BLKÖ:Schaffgotsch, Johann Prokop Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schaffhauser, Elias
Band: 29 (1875), ab Seite: 83. (Quelle)
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Schaffgotsch, Johann Prokop Graf (erster Bischof von Budweis, geb. am 24. Mai 1748, gest. zu Budweis am 8. Mai 1817), von der böhmischen Linie; ein Sohn des Grafen Ernst Wilhelm aus dessen Ehe mit Maria Maximiliana Gräfin Goetz. Widmete sich dem geistlichen Stande, dessen Stolz und Zierde er wurde. Noch ist das Leben dieses Kirchenfürsten, der allen seinen Mitbrüdern, die sich für Gottes unfehlbare Stellvertreter auf Erden halten, und doch nichts anderes sind als Staub und Asche wie andere Menschenkinder, zum Vorbilde dienen sollte, nicht beschrieben. Einige Züge aus dem Leben dieses edlen, hochsinnigen Prälaten mögen sein geistiges Bild darzustellen versuchen. Von seinem Bedienten gefolgt, schritt der Bischof eines Tages um die Mittagsstunde an der Budweiser Domkirche vorüber und sah, wie an der Kirchenthüre ein junges Bauernmädchen stand und bitterlich weinte. Der Bischof befragte sie um die Ursache ihrer Betrübniß, und [84] schluchzend erzählte das Mädchen, daß ihre Mutter sterbenskrank sei und sie den Priester holen solle, damit er der Mutter die letzte Wegzehrung reiche. Es sei aber Mittagszeit und nun müsse sie warten. Der Bischof beruhigte das Mädchen und hieß es nur eine kleine Weile noch zu warten. Nun begab er sich selbst in die Sacristei und in wenigen Minuten erschien er unter dem Baldachin mit dem Meßner und schritt nach dem ziemlich fernen Dorfe Leitnowitz, wo er der Kranken das heilige Sacrament spendete und dann seinen Weg mit dem Allerheiligsten zurückwanderte. Die Bäuerin war genesen und Bischof Prokop wanderte eines Tages mit seinem Wirthschaftsrathe dem Dorfe Leitnowitz zu und beglückte die gesundete Bäuerin mit seinem Besuche. Das war im Bauernhause ein Jubel und eine Freude sondergleichen. Und nun erkundigte sich der edle Prälat näher um die Verhältnisse der Bäuerin und erfuhr, daß sie einen einzigen Sohn habe, der ihr aber zum Militär genommen worden, und ihre Tochter solle den Sohn eines reichen Bauern im Nachbardorfe heirathen, aber sie sei arm, könne der Tochter keine Mitgift geben, und so müsse die Heirat aufgegeben werden. Der Prälat tröstete die Bäuerin, versprach ihr, für die Aussteuer ihrer Tochter selbst zu sorgen und that es auch in freigebigster Weise. Als er sich entfernen wollte, brachte ihm die Bäuerin einen halben Laib Brot mit der Bitte, es als Lohn für seine Mühe anzunehmen. Der Bischof nahm es und trug es unterm Arm heim. Auf dem Wege von der Bäuerin begegnete er einem beliebten Schauspieler. Als dieser den Kirchenfürsten ehrerbietig grüßte, trat der leutselige Bischof auf den Darsteller zu und fragte ihn, wie es ihm gehe? „Schlecht“, erwiederte ziemlich betrübt der Schauspieler; „ich soll an meine neue Bestimmung nach Karlsbad abreisen. Heute ist der Tag meiner Einnahme, das Wetter ist herrlich, wer geht bei solchem Wetter in’s Theater? Und ich habe auf diesen Tag gerechnet, um durch die Einnahme desselben meinen Verpflichtungen nachkommen zu können.“ Der Bischof beruhigte den als Komiker beliebten Darsteller mit den Worten: „Geh’ nur ruhig nach Hause, alter Spaßmacher, du machst die Leute oft genug lachen, ich will schon Sorge tragen, daß du selbst nicht traurig zu sein brauchst“. Gerührt wollte der Schauspieler dem Prälaten die Hand küssen, was aber dieser gütig abwehrte. Heimgekommen, schickte er seinen Wirthschaftrath in’s Seminar mit dem Auftrage, der Rector wolle heute allen Theologen erlauben, das Theater zu besuchen, den Eintritt werde der Bischof selbst bezahlen. Kaum hatte die Nachricht, daß die Seminaristen auf des Bischofs Wunsch die Vorstellung besuchen und der Bischof wohl selbst derselben beiwohnen würde, in der Stadt sich verbreitet, als Alles im Theater sein wollte und es Abends an Raum gebrach, um die Besucher alle zu fassen. Der Darsteller hatte eine glänzende Einnahme gemacht. Abends aber, als der Bischof aus der Vorstellung heimkam, zerschnitt er den mitgebrachten halben Laib Brot in Stücke und vertheilte es unter seine Dienerschaft mit den Worten: „Seht, das habe ich mir heute in meiner Seelsorge verdient“. Das ist ein Tag aus dem Leben eines Kirchenfürsten. Ist das Leben eines solchen Mannes nach dem Willen Gottes nicht werth, erzählt zu werden? Gegenüber seinen Mitbrüdern aber kann man nur sagen: „Macht’s ihm nach!“ Die Kirchenlexiken aber haben keinen [85] Platz für einen solchen Prälaten, der nicht zu Viele seinesgleichen haben dürfte.

Ehrentempel der katholischen Geistlichen u. s. w. (Wien 1845, Dirnböck, 8°.) S. 84, Nr. 54 [nach diesem wäre Graf S. schon am 6. Mai 1815 gestorben]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück. S. 81. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jhrg. 1814. S. 51. – Anzeiger aus dem südlichen Böhmen (Budweis, 4°.) IV. Jahrg. (1853), Nr. 22: „Bilder aus der Vorzeit unserer Vaterstadt. IV. Ein Oberhirt“. Von E. F. Richter. – Porträte. 1) A. Jahn del., G. Döbler sc. (8°.); – 2) (C. Balzer sc., 8°.); – 3) Unterschrift: Joan. Proc. C. D. Schaffgotsch Episc. Budwice. Mark sc. (12°.).