BLKÖ:Schwarz von Senborn, Wilhelm Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Schwarz, Wilhelm
Band: 32 (1876), ab Seite: 309. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Wilhelm Schwarz-Senborn in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1025534085, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schwarz von Senborn, Wilhelm Freiherr|32|309|}}

Schwarz von Senborn, Wilhelm Freiherr (Staatsmann, geb. zu Wien 12. Juni 1816). Sein Vater, ein geborner Sachse, stammt aus Leipzig; seine Mutter, eine Französin, war aus Lyon gebürtig. Von seiner Kindheit in Wien, erhielt S. daselbst die erste Bildung am Josephstädter Gymnasium, bezog dann die Wiener Hochschule, besuchte, der Chemie sich zuwendend, das Wiener polytechnische Institut und entschied sich als Doctor der Chemie für die Pharmacie als Lebensberuf. Auf die Dauer sagte ihm dieß nicht zu und so trat er im Jahre 1840 als Kanzlist in das Bureau des niederösterreichischen Gewerbevereins, zu dessen Secretär er schon im folgenden Jahre ernannt wurde. Als diese Stelle, die er bereits durch vier Jahre bekleidete, seinen Talenten keinen hinreichenden Spielraum darbot, übernahm er zugleich die Redaction des damals in Wien erscheinenden „Polytechnischen Journals“ und der „Handelszeitung“. Die darauffolgenden Jahre bis kurz vor Beginn der 1848ger Bewegung benützte S. zu Studienreisen durch Deutschland und Italien. Schon damals war man auf den jungen strebsamen Mann amtlicher Seits aufmerksam geworden, denn Freiherr von Doblhoff, im Jahre 1848 Minister-Präsident, berief S. mit ah. Entschließung vom 29. Mai als Ministerial-Concipisten in das neubegründete Handelsministerium. Aber im Staatsdienste behagte es S. nicht lange, schon im folgenden Jahre trat er aus demselben, dem Rufe der Wiener Handels- und Gewerbekammer folgend, welche ihn zu ihrem Secretär ernannt hatte. Aber auch diese Stelle war nur ein Uebergangsposten, denn schon im Jahre 1850 ließ er sich durch Minister Bruck bewegen, als Ministerial-Secretär des Handelsministeriums mit ah. Entschließung vom 31. Juli wieder in den Staatsdienst zu treten, in welchem er seither in den verschiedensten Missionen und Aufgaben thätig geblieben ist. Zur Zeit der Dresdener Conferenzen wurde S., dessen Tüchtigkeit bereits erkannt worden war, mit einer handelspolitischen Mission nach Norddeutschland betraut, welche er in so entsprechender Weise ausgeführt hatte, daß bald darauf seine Ernennung zum Director des österreichischen General-Consulates in London erfolgte. Schwarz stand damals im Anfange der Dreißiger-Jahre. In London fand S. bereits Gelegenheit, die Interessen des österreichischen Handels und der Industrie besonders wahrzunehmen und Manches zu ihrer Förderung zu thun. Durch seine Stellung in die höchsten diplomatischen Kreise gezogen, benützte er seinen kaum bemerkbaren, aber stets wachsenden Einfluß in entsprechendster Weise. Die Society of arts, manufactures and commerce in London ernannte S. damals zu ihrem Ehrenmitgliede. Im Jahre 1854 wurde ihm der gleiche, noch wichtigere Posten in Paris übertragen und ihm mit ah. Entschließung vom 12. Februar 1857 in Anerkennung seiner Verdienste um die Industrie und seiner ersprießlichen Dienstleistungen in der Consularbranche der Titel eines k. k. Sectionsrathes verliehen. Auf diesem Posten entwickelte S. eine von der öffentlichen Meinung und von den Parteien aller Farben anerkannte, ebenso vielseitige, als bewunderungswürdige und ersprießliche Thätigkeit, aus welcher hier nur einige der wichtigsten Momente herausgenommen werden mögen. Im Jahre 1850 durch Beschluß des Ministerrathes als Ministerial-Commissär zur allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung in Leipzig delegirt, [310] erwarb er sich mit der Ausführung dieser Mission sowohl die Zufriedenheit des Ministerrathes, wie auch jene der kön. sächsischen Regierung. Noch im selben Jahre wurde S. mit ah. Entschließung vom 7. Mai 1850 zum