BLKÖ:Pez, Bernhard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pez, Hieronymus
Band: 22 (1870), ab Seite: 145. (Quelle)
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Petz, auch Pez, Bernhard (gelehrter Benedictiner, geb. zu Mölk, nach Anderen zu Ybbs 22. Februar 1683, gest. zu Mölk 27. März 1735). Die Familie soll adeligen Ursprungs sein und zu ihren Vorfahren den Bartholomäus Petz, Herrn von Ulrichskirchen und St. Veit in Kärnthen, des Kaisers Rudolph II. Rath, haben, der an verschiedenen Höfen in Gesandtschaften und zuletzt am türkischen Hofe als Botschafter in Verwendung gestanden und im Jahre 1588 in die niederösterreichische Landmannschaft aufgenommen wurde. Christoph Petz, der Enkel dieses Bartholomäus P., war zu Anbeginn des 17. Jahrhunderts mit noch anderen Evangelischen aus Kärnthen in’s Exil gewandert und hatte sich in Regensburg als Bürger und Handelsmann niedergelassen. Die nun bürgerliche Familie war gleich vielen anderen im dreißigjährigen Kriege ganz herabgekommen, da sie übrigens sehr zahlreich war, zerstreute sie sich unter verschiedenen Bedienstungen und Handthierungen. Ein Johann Zacharias war Gastgeber in Ybbs und unter seinen eilf Kindern glänzen Bernhard und der gleich ihm als Geschichtsforscher geschätzte Bruder Hieronymus P. [s. d. Folg, S. 149]. In Wien und Krems besuchte er die Gymnasien, nach beendeten Humanitätsclassen fand er Aufnahme im Benedictinerstifte Mölk, in welchem er im Jahre 1700 das Ordensgelübde ablegte und seinen bisherigen Taufnamen Leopold mit dem Klosternamen Bernhard vertauschte. Nach beendeten philosophischen Studien wurde er Lehrer der Grammatik am Stiftsgymnasium zu Mölk, nebenbei sich ernstlich mit dem Studium der classischen Literatur und Sprachen, darunter der hebräischen und französischen, beschäftigend. Im Jahre 1704 schickte ihn sein Stift nach Wien, damit er an der dortigen Hochschule die theologischen Studien beende. Am 29. Mai 1708 las er die erste Messe. Seit längerer Zeit historischen Studien sich auf das Eifrigste hingebend, trat er zuerst mit der Schrift: „De irruptione in Tyrolim anno 1703 a Gallis et Bavaris facta“ (Viennae 1709, Schlegel) als Schriftsteller auf. Er erscheint in dieser Schrift mit dem Autornamen Bernardus Isipontanus. Diese Arbeit fand eine freundliche Aufnahme und dieß eiferte ihn zu neuen Forschungen an, wobei ihm das Studium der historischen Kritik nach Mabillon ein treffliches Muster wurde. Eine nicht eben willkommene Störung für seinen geweckten regen Forschergeist war der Auftrag, die Leitung und religiöse Ausbildung der jungen Stiftszöglinge zu übernehmen, den er [146] 1712 erhalten hatte. Aber schon nach einem Jahre war es ihm wieder gegönnt, sich ausschließlich seinen historischen Forschungen hinzugeben. In dieser Zeit entwarf er den Plan zu einer Biblioteca Benedictina in welcher er alle Schriftsteller seines Ordens aus jedem Zeitalter und aus jedem Lande anführen und ihre Werke würdigen wollte. Seine Absicht war, dabei zunächst bis auf das Jahr 1600 zurückzugehen. Er gab nun Umlaufsschreiben an alle Benedictinerklöster und ersuchte seine Ordensbrüder um Beiträge zur Ausführung seines großen Werkes, dessen Plan sammt dem erwähnten Umlaufsschreiben in den Actis Eruditorum Lips. Sept. 1716abgedruckt ist. Aber dieser Schritt war lange nicht von den erwarteten Folgen. Ein verhältnißmäßig ganz geringer Theil ließ sich auf die Absichten Bernhard’s ein, und wenn Theodor Mayer im Hormayr’schen „Archiv“ 1827, S. 499 u. 500, eine von der ebenda 