BLKÖ:Rosalino, Franz de Paula

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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d’Or, Rosa
Band: 26 (1874), ab Seite: 341. (Quelle)
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Rosalino, Franz de Paula (gelehrter Theolog, geb. zu Wien 31. März 1736, gest. 20. Februar 1793). R. besuchte in Wien die Schulen, widmete sich dem geistlichen Stande, dessen Studien er im Jahre 1759 begann, wurde Magister der Philosophie und Theologie, trat alsdann in die Seelsorge, in welcher er mehrere Jahre auf dem Lande zubrachte, bis er als Lehrer der Mathematik und Physik in das erzbischöfliche Alumnat in Wien berufen wurde. In einiger Zeit legte er diese Stelle nieder und zog sich ganz in’s Privatleben zurück, um sich ungestört seinen Lieblingsstudien, der Philosophie und Literatur, widmen zu können. Als aber Kaiser Joseph seine kirchlichen Reformen durchführte und nach Männern suchte, die der großen, von ihm angebahnten Aufgabe gewachsen waren, berief er R. im Jahre 1782 als theologischen Büchercensor. Auf diesem Posten wirkte R., nachdem doch dieses gehässige Amt damals noch nicht zu beseitigen war, im Geiste der Aufklärung, worin er von dem geistvollen van Swieten unterstützt und gegen die mancherlei Anfeindungen, die er seiner Liberalität [342] wegen zu erdulden hatte, von dem großen Fürsten, dem Oesterreichs Wohlfahrt am Herzen lag, geschützt wurde. So hatte er sich durch Zulassung des Werkes: „L’Autorité du Clerge“ den Wiener Erzbischof zum mächtigen Gegner gemacht, worin er jedoch im Kaiser einen noch mächtigeren Schützer fand. Die Vorwürfe der Freigeisterei, womit ihn der Cardinal überhäufte, und die mancherlei Chikanen, die er deßhalb zu erdulden hatte, ließ R. mit philosophischer Ruhe über sich ergehen. Das Wohlwollen und Vertrauen des Kaisers aber hatte sich R. durch folgenden Umstand erworben. Der Kaiser hatte die Absicht, auch in den österreichischen Niederlanden die Reformen des theologischen Studiums durchzuführen. Rosalino erschien ihm als der dazu zunächst geeignete Priester und er wollte ihn zum Director der theologischen Facultät in Löwen mit einem Jahresgehalte von 2000 fl., reichlichem Ersatze der Reisekosten und der nahen Aussicht auf ein Bisthum ernennen. Rosalino dankte aber für die ihm zugedachte Beförderung mit der freimüthigen Erklärung: er wolle lieber mit seinen 500 fl. in Wien seine Stelle weiter versehen, als wieder gezwungen sein, mit Geistlichen in Gemeinschaft zu leben. Dieser Zug von Uneigennützigkeit und Selbstgenügsamkeit bei einem Priester nöthigten dem Monarchen um so größere Achtung vor R. ab, als dergleichen Charaktere überhaupt dünn gesäet sind. Die schriftstellerische Thätigkeit Rosalino’s umfaßt folgende Werke: „Auszüge aus den besten Journalen Europa’s“, 2 Jahrgänge (Wien 1773–1774, 8°.); – „Literarische Nachrichten von den Werken der besten Schriftsteller unserer Zeit“, 1. Jahrgang 2. Jahrgangs 1. Quartal (ebd. 1775 u. 1776, 8°.); – „Gesammelte literarische Fragmente, eine Wochenschrift“ (ebd. 1776, 8°.); – „Zwei Warnungen der französischen Geistlichkeit an die Christgläubigen wegen der Gefahren des Unglaubens“ (ebd. 1775 u. 1776, 8°.); auch ist von ihm eine verbesserte[WS 1] deutsche Uebersetzung der ganzen Bibel (Wien 1781, 8°.) erschienen. In den oberwähnten „Literarischen Fragmenten“ erscheint vollständig die von Chatelux entworfene Darstellung des „Esprit“ von Helvetius. R.’s schriftstellerische Thätigkeit war nicht darnach angethan, ihm unter seinem Stande, namentlich unter den höheren Würdenträgern, die an der usurpirten Macht um so zäher halten, als sie von der Unrechtmäßigkeit ihres Besitzes überzeugt sind, Freunde und Gönner zu erwerben. Die eine Partei nannte R. einen Deisten, die andere einen Jansenisten, beide aber konnten ihm seines tadellosen, moralischen Charakters wegen die Achtung nicht versagen. R. war ein erklärter Feind der Bigotterie und alles Pharisäerthums, und wie es heute nicht eine Partei, sondern die ganze gebildete Menschheit ist, die sich aus den Ketten des Jesuitismus durch Rückkehr zur alten, reinen Lehre Christi zu befreien sucht, so war es Rosalino schon vor hundert Jahren nur darum zu thun, Alles auf die erste Kirche zurückzuführen, weil er sie für die Pflanzschule der reinsten Gotteslehre – Deismus – hielt. Die „Allgemeine Literatur-Zeitung“ hat ihm in einer kurzen, aber treffenden Charakteristik ein sehr würdiges Andenken gestiftet. Rosalino ist eben ein neuer Beweis, daß die heutigen Zustände schon einmal da waren, und daß sich schon damals Männer fanden, welche der Unvernunft und Lüge, mag sie sich in welch immer ein Gewand hüllen, unbeugsam Trotz boten und die Gottesfackel der [343] ewigen Vernunft diesen Finsterlingen entgegenhielten.

Schlichtegroll’s Nekrolog auf das Jahr 1793, Bd. II, S. 288. – Allgemeine Literatur-Zeitung (4°.) 1793, Intelligenzblatt S. 625. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bandes 2. Stück. S 68. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 410. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasien- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, kl. 8°.) I. (u. einziger) Theil, S. 168.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ververbesserte.