Mitgliede der ständigen Commission zur Leitung der Beschickung der im Jahre 1851 in London stattgefundenen Industrie-Ausstellung aller Nationen ernannt; er hierauf mit den Functionen eines kais. Regierungs-Commissärs bei dieser Ausstellung betraut und ihm sodann die gänzliche Durchführung aller die österreichische Betheiligung an der genannten Ausstellung betreffenden Geschäfte übertragen. Gleichzeitig mit der Ernennung zum Regierungs-Commissär zu dieser ersten Weltausstellung erhielt S. von der kaiserlichen Regierung den Auftrag, den gesammten österreichischen Consulardienst in England, Schottland und Irland zu reorganisiren, die Kanzleidirection des k. k. General-Consulates in London zu errichten und zu übernehmen. In welcher Weise S. auf diesem Posten thätig gewesen, wie er der österreichischen Handelsmarine mehrfältige specielle Dienste geleistet, erhellet aus der ihm von Seite des Ministeriums wiederholt ausgesprochenen „vollsten Zufriedenheit“ mit seiner Dienstleistung, wie aus den Anerkennungen der k. k. Central-Seebehörde und des Verwaltungsrathes des österreichischen Lloyd, „daß er um die Wahrnehmung, Förderung und Vertretung der Schiffahrts-Interessen sich wesentlich verdient gemacht habe“. Im Jahre 1854 wurde S. von der kais. Regierung als Delegirter derselben zu der von der Königin Victoria von Großbritannien vollzogenen feierlichen Inauguration des Industriepalastes in Sydenham abgeordnet; im Jahre 1855 zum Regierungs-Commissär zur zweiten Ackerbau-, Industrie- und Kunstausstellung aller Nationen in Paris, sowie gleichzeitig zum General-Secretär des österreichischen Ausstellungs-Comité’s und zum Leiter der Ausstellung ernannt; auch erhielt er über Ansuchen der herzoglichen Regierung von Parma den Auftrag, die Interessen der Unterthanen des Herzogthums Parma bei der gedachten Ausstellung zu vertreten. Ueberdieß war er bei allen drei vorgenannten Ausstellungen in Leipzig, London und Paris als Berichterstatter und Mitglied der internationalen Jury thätig. Nach einer Ruhe weniger Jahre wartete sein im Jahre 1859 bei Ausbruch des Krieges zwischen Oesterreich und Frankreich eine nicht minder beschwerliche als wichtige Aufgabe. In Folge des ausgebrochenen Krieges wurden die Functionen der österreichischen Consularämter in Frankreich eingestellt; Schwarz wurde jedoch über Auftrag seines Ministeriums in Paris gelassen, um dem kön. niederländischen Gesandten am französischen Hofe, Herrn von Lightenvelde, in der Besorgung der Angelegenheiten der österreichischen Unterthanen, mit deren officieller Vertretung der niederländische Gesandte während der Abwesenheit der kais. Botschaft betraut war, behilflich zu sein. Acht Monate war S. in diesem Dienste thätig gewesen. Nachdem der Krieg zu Ende und die Beziehungen zwischen Oesterreich und Frankreich wieder friedliche geworden waren, erhielt S. den Auftrag zu einer Dienstesrundreise durch den Süden Frankreichs und durch Algier zur Erstattung geeigneter Vorschläge zur Reorganisation des Consulardienstes in Nordafrika, welche Mission S. mit gewohnter Umsicht und den besten Erfolgen vollführt hat. In der zweiten Hälfte des Jahres 1861 wurde S. von [311] der kais. Regierung zum ersten Commissär für die im Jahre 1862 in London stattfindende Weltausstellung ernannt und mit den Bearbeitungen und der Durchführung der Betheiligung Oesterreichs an diesem Wettkampfe aller Nationen betraut. Die kön. großbritannische Regierungs-Commission der Ausstellung ernannte ihn zum Präsidenten der 4. Classe der internationalen Jury. Nach dem Schlusse der Weltausstellung in London hatten die österreichischen Aussteller eine Geldsammlung eingeleitet, in der Absicht, ihm „als Zeichen dankbarer Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste um die österreichische Industrie, sowie für die energische und wirksame Vertretung ihrer Interessen in London ein Ehrengeschenk zu widmen“. S. lehnte diese Ehrengabe ab mit der Bitte, die zu dem eben erwähnten