BLKÖ:Rungaldier, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Runk, Ferdinand
Band: 27 (1874), ab Seite: 267. (Quelle)
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Rungaldier, Ignaz (Aetzkünstler, geb. zu Gratz 21. Juli 1801). Sein Vater war Silberarbeiter in Gratz. Bereits im Alter von fünf Jahren zeigte der Sohn sein großes Talent für zeichnende Kunst, da er die im Hause befindlichen Bilder mit großer Geschicklichkeit zu nicht geringem Erstaunen seiner Angehörigen zu copiren begann. In Folge dessen hielt ihm sein Vater, als er neun Jahre alt war, einen Zeichenmeister und ließ ihn, im Alter von 12 Jahren, die Zeichnungsakademie im Joanneum besuchen. Vier Jahre arbeitete er daselbst unter der unmittelbaren Leitung ihres Directors Johann Veit Kauperz [Bd. XI, S. 86], der als Kupferstecher selbst ein tüchtiger Meister war. Im Jahre 1816 schickte ihn sein Vater nach Wien, um dort an der Akademie der bildenden Künste seine künstlerische Ausbildung fortzusetzen und zu vollenden. Dort verweigerte man ihm, da er – ungeachtet seiner [268] 16 Jahre – seinem Aeußeren nach ein sehr kindisches Aussehen besaß, die Annahme, bis Kininger [Bd. XI, S. 271], des Knaben Talent erkennend, ihm die Erlaubniß erwirkte, die Akademie zu besuchen. Daselbst auf den letzten Platz angewiesen, legte man ihm ein Blatt mit Augen, das er abzeichnen sollte, vor; ungesehen bemächtigte er sich eines antiken Kopfes, wurde zwar während der Arbeit überrascht und ob seiner Kühnheit ausgescholten, ihm aber auf sein flehentliches Bitten gestattet, das Blatt weiter zu copiren. Nach Vollendung seiner Zeichnung war auch der Sieg erkämpft, er durfte sich nunmehr selbst den Platz wählen und auch die Wahl der Zeichnungsvorlagen blieb ihm freigestellt. In kurzer Zeit errang R. in der Antiken-Zeichnung und im Graviren den Preis. In der Jahres-Ausstellung in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna des Jahres 1824 befanden sich zwei geschabte Blätter von seiner Hand, nämlich: „Ossian und Malvina“, nach Peter Kraft, und „Jupiter und Thetis“, nach Füger. So weit reichen meine Nachrichten über den seiner Zeit viel genannten Künstler, von dessen Hand außerdem noch einige Blätter in schwarzer Manier, zum Theil nach eigener Zeichnung, vorhanden sind. – Im November 1832 trat ein Anton Rungaldier, auch aus Gratz gebürtig (1814) und Sohn eines Silberarbeiters – allem Anscheine nach ein Bruder des obigen Ignaz – in die Wiener Akademie der bildenden Künste, über dessen Schicksale und Arbeiten auch nichts bekannt ist.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XIV, S. 47. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 393. – Katalog der Jahres-Ausstellung in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien, 1824, S. 8, Nr. 142; S. 9, Nr. 144.