1810, S. 416, in der Anmerkung enthaltenen, vollends abweichende Darstellung gibt, so erklärt sich dieß, daß Mayer, selbst Benedictiner, nicht wohl gegen seinen eigenen Orden zeugen konnte und mochte, während der Verfasser der „Geschichte des kais. Haus-, Hof- und Staatsarchivs“, welche jene zweite Darstellung enthält, in dieser Beziehung an keinerlei Rücksichten gebunden war. Bernhard P. machte vor 150 Jahren dieselbe bittere Erfahrung, wie Herausgeber dieses Lexikons, der, als er vor 17 Jahren ein gleiches Umlaufschreiben an Schriftsteller, Künstler und Tausende von Personen ergehen ließ, auf deren Theilnahme und geistige Unterstützung bei seinem Werke er mit Bestimmtheit rechnete, ebenso wenig mit seinem Antrage verstanden wurde und bei Lösung der schweren und großen Aufgabe zuletzt auf sich selbst angewiesen blieb. Man verzeihe dem Verfasser dieses Werkes diese kurze Abschweifung, aber sie beweist, wie fast anderthalbhundert Jahre vorübergehen konnten, ohne daß das Bedürfniß eines solchen Werkes in den Massen wach geworden wäre. Wie ist das anders in Frankreich, Belgien, England, selbst in manchen Städten (geschweige Staaten) Deutschlands! Bernhard P., als er sich wider alles Vermuthen in seiner Erwartung getäuscht fand, entschloß sich daher, selbst Reisen zu machen und in Person die Materialien zu holen und zu sammeln, die er von der geistigen Empfänglichkeit seiner Ordensbrüder vergeblich erwartet hatte. Während er aber dieser Aufgabe sich unterzog und die handschriftlichen Schätze der Klöster kennen lernte, veränderte er seine Aufgabe und begann seine Suche nach historischen Schriften und Denkmälern älterer und ältester Zeit, nahm getreue Abschriften verborgener, ungewürdigter und doch höchst wichtiger Handschriften, welche wahre Leuchten zur Aufhellung der dunklen Geschichte vergangener Jahrhunderte waren. Den ersten Versuch machte er mit der Untersuchung der Stiftsbibliotheken in Tyrnstein und zu Wien im Schotten- und Dorotheerstifte. Er gewann nun auch für seine Idee die Theilnahme seines Abtes Berthold, auf dessen Kosten er im folgenden Jahre die noch übrigen Stifte Unterösterreichs in Gesellschaft seines Bruders Hieronymus bereiste, der damals schon die Herausgabe seiner „Scriptores rerum Austriacarum“ vorbereitete. Die Kloster, deren Schätze sie durchforschten, waren Klosterneuburg, Mauerbach, Heiligenkreuz, Mariazell, Lilienfeld, Göttweih, Zwettel, Altenburg, Pernegg, und die Ergebnisse ihrer sorgfältigsten Untersuchungen [147] wurden in besonderen Itinerarien niedergelegt. Auch suchte Bernhard das Interesse für sein Unternehmen bei den zahlreichen Brüdern seines Ordens, nachdem er es durch sei Rundschreiben nicht zu wecken vermocht, durch eine neue Schrift anzuregen, Titel derselben ist: „Bibliotheca Benedictino-Mauriana, seu de ortu, vitis et scriptis Patrum e celeberr. Congregatione S. Mauri Libri duo auctore Bern. Pez, qui etiam insignem Anonymum de Scriptoribus ecclesiasiticis addidit, et hic primum ... in lucem asseruit“ (Aug. Vindelic. et Graecii 1716, 8°.). Es ist dieß die erste Geschichte des berühmten Stiftes St. Maur in Frankreich, welche freilich durch die spätere Arbeit des Phil. de Cerf de la Vieville überflüssig geworden, aber ungeachtet dessen ihren Werth behält. Ein früher Tod hinderte Bernhard an der Bearbeitung einer zweiten Auflage, wozu die reichsten Materialien in seinem Nachlasse sich fanden. Im Jahre 1717 bereiste Bernhard und wieder in Gemeinschaft mit seinem Bruder die Klöster und Stifte Bayerns und