BLKÖ:Ransonnet-Villez, Karl Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ranzoni, Emerich
Band: 24 (1872), ab Seite: 350. (Quelle)
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Ransonnet-Villez, Karl Freiherr (Vice-Präsident des obersten Rechnungshofes, geb. zu Wien 25. Mai 1802). Entstammt einer alten belgischen, in der Grafschaft Perigord ansässigen Familie, aus welcher mehrere auf dem Gebiete der Kunst und in anderen Lebenssphären sich einen Namen gemacht. Freiherr Karl ist ein Sohn des niederländischen Finanzrathes Hubert Joseph von Ransonnet, der als Intendant der Provinzen Limburg und Geldern, als General-Commissär über die Wälder, dann während der Suspendirung der Stände als Directeur en chef der Angelegenheiten der Provinz Henegau, später als Mitglied des Domänen- und Finanzrathes, sowie als Ober-Landescommissär der k. k. Armee und jener der vereinigten Mächte, und bei verschiedenen wichtigen Missionen in’s Ausland sich solche Verdienste erworben, daß ihm Kaiser Joseph II. am 2. October 1789 aus höchst eigenem Antriebe das Ritterkreuz des St. Stephan-Ordens verlieh, demzufolge er im Jahre 1803 in den erbländischen Freiherrnstand erhoben wurde. – Sein Sohn Karl beendete [351] die juridischen Studien in der Theresianischen Ritter-Akademie in Wien, trat 1824 in den Staatsdienst, in welchem er die ersten Stufen seiner Laufbahn bei der niederösterreichischen Regierung, dem Kreisamte V. U. W. W. und der allgemeinen Hofkammer, langsam vorrückend, zurücklegte. Im Jahre 1841 wurde R. als Hofconcipist dem Staats- und Conferenzminister Grafen Ficquelmont (damals als ad latus des Fürsten Metternich) auf Verlangen des Grafen zugewiesen und blieb in dieser Verwendung, bis ihn 1846 die Beförderung zum Hofsecretär bei der allgemeinen Hofkammer traf. Schon im folgenden Jahre wurde er aber zur Dienstleistung im Bureau des Staats- und Conferenzministers Grafen Kolowrat berufen und 1848 bei der ersten Zusammensetzung des Ministerrathes zum Protokollsführer desselben ernannt. Im December 1848 betraute ihn der Minister-Präsident Fürst Schwarzenberg mit der Leitung der Ministerrathskanzlei und 1849 wurde er zum Ministerialrathe und Kanzleidirector des Ministerrathes befördert, eine Stellung, die er hierauf auch bei der Ministerconferenz behielt. Seine Leistungen auf diesem Posten wurden 1854 durch das Ritterkreuz des Leopold-Ordens gewürdigt. Im Jahre 1865 wurde R. mit kais. Handschreiben vom 27. Mai zum Vice-Präsidenten der obersten Rechnungs-Controlsbehörde ernannt und wurde hierauf Vice-Präsident des obersten Rechnungshofes, der mit 1. Jänner 1867 an die Stelle der obgenannten Controllsbehörde trat. In Vollzug der Zweitheilung der österreichischen Monarchie hörte der oberste Rechnungshof auf, eine Staats-Centralbehörde zu sein, und die Beschränkung seines Wirkungskreises auf die deutsch-slavischen Länder hatte eine wesentliche Reduction des Personals zur Folge; R. trat nun in den Ruhestand über und wurde ihm zugleich von Sr. Majestät in Anerkennung der 43jährigen guten Dienste die Würde eines k. k. geheimen Rathes verliehen. Die dadurch gewonnene Muße benützte R. zu Reisen nach dem Oriente, Spanien, Scandinavien u. s. w. R. hat sich in früherer Zeit viel mit Literatur und Kunst beschäftigt; in den von Adolph Schmidt herausgegebenen „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“ brachte er im Kunstblatte Nr. 17, 1844, den kunstkritischen Aufsatz: „Die heilige Justina von Moreto, nicht von Pordenone, in der kais. Gallerie im Belvedere“, und in anderen Blättern andere Aufsätze und poetische Versuche; auch hat er sich in den musikalischen Kreisen der Residenz, als Dilettant im Fache des Gesanges bemerkbar gemacht. Aus seiner Ehe mit Margarethe gebornen Gräfin Bigot de Saint-Quentin stammen drei Kinder, unter diesen Freiherr Eugen Ransonnet, von dem die vorige Lebensskizze berichtete.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 18. Juni 1803. – Wappen. In Blau und Roth der Länge nach getheilter Schild. Im vorderen blauen Felde ein silbernes Schildeshaupt, das mit einem sechseckigen rothen Sterne belegt ist. Im blauen Felde befindet sich ein goldener, von beiden unteren Winkeln bis an das Haupt aufsteigender Sparren. Das hintere rothe Feld ist durch einen silbernen, von einem im Schreiten begriffenen Stier überstiegenen schmalen Balken quergetheilt. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone. Schildhalter. Zwei natürlich aufgerichtete zurücksehende goldene Löwen, die mit ihren Vorderpranken den Schild umfassen.