BLKÖ:Rothschild, die Familie, Rothschildhäuser

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 142. (Quelle)
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VI. Rothschildhäuser. Von diesen, deren statistisch genaue Angabe gar nicht durchführbar ist, hat zumeist das Frankfurter Stammhaus der Familie Interesse. Dasselbe ist das in der Frankfurter Judengasse gelegene Haus zum „grünen Schild“ Nr. 148, welches der alte Maier Anselm im Jahre 1780 gekauft, mit seiner Gutle (Gudula) bezogen hat, und welches beide bis zu ihrem Tode nicht [143] verließen. Dieses Haus wurde nach dem im Jahre 1849 erfolgten Ableben Gudula’s von ihrem ältesten Sohne Anselm Maier auf ewige Zeiten zu frommen und wohlthätigen Zwecken bestimmt. Er hat nämlich in seinem Testamente 1,200.000 fl. zu einer sogenannten „milden Stiftung für die armen Israeliten der Stadt Frankfurt a. M.“ ausgesetzt, deren Zinsen theils für wöchentliche Almosenspenden, theils für Holzaustheilungen an Frankfurter Juden verwendet werden sollen; 7500 fl. davon sind aber jährlich an arme Juden aus dem Umkreise von vierzehn Meilen um Frankfurt herum als Almosen zu geben. Die Austheilung der Almosen hat im Rothschild’schen Stammhause stattzufinden, in welchem ein damit betrauter Beamter der Stiftung seine Wohnung hat und die Satzungs- und Geschäftslocale des leitenden Comité’s sich befinden. Ferner bestimmte Anselm Maier, daß in diesem Hause sogenannte Gebetversammlungen durch zehn dafür bezahlte Israeliten gehalten werden, und zwar an seinem Todestage, an jenen seiner Eltern, seiner Gattin und seiner Brüder. Seit dem im Jahre 1855 erfolgten Tode Anselm Maier’s wird das Rothschild’sche Stammhaus zu dem angegebenen Zwecke verwendet. Was mit dem Hause geschehen wird, wenn es, da die ganze Frankfurter Judengasse wegen neuer Straßenanlagen dem Untergange entgegensieht, abgebrochen wird, läßt sich nicht sagen. Die Stiftung bleibt[WS 1] nichtsdestoweniger aufrecht stehen und für Unterbringung des Beamten, der Beter u. s. w. wird schon Sorge getragen werden. Unter solchen Umständen bleibt eine Ansicht dieses Hauses von großem Interesse und eine solche enthält in gutem Holzschnitte das Werk von Franz Otto: „Das Buch berühmter Kaufleute, oder der Kaufmann zu allen Zeiten“ u. s. w. (Leipzig zweiter Abdruck 1870, Otto Spamer, gr. 8°.) S. 551, wo es mit der Unterschrift Zwei Frankfurter Judenhäuser unter einem Dache dargestellt ist. – Ein zweites Rothschildhaus, von dem eine Abbildung die „Illustrated. London News“ vom 6. September 1862 enthält, ist das neben dem Wellington-Palais gegenüber dem Greenparke in Piccadilly gelegene Wohnhaus des Baron Lionel von Rothschild (Baron Rothschild’s New Mansion). Ueberdieß besitzt Baron Lionel ein herrliches, schloßartiges Landhaus in Gunnersbury bei Acton, 2–3 Meilen von London entfernt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: beibt.