BLKÖ:Schöpf, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 31 (1876), ab Seite: 186. (Quelle)
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Schöpf, Johann Baptist (Sprachforscher, geb. zu Seefeld in Tirol 29. Jänner 1824, gest. zu Botzen 20. Februar 1863). Der Sohn des als Schullehrer und Humanisten denkwürdigen Alois Schöpf [s. d. S. 176] erhielt er eine für seine Verhältnisse sehr sorgfältige Erziehung, kam dann nach Hall, wo er das Gymnasium besuchte, zugleich aber mit großem Eifer Musik betrieb. Nach an den Gymnasien zu Innsbruck, Hall und Roveredo beendeten Studien trat er 1842 in den Orden der Franziskaner, in welchem er am 21. November 1845 die Gelübde ablegte. Am 13. Mai 1847 erhielt er die Priesterweihe, und dem Lehramte sich zuwendend, begann er sofort seine Lehrthätigkeit am Gymnasium zu Botzen. Zugleich mit seinem Lehramte lag er, durch Grimm’s und Schmeller’s Werke angeregt, linguistischen Forschungen ob, die er, ungeachtet einer ziemlich schwächlichen Gesundheit, mit einer Zähigkeit ohne Gleichen energisch betrieb. Als er in Folge übergroßer Anstrengung zu kränkeln begann, hielt er wohl mit seinen Arbeiten inne, aber immer nur so lange, bis er sich wieder stärker fühlte, um zu seinen Forschungen zurückkehren zu können; endlich aber rächte sich die Natur an dem schwächlichen, zu sehr in Anspruch genommenen Körper und in seiner Klosterzelle entschlief der erst neununddreißig Jahre alt gewordene Sprachforscher, der seiner Kanzelberedsamkeit und Lehrthätigkeit wegen hoch verehrt, seiner wissenschaftlichen Leistungen wegen auch weit über Tirol hinaus bekannt und geschätzt war. Hatten ihn schon in seiner Jugend die Bräuche und Sitten seines Volkes angezogen und seine Aufmerksamkeit nach dieser Seite rege gemacht, mir um so größerem Eifer verlegte er sich auf das Studium seiner Muttersprache, da er durch die Werke großer Sprachforscher auf die Resultate aufmerksam geworden, welche sich aus dem sorgfältigen Studium der Sprache ergeben. Leichtbegreiflich zogen ihn zunächst die heimatlichen Dialekte an und nun widmete er alle Muße seines lehramtlichen Berufes der Erforschung und dem sorgfältigsten Studium der Volksmundarten Tirols. Die erste Frucht seiner Studien: „Ueber die deutsche Volksmundart in Tirol mit Rücksicht auf das Mittelhochdeutsche und die gegenwärtige Schriftsprache“, veröffentlichte er im Programm des Botzener Gymnasiums für 1853. Die Art und Weise der Behandlung, welche sich ebenso durch Klarheit der Anordnung des Stoffes, wie tüchtige Kenntniß der einschlägigen Fachschriften auszeichnete, fand in Fachkreisen allgemeine Anerkennung. Die nächste größere Arbeit, welche der bereits erwähnten folgte, waren seine „Nachträge aus Tyrol zu Schmeller’s[WS 1] bayerischem Wörterbuche“, welche er in Fromman’s „Zeitschrift für deutsche Volksmundarten“ (Jahrg. 1855) veröffentlichte, worin er schon früher mit einem „Ueberblick der sprachlichen Elemente Tirols“ und einigen kleineren Beiträgen aufgetreten war. Durch die verdiente Anerkennung, welche diese Arbeiten in Fachkreisen gefunden, auf das Angenehmste ermuntert, begann [187] er nun mit den Vorarbeiten zu einem selbstständigen tirolischen Wörterbuche, welches er, obgleich Fachgenossen ihm riethen, Instructionsbriefe an Freunde dieses Unternehmens im Lande herumzusenden und zu Beiträgen aufzufordern, lieber allein arbeiten wollte. „Das Beste“, schreibt er aus diesem Anlasse „ist immer das Selbsthandeln, besonders das Herumreisen in den Ferien.