BLKÖ:Rátky de Salamonfa, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rátky, die Familie
Band: 25 (1873), ab Seite: 19. (Quelle)
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Rátky de Salamonfa, Ludwig (k. k. Major, geb. zu Hermannstadt in Siebenbürgen 8. Juli 1790, gest. zu Slavonisch-Brood 5. April 1853). Entstammt einer alten ungarischen Familie [vergl. S. 21 die Quellen]. Sein Vater war zuletzt k. k. Feldkriegscommissär. Der Sohn Ludwig betrat die militärische Laufbahn 1806 im 7. Huszaren-Regimente, wo er 1809 vom Cadeten zum Lieutenant und zum Oberlieutenant vorrückte. Sein Name befindet sich unter jenen Officieren verzeichnet, welche Erzherzog Karl in der „Relation über die Schlacht bei Deutsch-Wagram“ einer besonderen Erwähnung werth erachtete. Die That selbst – da für dieselbe ein Anderer ausgezeichnet wurde – verdient eine gedrängte Darstellung. Das 7. Huszaren-Regiment, am 6. Juli 1809, an dem 2. Schlachttage bei Deutsch-Wagram, zwischen Aspern und Hirschstädten im linken österreichischen Flügel stehend, hatte mit dem 6. Armeecorps, in dessen Avantgarde es sich befand, die Aufgabe, den rechten Flügel des über die Donau gedrungenen Feindes zwischen Breitenloe [20] und Hirschstädten zurückzuwerfen und damit dessen in den Uferauen festsitzenden Schwärmerketten zu verdrängen. Dem Generalen Grafen Vecsey gelang es, die letzteren Schritt vor Schritt zum Rückzuge zu zwingen. Eine starke, rasch und äußerst zweckentsprechend vor Aspern aufgefahrene französische Batterie begann jedoch im entscheidenden Momente dem tapfer vorrückenden österreichischen Armeecorps energischen Widerstand entgegenzusetzen, und stellte ihm die empfindlichsten Verluste in Aussicht. Den Umfang der alle erreichten Vortheile in Frage stellenden Gefahr und die wichtigen Folgen des Gelingens rasch überblickend, brach plötzlich Oberlieutenant Rátky mit der von ihm befehligten Huszaren-Escadron aus seinem Regimente ab, kehrte sich kühn mit der kleinen Truppe gegen die mörderischen Geschosse, und sie, sowie die benachbarte Infanterie-Abtheilung, mit Bravour attaquirend, erzwang er das Schweigen des Geschützfeuers, machte die Bemannung kampfunfähig und bemächtigte sich sofort dreier Kanonen und des Pulverwagens der Batterie, wobei ihm das eigene Pferd unter dem Leibe getödtet wurde. Die Wahrnehmung des ebenso unerwarteten als virtuos durchgeführten Wagstückes veranlaßte den General Grafen Walmoden, noch eine Escadron des Regiments an den neuen Kampfplatz zu dirigiren. Im Triumphe führte nun Oberlieutenant Rátky, trotz des heftigsten feindlichen Kugelregens neun eroberte Geschütze, den Pulverwagen und die vollständige Bespannung derselben den österreichischen Truppen zu. Die Durchkreuzung der beabsichtigen Operation, der Verlust einer wichtigen Oppositionsstütze, die imponirende Wirkung endlich, die das Ereigniß an sich auf den ganzen rechten Flügel der französischen Armee übte, ermöglichte dem St. Georger-Regimente durch Aspern zu brechen, der Feind räumte das Feld, zog sich bei Aspern vorbei in die Mühlau und nach Stadlenzersdorf zurück, und in fester Stellung konnte das 6. österreichische Armeecorps Aspern, Eßlingen und alle Donauverschanzungen längs diesen Puncten besetzen und von da die weiteren Ereignisse des Tages erwarten, die schließlich im Centrum der Armee leider nicht in günstiger Weise entschieden wurden. Obgleich in der Schlachtrelation besonders namhaft gemacht und mit einem glänzenden Tapferkeitszeugnisse über diese ohne Befehl ausgeführte Waffenthat versehen, vermochte der Antrag des Regimentscommando’s, dem Oberlieutenant Rátky den militärischen Maria Theresien-Orden zuzuerkennen, nicht mehr durchzudringen, da das glückliche Unternehmen durch Verleihung dieses Ordens an den Generalen Grafen Walmoden, in dessen Befehlsbereiche es vor sich gegangen war, bereits eine öffentliche Würdigung erhalten hatte. Die Trophäen derselben waren trotz des schließlichen Verlustes der Schlacht dem österreichischen Heere verblieben. Unter Marschall Renyer 1812 gegen Rußland im Felde, nahm Rátky bei Rumburg persönlich einen polnischen Reiterofficier gefangen und erhielt hierauf 1813 bei Leipzig eine Schußwunde. Seine wiederholt bekundete militärische Begabung gab vor Eintritt des Rheinüberganges Veranlassung, ihn einer neuen Sphäre zuzuführen. Er erhielt die Ernennung zum wirklichen Hauptmann und wurde mit der Bildung des Bergjägercorps betraut. Dasselbe durch die Schweiz führend, fiel er in Frankreich ein, nahm damit hervorragenden Antheil am [21] sogenannten kleinen Kriege, der im Feldzuge 1814 so günstige Resultate lieferte. R. erhielt in Anerkennung seiner verdienstlichen Leistungen von dem Könige von Preußen später das eiserne Kreuz. Als Premier-Rittmeister im 3. Dragoner-Regimente stand R. hierauf bis 1817 in den Reihen der Occupationsarmee in Frankreich. Obwohl erst 28 Jahre alt, nahm doch seine bis nun unter so günstigen Auspicien zurückgelegte Laufbahn eine plötzliche Wendung, indem seine vor Leipzig erhaltene Schußwunde einer Operation unterzogen werden mußte und R. nunmehr genöthigt war, sich für das ganze künftige Leben einer Fußmaschine zu bedienen. Dieß bemüssigte ihn, in den Ruhestand zu treten. Nach einiger Zeit übernahm R. die Stelle eines Bürgermeisters der Militärstädte Kostainiza, Petrinia und Brood, und wurde für sein verdienstliches Wirken auf diesem Posten im Jahre 1850 ausnahmsweise zum wirklichen Major befördert.