Schwabens. Auf dieser Fahrt, welche sie im Mai 1717 über Lambach antraten, besuchten sie Monsee, Salzburg, Seeon, Weyern, Tegernsee, Benedictbeuern, Bernried, Pollingen, Wessobrunn, Andechs, München, Weihenstephan, Freising, Neustift, Scheiern, Augsburg (St. Ulrich und Afra), Werd, Weltenburg, Regensburg (St. Emmeran), Prüfling, Oberaltaich, Windberg, Metten, Niederaltaich und Formbach. In einem 800 engbeschriebene Folioseiten fassenden Itinerar sind die Ergebnisse dieser Fahrt, auf welcher sie über 8000 Codices. Manuscripte und sonst werthvolle Documente verzeichneten, niedergelegt, und der Erinnerung jedenfalls werth ist die Ueberzeugung, welche sie von ihren Nachforschungen in Bayern in die Heimat mitnahmen: „daß dort und nirgend anders die Quellen der ältesten österreichischen Geschichte geholt werden müßten“. Schon auf der Reise war Bernhard von Krankheitszufällen öfter heimgesucht und ihm dadurch die Lösung seiner Aufgabe sehr erschwert worden, nach seiner Rückkehr aber hatte er einen so schweren Anfall, daß man für sein Leben besorgt ward. Sorgfältige Pflege beseitigte bald alle Gefahr und beschleunigte seine Herstellung, nach welcher er seine ununterbrochenen Arbeiten mit einem gelehrten Streite begann. In diesen wurde Bernhard durch den k. k. Bibliothekar J. B. Gentilotti von Ehrenbrunn (geb. 1672, gest. 1725[WS 1], vergleiche über ihn Mosel, „Geschichte der Hofbibliothek“, S. 97, 99, 103, 106 u. 108) verwickelt und er entspann sich anläßlich einiger von Bernhard für unedirt gehaltener und von ihm neuerdings herausgegebener[WS 2] Urkunden, welchen Mißgriff ihm Gentilotti mit noch einigen nichts weniger als eines Gelehrten würdigen Glossen vorhielt. Wer sich über den ganzen Umfang und Gang dieser Polemik unterrichten will, vergleiche das Hormayr’sche „Archiv“ 1827, S. 543, 549, 557 bis 559. Bernhard erwiderte Gentilotti’s Angriffe mit der Schrift: „Bernardi Petzii Benedictini et Bibliothecarii Mell. Dissertatio apologetico-literaria ad Perill. et Illustr. D. J. B. Gentilottum ... pro editione integri Syntagmatis Udalrici Babenberg, ex Codice Zwetlensi impugnata etc.“ (Aug. Vindel. 1717, 4°.). Uebrigens erlief dieser Streit für Bernhard nicht ohne nachtheilige Folgen. Erstens hatte man denselben benützt, um den [148] Kaiser Karl VI. gegen ihn einzunehmen; ferner kam die Vereitelung des Planes einer gelehrten Benedictiner-Akademie in Wien, für welche Bernhard seit mehreren Jahren gewirkt, hinzu, und um in Zukunft ähnliche Streitigkeiten zu vermeiden, legte sich P. in seinen Arbeiten noch engere Schranken auf, als ihm durch seine priesterliche Stellung ohnehin schon gezogen waren. Bernhard setzte indessen seine gelehrten Arbeiten unverdrossen fort und bereitete die Ausgabe seines Thesaurus vor, durch dessen Veröffentlichung er „seine aus den Gräbern geholten Scheintodten auszuforschen und dann in’s Leben zu rufen“ beabsichtigte. Der Titel dieses Hauptwerkes Bernhard’s ist: „Thesaurus anecdotorum novissimus, seu veterum monumentorum, praecipue ecclesiasticorum ex Germanicis potissimum Bibliothecis adornata collectio recentissima cum praefationibus et observationibus praeviis“, Tomi 6 (Aug. Vindelic. t. I–III. 1721, t. IV. 1723, tom. V. 1728, tom. VI. 1729, Fol.), der letzte (VI.) Band erschien auch abgesondert mit dem Titel: „Codex diplomatico-historico epistolaris, quo vetera monumenta e saeculo Christi quinto usque ad decimum fere sextum continentur totiusque pene Europae historia illustratur“. Den reichen Inhalt dieses Quellenwerkes