BLKÖ:Quandt, Daniel Gottlob

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 24 (1872), ab Seite: 135. (Quelle)
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Quandt, Daniel Gottlob (Schauspieler und Schriftsteller, geb. zu Leipzig im Jahre 1762, gest. zu Prag 26. März 1815). Ob er ein Sohn oder Verwandter des seit 1758 an der kais. Hofbibliothek in Wien angestellten Custos Johann Gottfried Quandt ist, eines der französischen Sprache und Literatur kundigen Mannes, der seine Kenntnisse auch durch Reisen in Frankreich und England vermehrt hatte, kann ich nicht bestimmen. Daniel Gottlob[WS 1] hatte die Rechte studirt, sich aber dann vorzugsweise der Pflege der schönen Wissenschaften zugewendet. Nachdem er mehrere Jahre in Leipzig privatisirt, wurde er dann Schauspieler. Im Jahre 1801 errichtete er zu Bamberg, 1803 zu Anspach und Baireuth eine eigene Gesellschaft, deren Director er bis 1811 blieb, worauf er nach Prag übersiedelte und dort bis an sein Lebensende als Privatgelehrter lebte. Von seinen Schriften sind mir bekannt: „Vermächtniss eines alten Comödianten an seinen Sohn“ (Berlin 1790, 8°.); – „Versuch durch ein psychologisch-ästhetisches Gemeinprincip für wahre Menschen-Darstellung auf der Bühne, den Beruf zu ihr aus ihren Forderungen herzuleiten“ (Nürnberg 1803, 8°.); – „Vorläufige Ideen über den wohlthätigen Einfluss der sittlichen Schaubühne auf Geschmack und Volksbildung“, abgedruckt im 9. Hefte der „Annalen des Theaters“ (Berlin 1796 u. f.). 1811 bis 1814 gab er Anfangs zu Leipzig, später zu Prag den Allgemeinen deutschen Theater-Anzeiger heraus. Auch hatte er Antheil an dem allgemeinen „Ephemeriden der Literatur und des Theaters“. In seinen Schriften verbindet er mit gründlicher Sachkenntniß eine geschmackvolle Darstellung. Er war es auch, der als nach Abgang des Grafen Durazzo das General-Directorium der Wiener Bühnen an Johann Wenzel Grafen Spork übergegangen war, mit anderen ästhetisch-gebildeten Männern seiner Zeit, wie Riegger, Petrasch; Engelschall, Heyden u. A. durch Vorschläge zur Herstellung einer gesitteten Schaubühne, die Beseitigung des Hanswurstes und der bis dahin ausschweifenden Volksposse vorbereitete und wesentlich zur Veredlung des deutschen Theaters und des Geschmackes in Bühnensachen mitgewirkt hat. In der zweiten der vorgenannten Schriften wies er schon auf die realistische Richtung in der Darstellung, auf die durch characteristische Individualisirung bedingte Wahrheit im Spiele als feiner Kenner und scharfsinniger Dramaturg [136] hin und bahnte den Uebergang von der pathetischen zur naturalistischen Darstellung an.

Allgemeines Theater-Lexikon ... herausgegeben von R. Blum, K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg u. Leipzig, neue Ausgabe o. J., 8°.) Bd. VI, S. 144. – Eck (J. G.) Leipziger gelehrtes Taschenbuch 1786, S. 14 u. f. – Allgemeine Literatur-Zeitung 1815, Nr. 191.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Daniel Gottfried.