BLKÖ:Raditschnigg von Lerchenfeld, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Radivojević, Julie
Band: 24 (1872), ab Seite: 199. (Quelle)
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Raditschnigg von Lerchenfeld, Joseph (Schulmann und Botaniker, geb. zu Klagenfurt in Kärnthen 19. Februar 1753, gest. zu Hermannstadt in Siebenbürgen 16. Jänner 1812). Nachdem er die Studien theils in seiner Vaterstadt, theils in Wien beendet, machte er mehrere Reisen nach Deutschland und Italien, auf denen er seine Bildung vervollständigte, und im Verkehre mit ausgezeichneten Männern seiner Zeit jene edlere Richtung einschlug, die sein ganzes späteres Wirken kennzeichnete. Die Kaiserin Maria Theresia hatte eben die bedeutenden Reformen im österreichischen Unterrichtswesen angebahnt, als R. von seinen Reisen in s Vaterland zurückkehrte. Er wurde nun auch im Unterrichtswesen angestellt und erhielt seine Bestimmung nach Siebenbürgen, das auch sein zweites Vaterland wurde. Er wirkte daselbst zuletzt als Oberaufseher der Nationalschulen in Siebenbürgen, durch eine Reihe von Jahren im Unterrichtsfache und erwarb sich, wie sein Nekrolog meldet, „unvergeßliche Verdienste um die Bildung der Siebenbürger Jugend“. In früheren Jahren beschäftigte sich R. mit schöngeistigen Arbeiten und veröffentlichte einige Bände Poesien und Theaterstücke, u. z. in Gemeinschaft mit seinem Freunde Richter: „Gedichte zweier Freunde“ (Wien 1775, 8°.), – und allein: „Der Barbier von Sevilien. Ein Lustspiel in 4 Aufz. aus dem Französischen“ (ebd. 1776, 8°.); – „Der Ehefeind. „Ein Lustspiel in 5 Aufz.“ (ebd. 1776, 8°.), nach Anderen führt das Stück den etwas unwahrscheinlich klingenden Titel: „Der Ehrenfeind“. In der Folge widmete er seine Mußestunden der Pflege der Naturwissenschaften, vornehmlich der [200] Botanik. Seine mannigfaltigen Dienstreisen führten ihn nach und nach in alle Theile Siebenbürgens und er benützte diese Ausflüge zur Sammlung der mannigfaltigsten Kunstschätze. So brachte er ein Herbarium, in Hinsicht auf siebenbürgische Pflanzen, eines der vollständigsten, zusammen, und eine Frucht zwanzigjähriger, unermüdeter Forschungen im Gebiete der Pflanzenkunde war seine im Nachlasse vorgefundene „Flora Transilvaniae.“ Sie bestand aus einem Manuscripte, das die Beschreibung von etwa 400 Phanerogamen mit 58 Abbildungen derselben enthält, aus 200 Beschreibungen von Pilzen vorzüglich der Gattungen Agaricus und Boletus mit 144 Abbildungen derselben und aus einer Pflanzensammlung von 1613 Phanerogamen, nach Linné geordnet, und in den Jahren 1785–1790 gesammelt. Doctor Schur hat Einiges aus Raditschnigg’s Nachlasse veröffentlicht. Aus den in seinem Nachlasse vorgefundenen Aufzeichnungen und Papieren erhellet, daß R. unter Anderen mit Jacquin, Willdenow und Kitaibel in literarischem Verkehre gestanden. R. war auch Mitglied der herzoglich mineralogischen Gesellschaft zu Jena.

Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 31, Strauß, 4°.) Jahrg. 1812, Bd. I, S. 104. – Kanitz (August), Versuch einer Geschichte der ungarischen Botanik. Aus dem 33. Bande der Linnaea besonders abgedruckt (Halle 1865, Gebauer-Schwetschke, 8°.) S. 136 [in dieser Ausgabe, wie in der früheren derselben Schrift (Hannover 1863, 12°.) S. 66, ist er unter dem unrichtigen Namen Radnitzky – statt Raditschnigg – von Lerchenfeld aufgeführt]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 36 [nach diesem geb. zu Herzendorf in Kärnthen 21. Februar 1753, heißt auch daselbst irrig Raditsching, unter welcher unrichtigen Schreibung seines Namens er in mehreren Werken erscheint]. – Raßmann (Friedr.), Pantheon deutscher jetztlebender Dichter und in die Belletristik eingreifender Schriftsteller, begleitet mit biographischen Notizen und der wichtigsten Literatur (Helmstädt 1823, Fleckeisen, 8°.) S. 287. – Goedeke (Karl), Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859, L. Ellermann, 8°.) 2. Band, S. 1071 [dieser wie Raßmann stimmt im unrichtigen Namen und im Geburtsdatum und Orte mit de Luca überein]. – Mittheilungen des siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaft (Hermannstadt, 8°.) Bd. III, S. 88: Dr. Schur über Joseph von Lerchenfeld und dessen botanischen Nachlaß.