BLKÖ:Reyberger, Anton Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Reycha
Band: 25 (1873), ab Seite: 398. (Quelle)
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Reyberger, Anton Karl (Abt des Stiftes Melk, geb. zu Göllersdorf im V. U. M. B. 21. Jänner 1757, gest. zu Melk 3. October 1818). Im Hause seiner Eltern, welche das Müllerhandwerk betrieben, erhielt R. seine erste Erziehung, und da er gute Geistesanlagen zeigte, schickten ihn die Eltern nach Wien, wo der Knabe das Jesuiten-Gymnasium besuchte und bald von den Vätern des Ordens für denselben gewonnen worden wäre, wenn nicht die in der Zwischenzeit, 1773, erfolgte Aufhebung des Ordens diesen Plan vereitelt hätte. Der vorzügliche wissenschaftliche Ruf, dessen sich damals das Benedictinerstift Melk erfreute, bewog R., in das Stift einzutreten, in welchem er 1781 die theologischen Studien beendete und sich dann dem Lehramte [399] zuwendete. Dort wirkte er bis 1786 am Gymnasium und wurde nun von von Swieten, dem damaligen Studien-Präses, der aus einem von Reyberger verfaßten Concurselaborat dessen ausgezeichnete Begabung erkannte, als Professor der Moraltheologie an die Pesther Hochschule berufen, von welcher er schon nach zwei Jahren in gleicher Eigenschaft an jene von Wien kam, an welcher er durch 22 Jahre gewirkt. Im Jahre 1810 wurde R. zum wirklichen niederösterreichischen Regierungsrathe ernannt, alsdann zum Rector der Wiener Hochschule und am 7. November d. J. im Stifte Melk zum Abte desselben gewählte Seine erste wichtigere That als Abt war die Errichtung eines Gymnasiums im Stifte, das im Jahre 1811 für 40 Zöglinge in’s Leben trat, und für welches in den tüchtigen, wissenschaftlich gebildeten Stiftsgliedern, in der reichen, gut bestellten Bibliothek, einer ansehnlichen Mineralien- und Münzsammlung alle Elemente für ein wirksames Gedeihen vorhanden waren. Nicht lange war es dem Prälaten gegönnt, auf seinem Posten zum Wohle des Stiftes zu wirken. Im Alter von 61 Jahren, nachdem er acht Jahre dem Stifte vorgestanden, entriß ihn der Tod den Seinen. Während seines Lehramtes hat er folgende Werke herausgegeben: „Systematische Anleitung zur christlichen Sittenlehre oder Moraltheologie“ (Wien 1794, Beck, gr. 8°.); – „Institutiones Ethicae christianae seu Theologia moralis“, tomi tres (Viennae 1805–1809, Wappler, 8°. maj.; edido 2da 1814; edit. 3ia 1819, Beck). Aus R.’s Werken weht der Geist eines aufgeklärten Theologen, wie sich solche unter der Regierung der großen Maria Theresia und ihres erleuchteten Sohnes gebildet, und deren Ansichten und Aussprüche im damaligen katholischen Deutschland als maßgebend galten und zur Richtschnur dienten. Als Lehrer, wie auch später als Censor, welches Amt er in theologischen Schriften mehrere Jahre versah, stand R. seiner liberalen und duldsamen Ansichten wegen in hoher Achtung. Bald nach seinem Antritte der Abtswürde wollte R. die durch die Gebrüder Pez[WS 1] hervorgerufenen wissenschaftlichen Traditionen seines Stiftes, welche durch die langen Kriegsjahre, von deren Drangsalen eben das Stift Melk stark betroffen worden, in den Hintergrund getreten waren, wieder aufnehmen, und schon setzte er sich mit den übrigen Stiftern und mit anderen Freunden der vaterländischen Geschichte in Verkehr, um die vorhandenen, noch unbearbeiteten Quellen kritisch zu sichten und neue, hie und da in Bibliotheken und Archiven versteckte zu sammeln. An der Vollendung seines Vorhabens hinderte ihn jedoch sein vorzeitiger Tod.

Janitsch (Aemilian), Geschichte des uralten und berühmten Benedictinerstiftes Melk. Mit der Biographie des verstorbenen Abtes A. Reyberger (Wien 1819, 8°.). – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. IV, S. 66. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S, 382. – Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1818, Intelligenzblatt Nr. 88 u. 89: Nekrolog.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Bernhard und Hieronymus Pez.