BLKÖ:Ratzer, Johann Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rattensberger (Maler)
Band: 25 (1873), ab Seite: 26. (Quelle)
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Ratzer, Johann Karl (Schriftsteller, geb. zu Bistriz in Mähren 10. December 1802, gest. zu Brünn 11. November 1863). Sein Vater Franz war Wirthschaftsdirector zu Bistriz und seine Mutter Susanna eine Tochter des Leipniker Stadtprimators Johann Pfrong. Im Elternhause erhielt R. den ersten Unterricht. Die schöne Gegend seiner Heimat mit den Höhen des sagenreichen Hostein und die auf dem Privattheater des dortigen Grundherrn, des Grafen Wengersky von Montelabate, gegebenen theatralischen Vorstellungen weckten frühzeitig die lebhafte Phantasie des talentbegabten Knaben. Im Jahre 1816 kam R. nach Leipnik, wo er das Piaristen-Gymnasium, dann nach Kremsier, wo er 1819–1820 die Humanitätsclassen besuchte, worauf er im Jahre 1821 nach Olmütz ging und dort den philosophischen Studien oblag. An letzterem Orte hatte der Professor der Philologie und Aesthetik Dr. Franz Fiker nicht unwesentlichen Einfluß auf R.’s geistige Entwickelung. In den Jahren 1824–1827 vollendete R. zu Olmütz die rechtswissenschaftlichen Studien und trat nun, nachdem sein Vater im Jahre 1826, ohne Vermögen zu hinterlassen, gestorben und R. genöthigt war, sich bald eine sichere Existenz zu begründen, am 5. October 1827 bei dem Olmützer Magistrate in die Civil- und Criminalpraxis ein. Im Jahre 1829 übersiedelte er nach Kloster Hradisch und kam von dort im Jahre 1830 als Registrator, Grundbuchsführer und Secretär zu dem regulirten Magistrate der k. Stadt Gaya in Mähren. Diese Stelle bekleidete er bis 19. December 1837, worauf er Amtmann der kön. Stadt Gayaer Landgüter wurde. Im December 1849 zum Bezirkshauptmann in Mistek ernannt, verwaltete [27] er dieses Amt, bis bei der neuen Organisirung der politischen und Justizbehörden seine Ernennung zum Bezirksvorsteher des gemischten k. k. Bezirksamtes und Untersuchungsgerichtes Mistek mit Belassung seines früheren Ranges erfolgte. In der Zwischenzeit wurde er im Monat April 1850 nach Wien berufen, um an den Berathungen wegen künftiger Verwaltung der Depositen und und Waisenvermögenschaften, welche bei dem k. k. Justizministerium stattfanden, beizuwohnen; und von Juli bis November 1853 führte er die provisorische Leitung der Bezirkshauptmannschaft Mährisch-Trübau. Im August 1855 erfolgte seine Ernennung als ständiges Mitglied und Referent der k. k. mähr. Grundlasten-Ablösungs- und Regulirungs-Landescommission in Brünn mit dem Charakter eines k. k. mähr. Statthaltereirathes, in welcher Eigenschaft ihn der Tod im Alter von 61 Jahren hinraffte. Die Muße seines amtlichen Berufes widmete R. seit frühen Jahren literarischen, vornehmlich poetischen Arbeiten. Er schrieb Gedichte, Dramen, Novellen, ließ auch Mehreres im Drucke erscheinen, doch kamen seine Arbeiten kaum über das Weichbild seiner Heimat hinaus, und so zahlreich sie im Ganzen sind, hat doch die Literatur davon keine Notiz genommen und sind sie auch in den Bücherkatalogen von Kayser, Heinsius, Kirchdorf u. dgl. m. nicht zu finden. Die Titel seiner im Drucke erschienenen selbstständigen Schriften sind: „Poetische Versuche“ (Brünn 1837, Franz Gastl); – „Balladen und Lieder“ (ebd. 1839); – „Das Lied vom Vaterlande“ (ebd.): – „Genil. Romantisches Gedicht“ (ebd.); – Raphael. Trauerspiel“ (ebd.); – „Liederträume“, 2 Bändchen (ebd. 1844 u. 1845); – „Gedichte“ (ebd. 1846); – „Das eroberte Granada“ (Wien 1846, Gerold); – „Lieder des Einsamen“ (Neutitschein 1851, J. N. Enders); – „Ost- und West-Rosen“ (ebd. 1852); – „Sonette“ (ebd. 1855). Vieles, Gedichte und prosaische Aufsätze, erschien zerstreut in schöngeistigen Blättern, wie z. B. in Ebersberg’s „Feierstunden“ und in desselben „Wiener Zuschauer“, dann in der von Ohéral redigirten „Moravia“, in der Neutitscheiner „Biene“. Sehr umfangreich – und zwar dramatische und lyrische Arbeiten und auch politische Aufsätze enthaltend – soll sein Nachlaß sein. Ein stilles sinniges Gemüth spricht aus R.’s poetischen Arbeiten, leider lebte er abgeschieden von dem Markte literarischen Treibens, und so blieb er, würdiger gekannt zu sein als manche Drittels- und Halbtalente, für welche die Kameraderie in die Posaune stoßt, im deutschen Dichterhaine unbekannt und unbeachtet, und nicht einmal seine gedruckten Schriften sind auf dem Büchermarkte aufzutreiben.

Feierstunden, herausg. von Ebersberg (Wien, 8°.) 1835, S. 1081. – Fremden-Blatt von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1863, Nr. 13. – Mährischer Korrespondent (Brünner polit. Blatt) 1863, Nr. 279. – Notizenblatt der historisch-statistischen Section der k. k. mähr. schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde. Redigirt von d’Elvert (Brünn, 4°.) 1857, S. 82: „Der Dichter Johann K. Ratzer“. – Die Biene (Neutitscheiner Unterhaltungsblatt, 4°.) 14. Jahrg. (1864), Nr. 10: „Biographische Skizze“. – Hie und da ist der 12. November 1863 als Ratzer’s Todestag angegeben, das ist irrig, er ist am 11. November gestorben.