BLKÖ:Schönborn-Buchheim, Franz Philipp Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schönbrunner, Karl
Band: 31 (1876), ab Seite: 140. (Quelle)
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Schönborn-Buchheim, Franz Philipp Joseph Graf (Kunstfreund und Kunstsammler, geb. 14. September 1768, gest. 18. August 1841). Ein Sohn des Grafen Hugo Damian Erwein aus dessen Ehe mit Maria Anna Gräfin Stadion (geb. 11. Juli 1746, gest. 15. Mai 1817). Der Vater, Graf Hugo Damian Erwein, k. k. Kämmerer und geheimer Rath, seit 1804 Regiments-Burgmann zu Friedberg, St. Joseph-Ordensritter und Ehrenritter des Malteser-Ordens, wurde von seinem Neffen Friedrich Cajetan Fürsten Hatzfeld im Jahre 1794 zum Erben eingesetzt. Während der Graf in dem um das Testament erhobenen Rechtsstreite die Grafschaft Trachenberg zu behaupten nicht im Stande war, sind ihm doch die Hatzfeld’schen Allodialherrschaften Dlaschkowitz und Unter-Lukawecz in Böhmen geblieben, ferner hatte er im J. 1784 das Gut Přichowitz im Klattauer Kreise Böhmens erkauft, endlich 1801 das ausgedehnte Besitzthum der österreichischen Linie seines Hauses geerbt. Diese aus letzter Erbschaft ihm zugefallenen böhmischen und ungarischen Herrschaften trat der Vater gleich nach ihrem Anfalle seinem Sohne, dem Grafen Franz Philipp Joseph ab. Dieser diente in der kaiserlichen Armee und war zuletzt Oberstlieutenant in derselben. Ferner war er Erbobergespan des Beregher Comitates, Oberst-Erbtruchseß des Erzherzogthums Oesterreich ob und unter der Enns, k. k. Kämmerer und geheimer Rath. Der Graf war ein großer Freund der Wissenschaft und Kunst, und seine Bibliothek in Wien, prachtvoll in drei Gemächern im gräflichen Palaste in der Renngasse (Nr. 155 alt) aufgestellt, zählte zu seiner Zeit (1823) an 20.000 Bände und war namentlich das Gebiet der Reisebeschreibungen glänzend vertreten, auch fehlten werthvolle Incunabeln und seltene Manuscripte nicht. Ferner war der Graf ein Kenner und Sammler von Gemälden, von denen er auserlesene Stücke, über hundert an der Zahl, gleichfalls in seinem Palais am Rennplatz in mehreren Sälen vereinigt hatte. Darunter befanden sich Stücke von Van Dyk, Dow, Holbein, Guido Reni, Carlo Dolce, Ostade, Rembrandt, Ruysdaël, Metzu, Weenix, Wynants, Wouwermanns, [141] Teniers. – Des Grafen Gemalin Marie Sophie Antonie, geb. Gräfin von der Leyen (geb. 23. Juli 1769, gest. 18. Jänner 1834), ihm seit 1789 angetraut, hatte sich durch ihren Wohlthätigkeitssinn ein unvergängliches Andenken gestiftet. Als im Jahre 1811 die Gesellschaft adeliger Frauen zur Beförderung des Guten und Nützlichen in’s Leben trat, ward sie alsbald ein thätiges Mitglied derselben. Im Jahre 1824 durch einhellige Wahl der Ausschußdamen zur Vorsteherin der Gesellschaft berufen, versah sie dieses Amt mit einer beispiellosen Umsicht und Sorgfalt, überall die Noth lindernd, wo sie solche vorfand. Aus der zahlreichen Nachkommenschaft des Grafen Franz Philipp Joseph und seiner Gemalin Marie Sophie Antonie pflanzte Graf Karl Eduard diese Linie fort, deren Chef gegenwärtig Graf Erwein Friedrich Karl ist, k. k. Kämmerer und Erbobergespan. – Graf Erwein ist (seit 11. April 1864) vermält mit Franziska gebornen Prinzessin Trauttmannsdorff (geb. 25. Juni 1844), eine Dame, von welcher das „Wiener Salonblatt“ meldet, „sowohl durch ihre Schönheit und Grazie, als hohe Bildung und Liebenswürdigkeit allgemein gefeiert und viel bewundert. Die Armen verehren in der Gräfin eine ihrer größten Wohlthäterinen“. Eine andere Quelle bemerkt, da sie von des Grafen großen Reichthümern und seinem mächtigen Grundbesitze, namentlich in Ungarn, der den Umfang eines kleinen deutschen Herzogthums erreicht, berichtet, „sie glaube nichtsdestoweniger kühn behaupten zu dürfen, daß des Grafen schönster und beneidenswerthester Besitz die Gräfin Franziska (Fanny) sei“. Jüngst erst, im Winter 1875, wirkte die Gräfin in den Wohlthätigkeits-Vorstellungen mit, welche im Palais Auersperg stattfanden. Sie stellte in den Tableaux nach den Gemälden berühmter Meister die „Judith“ nach Allori und die „Prinzessin Maria Anna von Thurn und Taxis“ nach Van Dyk vor, in welch beiden ihre imposante Gestalt, die Anmuth und Schönheit ihrer Züge, die ganze Pracht ihrer Erscheinung zu vollem Ausdrucke kam. Man schildert die erlauchte Dame als die Hauptträgerin der Gemüthlichkeit, welche der Linie des in Wien so populären Fürsten Karl Liechtenstein, ihres Großvaters, nachgerühmt wird. Die Gesellschaft, in welcher man die Gräfin am häufigsten sieht, ist die allerbeste: die nämlich ihrer Kinder, deren sie fünf hat: drei Töchter, Anna Maria (geb. 1865), Franziska (geb. 1866) und Marie Karoline (geb. 1867), und zwei Söhne, Friedrich (geb. 1869) und Erwein (geb. 1871). Es liegen uns zwei Bildnisse dieser Dame vor. Das eine brachte das obengenannte „Wiener Salonblatt“ 1872, Nr. 51, aus Hempel’s xylographischer Anstalt, worüber die dargestellte Dame wenig Freude empfunden haben mag. Das zweite brachte das Wiener Witzblatt: „Der Floh“, Nr. 15 vom 11. April 1875, gezeichnet von C. v. Stur, in der Serie der Bilder junger adeliger Damen, welche an den Wohlthätigkeits-Vorstellungen im Palais Auersperg mitgewirkt haben. Stur stellt die Gräfin als Maria Prinzessin von Thurn und Taxis dar und liefert ein ebenso schönes, als wohlgetroffenes Bildniß. Das wohlgetroffene Porträt ihres Gemals, des Grafen Erwein, brachte seiner Zeit (1864) Stephan Sarkády’s Buch „Hajnal“, d. i. das Vaterland, in einer gelungenen Lithographie von Marastoni mit der Unterschrift: „Gróf Schönborn-Buchheim [142] Ervin“ (gedruckt bei Pollak in Pesth, 4°.). – Der ältere Bruder des Grafen Karl Eduard, Graf Friedrich Damian (geb. 26. Mai 1800, gest. zu Wien 4. Mai 1874). war k. k. Major außer Dienst, Bailli anciano des Malteserordens und Commandeur zu Mailberg und Daschitz. Andreas Graf Thürheim in seinen jüngst herausgegebenen, so interessanten „Licht- und Schattenbildern aus dem Soldatenleben und der Gesellschaft“ (Prag 1876, Dominicus, gr. 8°.) gibt S. 292 u. f. eine schöne Charakteristik dieses edlen Cavaliers und würdigen Sproßen seiner berühmten Familie, den er „als einen wahren Ritter der Charitas, dem der Segen und die Dankgebete vieler Armen in’s Jenseits hinüber folgen“, schildert.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 576. – Wiener Salon-Blatt (4°.) 1872, Nr. 51. – Der Floh (Wiener illustr. Witz- und Spottblatt, Fol.) 11. April 1875, Nr. 15: „Gräfin Fanny Schönborn“.