“ Zugleich machte er sich, um gute Belegstellen zu finden, an das Ausnotiren der besten Quellen, wie z. B. Oswald’s Wolkenstein, Vintler’s Tugendblume, der Protokolle und Acten des Botzener Magistrates, alter Chroniken und Handschriften, selbst die zahlreichen Jahrgänge des Tiroler Boten und andere Tirolensia ging er mit aller Genauigkeit durch. Außerdem hatten ihn noch, wie er selbst schreibt, seine Ordensbrüder und einige Freunde unterstützt. Im Februar 1861 waren schon mehrere Buchstaben seines Idiotikons druckfertig, im folgenden Jahre war es vollendet und begann bereits zu erscheinen, den vollständigen Druck sollte aber der Autor des Werkes, der den gemeinschaftlichen Anstrengungen seines Berufes als Lehrer und rastloser Forscher erlag, nicht mehr erleben. Erst drei Jahre nach seinem Hingange lag es den Sprachfreunden als „Tirolisches Idiotikon, nach J. B. Schöpf’s Tode herausgegeben von Anton J. Hofer“ (Innsbruck 1866, 8°.) vollendet vor. Außer den vorgenannten Arbeiten schrieb er noch eine Abhandlung über den Polemiker: „Johannes Nasus, Franziskaner und Weihbischof von Brixen 1534–1590“ (Botzen 1860), zuerst im Programm des Botzener Gymnasiums 1860, und ein Nachtrag zum Verzeichniß der Schriften des Nasus im Programm für 1861 (S. 26). [In der von Eitelberger redigirten „Oesterreichischen Wochenschrift“ erscheint „Nasus“ als „Johannes Rochus“]. Nasus, der von katholischer Seite bisher unbegreiflicher Weise vernachlässigt ward und auf den schon Goedeke in seinem „Grundriß“. S. 385 u. 163, aufmerksam gemacht, gelangt hier durch S.’s Monographie zum ersten Male zu der ihm gebührenden Geltung; – ferner: „Die Kirche und das Kloster der Franziskaner zu Botzen. Eine kunstgeschichtliche Skizze“, in der Botzener Zeitung 1858, Nr. 79–82; ferner lieferte er Zingerle zahlreiche Beiträge zu den Sagen und Sitten aus Tirol, wie er ihm auch in Abschrift den merkwürdigen Hexenproceß gegen Mathias Perger, den Lauterfresser [den die Oesterreichische Wochenschrift zum „Butterfresser“ macht] verschaffte, zu dessen Processe der Innsbrucker Archivar David Schönherr jüngst erst im Schlosse Rodeneck, wo Perger gefangen saß, neue Materialien und sein Urtheil, das in Zingerle’s Buche fehlt, auffand. Mit S. schied nicht nur ein vielversprechender, hoffnungsvoller Forscher auf sprachlichem Gebiete, sondern überhaupt eine edle Menschenerscheinung aus dem Leben. Sein schlanker, zartgebauter Körper, schreibt einer seiner Biographen, mit dem blassen, feingeschnittenen Gesichte hatte etwas Lilienähnliches. Aus den dunklen Augen voll milden Glanzes sprach eine schöne poetische Seele voll Frieden und Ruhe. In ihm hat das Land Tirol einen seiner besten, maßhaltendsten und gelehrtesten Söhne, sein Orden eine Perle, das Gymnasium in Botzen eine seiner Zierden verloren. Ueber seine Thätigkeit als Musicus – er soll auch ein guter und geschickter Compositeur gewesen sein und in seinem Orden durch längere Zeit die Stelle des Organisten bekleidet [188] haben – liegen leider keine Nachrichten vor.

Oesterreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben (Beilage zur amtl. Wiener Zeitung) (gr. 4°.) Jahrg. 1863, Bd. I, S. 314: Nekrolog. – Morgenblatt der Bayerischen Zeitung (München, 4°.) 1863, Nr. 64: Nekrolog, von Z.(ingerle?). – Donau-Zeitung (Wien) 1863, Nr. 47 [macht seinen Johannes Nasus auch zum „Johannes Rochus“].– Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) 1863, Nr. 23.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schneller’s (korrigiert nach ADB:Schmeller, Johann Andreas).