BLKÖ:Schönburg-Waldenburg, Otto Victor Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schönbrunner, Joseph
Band: 31 (1876), ab Seite: 143. (Quelle)
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Otto Victor I. von Schönburg in der Wikipedia
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Schönburg-Waldenburg, Otto Victor Fürst (k. k. Rittmeister, zuletzt preußischer General-Major, geb. auf Schloß Waldenburg 1. März 1785, gest. zu Leipzig 16. Februar 1859). Der zweitälteste Sohn – der älteste, Otto Alexander, starb im Kindesalter – des Fürsten Otto Karl Friedrich aus dessen Ehe mit Henriette Prinzessin Reuß-Plauen. Nach einer sorgfältigen, von seinem Vater selbst überwachten und den zwei tüchtigen Pädagogen Garmann und Hasse – Letzterer später Professor der Geschichte zu Leipzig – geleiteten Erziehung bezog der Prinz in den Jahren 1802–1805 die Universitäten Leipzig und Göttingen, wo er sich dem Studium der Rechtswissenschaften widmete, worauf er eine größere Reise durch Deutschland und die Schweiz unternahm, wo er sich mit dem Kronprinzen, nachmaligen König Ludwig I. von Bayern, befreundete. Bei Ausbruch des Krieges zwischen Oesterreich und Frankreich im Jahre 1805 trat er bei Klenau-Chevauxlegers Nr. 5 als Oberlieutenant ein, machte den ganzen Feldzug in Deutschland und die Schlacht bei Ulm am 14. October 1805 mit. Der Prinz befand sich in letzterer bei jener Abtheilung, welcher es gelang, nach der unglücklichen Schlacht sich nach Vorarlberg zurückzuziehen und sich dann im Rücken der französischen Armee nach Böhmen kühn und glücklich durchzuschlagen. Für sein tapferes Verhalten im Felde rückte S. zum Rittmeister bei Kaiser-Huszaren vor, wurde aber auf sein Ansuchen in gleicher Eigenschaft zu Klenau-Chevauxlegers zurückversetzt. Als, 1808 Sachsen dem Rheinbunde beitrat, konnte S. als sächsischer Angehöriger nicht im Heere eines mit dem Rheinbunde und Frankreich im Kriege befindlichen Staates fortdienen; der Fürst mußte also den österreichischen Dienst verlassen und erhielt am 30. October 1808 den ehrenvollsten Abschied. Im Jahre 1810 befand sich der Fürst in Paris und wohnte der unseligen Katastrophe im Palaste des österreichischen Botschafters Fürsten Schwarzenberg bei, wo er an der Rettung der von dem Brande schwer bedrohten Ballgäste den thätigsten Antheil [144] nahm. Im Jahre 1812 von seinem Könige nach Dresden berufen, that er bei der berühmten Zusammenkunft Napoleon’s mit Kaiser Franz, König Friedrich Wilhelm und mehreren Rheinbundsfürsten Dienste als Obersthofmeister der Kaiserin Marie Louise. Als im November 1813 der Aufruf an das deutsche Volk erging, gegen Napoleon die Waffen zu ergreifen, folgte er sofort diesem Rufe, focht bei Courtroy, 31. März 1814, im Feldzuge 1815 als Oberst im Generalstabe Blücher’s, in den Schlachten bei Leipzig und Waterloo, wo Fuße verwundet wurde, worauf er mit dem Heere der Alliirten in Frankreich einzog. 1817 verließ er als preußischer General-Major die Dienste. Auf dem Wiener Congresse verfocht er die Rechte seines Hauses, namentlich gegen Sachsen, auf das Entschiedenste; erwirkte, als seine Lande an Sachsen kamen, durch den Erläuterungsproceß von 1835 seinen bisherigen Unterthanen eine Entschädigung sächsischer Seits von weit über einer halben Million Thaler und spielte eine einflußreiche Rolle auf den Landtagen 1820–1831. Den schon siebzigjährigen Greis ernannte noch der König von Sachsen im Jahre 1855 zum Mitgliede seines Staatsrathes. Fürst Otto Victor war seit 11. April 1817 mit Thekla Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt (geb. 23. Februar 1795, gest. 4. Jänner 1861) vermält, aus welcher Ehe sieben Kinder, wie sie aus der Stammtafel ersichtlich, stammen.

Eckardt (Pfarrer), Otto Victor Fürst von Schönburg-Waldenburg, ein Veteran der Befreiungskriege (Leipzig 1859, O. A. Schulz, 8°.).