findet man ausführlich und sorgfältig in Hormayr’s „Archiv“ 1827, S. 605, 613, 621, 629, 638 und 644, und 1828, S. 766, 774, 783, 789, 797, 806, 813 und 821, verzeichnet. Dieses Werk hatte Bernhard’s Ruf als Historiker begründet, und im letztgenannten Jahre erhielt er von dem Grafen Sinzendorf, Staatskanzler des Kaisers Karl VI., der als Gesandter zu einem Congresse nach Soissons geschickt wurde, eine Einladung, ihn dahin zu begleiten. Bernhard, der längst gewünscht hatte, die literarischen Schätze Frankreichs und seine Gelehrten, namentlich aber die berühmten Benedictiner der Congregation Sanct Maur kennen zu lernen, nahm die Einladung Sinzendorf’s freudigst an und begleitete ihn nach Frankreich. Daselbst blieb er aber in Paris, wo er bei den Benedictinern zu St. Germain de Prez die gastlichste Aufnahme fand und sich derselben während einer Dauer von drei Monaten erfreute. Beladen mit gelehrter Ausbeute, kehrte er allein in seine Heimat zurück und forschte und sammelte auch in den Gegenden, welche er auf seiner Rückreise berührte, nach handschriftlichen, für seine Zwecke entsprechenden Schätzen, deren er nicht wenige fand. Im Herbste genannten Jahres langte er in seinem Stifte an, in welchem er verblieb, bis der auch nach Wien zurückgekehrte Graf Sinzendorf ihn dahin berief, um mit ihm die Errichtung einer Akademie der Wissenschaften zu berathschlagen, in welchem Geschäfte man nicht jedoch über die Berathschlagungen hinauskam. Im Jahre 1731 begab sich Bernhard über Ersuchen des berühmten Abtes Gottfried Bessel [Bd. I, S. 349] in das Stift Göttweih, um daselbst mehrere Monate hindurch den jungen Capitularen Unterricht in der Literaturgeschichte, Dialektik und Paläographie zu ertheilen. Von Bernhard’s nach dem oberwähnten Thesaurus noch ferner herausgegebenen Werken sind anzuführen: „Bibliotheca ascetica“, 13 Theile (Regensburg 1723–1733); – „Agnesis Blankebin[WS 3]b vita et revelationes“ (Viennae 1731), welches Buch Gräffer kurz als „abgeschmackt“ bezeichnet. Das vollständige Verzeichniß seiner Schriften[WS 4] gibt Kropf in seiner [149] „Bibliotheca Mellicensis“. Bernhard starb mitten in der vollsten literarischen Thätigkeit im kräftigsten Mannesalter von erst 53 Jahren. Nachricht über seinen ungemein reichhaltigen Nachlaß gibt aber zugleich mit jener über den Nachlaß seines Bruders, ohne jedoch zu bezeichnen, welche der nachgelassenen Schriften dem einen oder dem anderen Bruder gehört, das Hormayr’sche „Archiv“ 1821, S. 516.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1810, Nr. 95–97, 426 in der Anmerkung zu dem Aufsatze: „Ueber das geheime Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien“; 1821, S. 516; 1827, Nr. 1, 91, 91, 97–100, 101, 110, 112, 113, 115, 116, 118; 1828, Nr. 144, 148–155: „Der Nachlaß der Gebrüder Pez in der Benedictiner-Abtei Mölk“, von Theod. Mayer. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 199 [nach dieser wäre Hieronymus schon im Jahre 1765 geboren]. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1808, Gerh. Fleischer d. Jung., 8°.) Bd. X, S. 348. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Brockhaus, 4°.) III. Section, 20. Theil, S. 62. – Leipziger gelehrte Zeitung 1762, S. 737 u. f. (von Schröckh). – Erlanger gelehrte Anmerkungen 1762, Beyträge u. s. w., S. 831 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: geb. 1762, gest. 1752. Korrigiert nach DNB (GND-Nr. 115629203) und gcatholic.org.
  2. Vorlage: herausgebener.
  3. Blannbekin, Agnes. (ADB)
  4. Vorlage: Schrift.