II (Frankf. a. M. 1766, Fol.); – „De iudicio camerali hodierno eiusque conditione, iudice, praesidibus, cancellaria, observationes variae ex legibus et tabulis publicis ... cum aliquibus figuris aeneis“ (Vindobonae 1764, 8°.); – „Kurze Nachricht von dem Reichshofrathe, auf Befehl und zum Gebrauche Kaisers Joseph II. im Jahre 1762 entworfen“, steht im Juristischen Journal von Ronneburg 1798. Senkenberg war einer der berühmtesten und angesehensten Juristen des 18. Jahrhunderts. Sein Sohn Renatus Karl (s. d. F.) hat durch einen unberechtigten Mißbrauch von Staatsacten, welche er unter den Papieren seines Vaters, der von der kais. österreichischen Regierung Gnaden und Würden empfangen, gefunden hatte, sich Untersuchung und Verbannung zugezogen.

Senkenberg (Renat. Leop. Christ. Karl Freih.) Vita Henrici Christiani L. B. de Senkenberg ab ipso descripi inchoata a filio... ad finem perducta. (Francof. ad Moen. 1782, 4°.). – Goetten’s jetztlebendes gelehrtes Europa. Theil II, S. 309–316 und 810–812. – Jenichen, unparteiische Nachrichten von den jetztlebenden Rechtsgelehrten. S. 210 u. f. – Weidlich (Christ.) Biographische Nachrichten von den jetztlebenden Rechtsgelehrten in Deutschland (Halle 1781 u. f., 8°.). Theil II, S. 479–501. – Derselbe. Zuverlässige Nachrichten von den jetztlebenden Rechtsgelehrten (Halle 1757 u. f., 8°.) Theil II, S. 87 u. f. – Henric. Christ. L. B. de Senkenberg de communi Germaniae patria meritissimus nuper ad coelites sublatus (Götting. 1768, 4°.). – Strieder (Ferd. Wilh.) Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte u. s. w. (Cassel 1780, gr. 8°.), Bd. XIV, S. 192 u. f.
Porträte. 1) Gestochen von Joh. Jac. Haid, in Schwarzkunst, kl. Fol. [auch in Brucker’s Bildersaal, 6. Zehend]. – 2) E. N. Reuling p. J. M. Bernigeroth sc. (8°.). – 3) An seinem Monumente, F. Messerschmidt und J. E. Mansfeld sc. (Fol.) [Das Monument war anfänglich in Wien aufgestellt, kam aber dann nach Frankfurt in den Garten der Senkenberg’schen Stiftung.] – 4) Unterschrift: Heinrich Christian | Freyherr | von Senckenberg | kaiserl. Maj. Würckl. (sic) Reichs-Hofrath | J. Elias Haid, sculp. A. V. (8°.) [geschabt, schönes Blatt.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: letzerer.
  2. Vorlage: Jos. Ferd. Eisenhart (Korrigiert nach Eisenhart, Johann Friedrich).