BLKÖ:Rauch, Levin Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 25 (1873), ab Seite: 38. (Quelle)
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Rauch, Levin Freiherr von (Staatsmann, geb. zu Agram 6. October 1819). Sein Vater Daniel war ein schlichter Landedelmann, der sich mit der Bewirthschaftung seines Besitzthums beschäftigte. Die unteren Schulen und das Gymnasium besuchte R. zu Agram, begann 1838 das Studium der Rechte und nach dessen Vollendung lebte er zurückgezogen auf seinem Gute. Erst nach dem ungarischen Ausgleiche im Jahre 1861 trat R. aus seiner Abgeschiedenheit einigermaßen hervor, aber auch damals machte er sich nur wenig bemerkbar, bis seine mit Allerh. Entschließung vom 27. Juni 1867 erfolgte Ernennung zum Banal-Locumtenens ihn mit einem Male in den Vordergrund stellte. Diese Ernennung hing mit der Berufung des Grafen Julius Andrássy an die Spitze des ungarischen Cabinets und mit der Lösung der Ausgleichsfrage zwischen Ungarn und Croatien zusammen. Mit Ausnahme von Böhmen gab es wohl in der Monarchie kaum ein anderes Land, in welcher der Föderalismus so hoch gehalten wurde [39] wie Croatien, und man hatte nur noch auf Rauch alle Hoffnung gesetzt, die croatischen Föderalisten zum Aufgeben ihrer idealen Ansprüche zu vermögen und sie von der Nutzlosigkeit ihrer Bestrebungen zu überzeugen. Und in der That, was Keinem vor ihm gelungen, gelang dem Baron Rauch, der im Anbeginn seines Auftretens auf dem politischen Schauplatze die Union mit Ungarn als den leitenden Faden seiner Politik ansah und angesehen wissen wollte, durch welche Entschiedenheit er seine Freunde befriedigte und seinen Gegnern imponirte. Daß die Aufgabe keine leichte war, dafür geben die zahlreichen Angriffe auf seine Person in den öffentlichen Blättern Zeugniß, und man beschuldigte ihn, politische Verfolgung seiner Gegner, kleinliche Polizei-Plackereien, Fälschung der öffentlichen Meinung, organisirtes Spioniersystem u. dgl. m. ähnliche Mittel in Anwendung gebracht zu haben, um seinen Zweck zu erreichen. Wie viel von diesen Beschuldigungen auf Rechnung der Parteileidenschaft und auf die Corruption der Beeinträchtigten, denen jedes Mittel heilig ist, wenn es ihre Sache gilt, zu legen, weiß jeder, der je einen Blick gethan in das Labyrinth der Politik unserer Tage. Im November 1869 fand die feierliche Installation des Baron Rauch zum Banus von Croatien Statt; es war dieß der Lohn für das von ihm mit so viel Geschick und politischem Tacte gelöste, ebenso für Ungarn wie das übrige Oesterreich gelöste Problem. Aber nicht lange sollte diese Wirkung vorhalten. Nach seiner Ernennung zum Ban häuften sich die Angriffe auf seine Person in kaum dagewesener Weise. Seine Unbefangenheit in nationalen Fragen hatte ebenso die Wuth seiner nationalen[WS 1] Gegner entfesselt, als auch die Machinationen zu seinem Sturze von Seite jener Partei, der er diente, vorbereitet, denn er machte es dadurch keiner von beiden Parteien, nicht der croatischen, die ihn als Erzfeind ihrer Nation ansah, nicht der ungarischen, die immer der Ansicht war, der Mohr habe noch nicht ganz seine Schuldigkeit gethan, Recht. Und eben der letzte Umstand, daß R. gegenüber den Anforderungen des ungarischen Cabinets die croatischen Interessen mit Energie beschützte und das Land, an dessen Spitze er zur Leitung seiner Geschicke und Förderung seiner Wohlfahrt nach innen und außen bestellt war, gegen die ungarischen Uebergriffe entschieden wahrte, eben dieses wackere Vorgehen bereitete seinen Sturz, der im Jänner 1871 erfolgte. Sein Nachfolger im Amte war der bisherige Minister für Croatien in Pesth, Bedekovich, der überdieß als persönlicher Gegner des enthobenen Banus galt. Bemerkenswerth ist noch, daß, während Sarkady’s „Hajnal“ Rauch als einen gebornen Agramer bezeichnet, das Wiener „Fremdenblatt“ meldet, daß das „Bündner Tagblatt“ Rauch einen gebornen Graubündner nennt, der aus Schuls gebürtig sei und als Knabe von 12 Jahren die Schule von Schuls verlassen habe. Baron Rauch, dem überdieß die geheime Rathswürde verliehen wurde, ist mit Donata Gräfin Sermage (geb. im Jahre 1826), kais. Palastdame, vermält.

Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1871, Nr. 2491, in der „Kleinen Chronik“. – Hajnal. Arczképekkel és életrajzokkal diszitett Album. Tulaj- donos szerkesztő és kiadó: Sarkady István, etc., d. i. Die Heimat. Bilder- und Biographien-Album, herausgegeben von Stephan Sarkady (Wien 1867, Leop. Sommer, 4°.) In der Signatur I, S. 4. – Pavliha. Zabavljivo-šaljiv list (in Laibach erscheinendes slovenisches Spottblatt, kl. Fol,) 1870, Nr. 3 S. 10 [auf S. 9 [40] seine Carricatur]. – Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung (Wien, gr. 4°.) 1868, Nr. 76: „Ovation für Baron Rauch“. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1866, Mor. Ráth, 8°.) Bd. IX, S. 662. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1867, Nr. 199. – Porträt. Unterschrift: Báró Rauch Levin, Dalmát-Horvát-Tót Országok Bán Helytartója. Marastoni Jos. (lith.) 1867 (Wien, Reiffenstein, 4°.)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: natiolen.