BLKÖ:Putzer Edler von Reibegg, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 24 (1872), ab Seite: 112. (Quelle)
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Putzer Edler von Reibegg, Johann (Abgeordneter des österreichischen Reichstages, geb. in Botzen im Jahre 1801), dem Handelsstande sich widmend übernahm er im Jahre 1822 von seinem Vater Florian die Leitung und das Eigenthum des Handlungshauses Jakob Holzhammer in Botzen. Er richtete nun vor Allem sein Augenmerk auf die Belebung des tirolischen Transitohandels und der inländischen Seidenindustrie. Im Jahre 1839 erhielt er das Privilegium zur Erbauung der ersten italienischen Eisenbahn – von Mailand nach [113] Monza – welche er auch in einem Zeitraume von acht Monaten auf eigene Rechnung ausführte. Im Jahre 1840 gründete er in Gemeinschaft mit Stephan Grafen Szechenyi in Pest die Pester Walzmühlgesellschaft, betheiligte sich hierauf am Baue der Venetianer Dampfmühle, an der Zuckerraffinerie in Treviso, und an mehreren tirolischen industriellen Unternehmungen. Nachdem er im Jahre 1852 das Walzwerk Storé bei Cilli erworben, erweiterte er dasselbe in den Jahren 1855 u. 1856 bedeutend und verband es mit dem großen Kohlenbergbau von Gouzze bei Tüffer. Diese großen industriellen Unternehmungen hinderten ihn aber nicht auch noch in anderer Weise seinen patriotischen Sinn zu betheiligen. So betheiligte er sich im Jahre 1848 mit seinem einzigen Sohne an der Tiroler Landesvertheidigung auf dem Toxal und Montebaldo und wurde hierauf zum Commandanten der Botzner Nationalgarde gewählt, in welcher Eigenschaft er einen unter den Bauern der Umgegend angezettelten Judenkrawall vereitelte. Im Herbst 1848 wurde er als Vertreter der Stadt Botzen in den verstärkten tirolischen Landtag nach Innsbruck gesendet, verfocht dort mit Erfolg das Princip der confessionellen Gleichberechtigung und wurde beinahe einstimmig zum Mitgliede des ständigen Ausschusses ernannt. Im Jahre 1850 wurde er als Vertrauensmann für Tirol in die Bankcommission nach Wien berufen und legte dort gegen die Vertheilung von Superdividenden während der Dauer des Zwangskourses Verwahrung ein. Im Jahre 1859 stellte er sich, drei Tage nach der Schlacht bei Solferino, dem Erzherzog Karl Ludwig von Botzen zur unbeschränkten Verfügung und erbot sich schriftlich zur Bildung einer Freiwilligen-Legion in Baiern – P. ist wie es schon sein Vater war, kön. bayerischer Consul – um selbe zur Vertheidigung der bayerischen Grenze nach Südtirol zu führen, jedoch der bald darauf erfolgte Friedensschluß machte die Ausführung dieses Planes überflüssig. Im Jahre 1861 wählte ihn die Handels-und Gewerbekammer von Brixen zu ihrem Vertreter auf dem Tiroler Landtage, auf welchem er der Agitation in der Protestantenfrage mit allem Nachdrucke entgegentrat und in seinem Antrage in Bezug auf das Gesetz vom 9. April von sämmtlichen Mitgliedern der liberalen constitutionellen Partei unterstützt wurde. Von dem Tiroler Landtage wurde er alsdann in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes gewählt und schloß sich in diesem der Partei der Unionisten an. Ueber die Adelserhebung und den Familienstand siehe das Nähere in den Quellen.

Adelstands-Diplom ddo. 26. Mai 1832. – Der Reichsrath. Biographische Skizzen der Mitglieder des Herren- und Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes (Wien 1861, Friedrich Förster, 8°.) 2. Heft, S. 23.