BLKÖ:Schlesinger, Sigmund (II.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 30 (1875), ab Seite: 89. (Quelle)
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Schlesinger, Sigmund (II.) (Schriftsteller, geb. zu Preßburg um das J. 1825). Nicht zu verwechseln mit Sigmund (I.) Schlesinger, über welchen die vorige Lebensskizze berichtet hat. Ueber Sigmund (II.) Schlesinger fehlen alle biographischen Notizen. Im Jahre 1856 meldete die „Pest-Ofner Zeitung“, daß Schlesinger, „der sich durch zwei Bluetten nicht unvortheilhaft bekannt gemacht, Journalist geworden, was zwar wenig Geltung, aber doch Geld einträgt“. Er war nämlich bei der Morgenpost, einem in Wien erscheinenden, stark verbreiteten Blatte, eingetreten, von welchem er aber im Jahre 1863, wie die „Allgemeine Zeitung“ meldete, zum Fremden-Blatt überging. Als dann im Jahre 1867 das Neue Wiener Tagblatt, das sich ein unabhängiges demokratisches Organ nannte, gegründet wurde, erscheint S. alsbald unter den Feuilletonisten dieses Blattes, dem er zur Stunde noch angehört. Im Jahre 1861 vermälte er sich mit Marie Pokorny, der Tochter des ehemaligen Theater-Directors Pokorny [Bd. XXIII, S. 45]. Die schriftstellerischen Anfänge Schlesinger’s reichen in die Sechziger-Jahre zurück, in welchen er in Gemeinschaft mit dem Dichter Nissel [Bd. XX, S. 368] ein Drama für das Theater an der Wien schrieb. Seine journalistische Thätigkeit war unbeachtet geblieben, bis er zuerst mit dem Dramolet: „Mit der Feder“ und dann im Jahre 1860 mit der dramatisirten Anekdote: „Die Gustel von Blasewitz“ als dramatischer Dichter auftrat. Letztere wurde im Burgtheater in einer musikalisch-declamatorischen Akademie aufgeführt, welche zum Besten der Wiener Filiale der Schillerstiftung stattfand. Ihr folgte im Herbste [90] 1861 das einactige Lustspiel: „Am Freitag“, zuerst in der Singer’schen Akademie im Theater an der Wien, dann aber mit schönstem Erfolge im December im Burgtheater gegeben; dann im Jahre 1862: „Der Hausspion“, ein zweiactiges Lustspiel, im Juli des genannten Jahres im kön. Hoftheater zu Dresden, „Ein Opfer der Wissenschaft“, ein einactiges Lustspiel, im Burgtheater dargestellt. Im Jahre 1863 waren von Schlesinger nicht weniger denn gleich vier Lustspiele als vollendet angekündigt, und zwar: „Ein Opfer der Patienten“; – „Die Schraube des Glücks“; – „Eine moralische Ohrfeige“, sämmtlich einactig und für das Burgtheater bestimmt, und dann für das Carl-Theater: „Auf der Ministerbank“; im November 1864 brachte das Burg-Theater das einactige Lustspiel: „Mein Sohn“ und den einactigen Scherz: „Frau Sonne“; im Februar 1867 aber das Wiener Harmonie-Theater die dramatische Kleinigkeit: „Das Mädl aus dem Volke“. Außer diesen Stücken, die fast alle einactig sind und ihrer Mache zu Folge in Schlesinger den Vater des deutschen Theaterproverbes, einer Gattung, welche wieder die Franzosen erfunden und auf der Bühne eingebürgert haben, erblicken lassen, ist S. auch fleißig im Feuilleton des „Neuen Wiener Tagblatt“ thätig, in welchem seine Artikel zu den Zierden dieses Blattes zählen und mit den köstlichen Skizzen über das Wiener Volksleben von Friedrich Schlögl wohl nicht wenig zu dem Aufschwunge beitrugen, den das Wiener Tagblatt in kürzester Zeit genommen und dasselbe zu einem der gelesensten Blätter Wiens gemacht haben. In den „Typen und Silhouetten“ über Wiener Schriftsteller und Journalisten wird Sigmund Schlesinger „ein doppelter Selbstmörder genannt, und zwar ein Schriftsteller ersten Ranges, den der Journalist erdrosselt hat, und ein ausgezeichneter Journalist, der von dem Schriftsteller erwürgt ward. Und dabei immer noch kein Leichnam“. Es ist etwas Wahres an diesem paradoxen Satze. Ueber eine Sammlung seiner einactigen Stücke, welche unter dem Titel: „Original-Lustspiele“ (Berlin 1863) erschienen sind, schreibt Heinrich Kurz: „Sie sind zwar ungleich an Werth, doch ist auch in den schwächeren der Dialog geistreich und gehaltvoll. S. kennt die Menschen, ihre kleinen und großen Leidenschaften, besonders die des weiblichen Herzens, er ist witzig und reich an komischen Einfällen, sowie an wirksamen Situationen“. Herausgeber aber fügt hinzu: sie bedürfen einer trefflichen Darstellung, sonst ist es gerathener, sie zu lesen, als sie anzuschauen.

Das Vaterland (Wiener polit. Parteiblatt) 1860, Nr. 64, im Feuilleton. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 319; 1862, Nr. 341, im Feuilleton. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien 4°.) 1861, Nr. 359: 1863, Nr. 271. – Wiener Lloyd (polit. Blatt) 1864, Nr. 40. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1864, S. 692. – Magazin für die Literatur des Auslandes (Leipzig, 4°.) 1864, Nr. 37, S. 581; 1865, S. 155 (im Texte). – Wiener Schriftsteller und Journalisten. Typen und Silhouetten von Don Spavento (Wien 1874, gr. 8°.) S. 18.