Behufe verfügbaren Subscriptionsbeträge zu capitalisiren und die Zinsen zur Förderung der österreichischen Industrie zu verwenden. Er errichtete in Folge dessen für immerwährende Zeiten eine Stiftung, deren Zweck erreicht werde erstens: „durch Verleihung von Reisestipendien an talentvolle, strebsame, unbemittelte österreichische Staatsbürger, gleichviel welcher Nationalität, welchem Kronlande, welcher Religion und welchem Gewerbe und Kunstgewerbe angehörig; zweitens durch Gewährung von unverzinslichen Vorschüssen zur selbstständigen Etablirung an die aus dem Auslande zurückkehrenden Stipendiaten“. Dieser Stiftung wurde laut Stiftbrief vom 11. August 1864 der Name „Schwarz-Stiftung“ beigelegt und deren Verwaltung in Folge seines Wunsches von der Handels- und Gewerbekammer in Wien übernommen. Im Jahre 1870, in welchem die Stiftung bereits das Capital von 17.000 fl. erreichte, kam dieselbe zum ersten Male in Verwendung. Im Jahre 1866 hatte S. aus Anlaß des zwischen Oesterreich und Preußen ausgebrochenen Krieges zu Gunsten der in diesem Kriege verwundeten und arbeitsunfähig gewordenen Soldaten der österreichischen Armee – er hatte im Jahre 1859 ein Gleiches gethan – eine höchst erfolgreiche Sammlung von Geldbeiträgen in Frankreich veranstaltet. Für diese humanen Bestrebungen wurde ihm von der europäischen Conference des Sociétés de Secours aux militaires blessés des armes de la terre et de mer, welche im Jahre 1867 in Paris zusammengetreten war, die silberne Medaille zuerkannt. In der Zeit von 1860 bis 1866 zu öfteren Malen, und zwar in den Jahren 1861, 1863, 1865 und 1866 von der kaiserlichen Regierung nach Wien berufen, um in volkswirthschaftlichen und staatswissenschaftlichen Fragen seine Ansichten und Erfahrungen mit in die Wagschale zu legen, wurde er im letztgenannten Jahre mit den Voreinleitungen zu den am 11. December g. J. zwischen Oesterreich und Frankreich abgeschlossenen fünf Staatsverträgen betraut, aber ihm bereits zu Anfang dieses Jahres, am 1. Februar, Titel, Rang und Charakter eines k. k. Ministerialrathes verliehen. Als der vor Jahren gefaßte, dann aufgegebene und wieder aufgenommene Gedanke einer Weltausstellung in Wien für das Jahr 1873 der Verwirklichung entgegenreifte und man nur noch den Mann suchte, der der Leitung eines solchen riesenhaften Organismus gewachsen war, da gab es kein langes Suchen, der vielbewährte, sachkundige, erfahrene Ausstellungsmann Herr von Schwarz war der einzig mögliche. Noch während der Belagerung von Paris war Schwarz zum Leiter der Wiener [312] Weltausstellung auserwählt worden. Sobald die Ordnung in Paris – es hatte die Commune die Greuel der Neunziger-Jahre um das Zehnfache überboten – hergestellt war, eilte S., dem Rufe des Monarchen folgend, nach Wien. Nachdem die von ihm gestellten Bedingungen genehmigt worden, erfolgte im August 1871 seine definitive Ernennung zum Leiter der Wiener Weltausstellung. Die Presse dieser Periode, von August 1871 bis Ende 1873, gibt ausführliche Nachricht über die Thätigkeit des General-Directors. Sie böte mit dem verdienten Lobe, das ihm wurde, und mit dem hämischen Tadel, der ihn meist unverdient traf, Stoff zu einem stattlichen Folianten. Freilich hatte S. die ihm bewilligten 6 oder 7 Millionen um ein Gewaltiges überschritten und es wurden zuletzt 17 Millionen verausgabt. Aber S. hatte dann auch dafür die Maßnahmen eines planlosen Regimes in bitterster Weise zu erdulden. Nachdem man die Millionen verausgabt und die erwarteten Einnahmen ausgeblieben waren, da mit einem Male war das Mißtrauen gegen die Administrationstalente des Leiters erwacht, und nun erst, nachdem man ihn controlelos 17 Millionen hatte ausgeben lassen, hatte man ihm, an dessen Rufe kein Makel haftet, eine Regierungs-Commission an die Seite gesetzt, welche die Verausgabung der paar Gulden, die noch zur Verfügung waren, in verletzender Weise zu controliren hatte! Und jetzt zeigte sich der unsterbliche Byzantinismus in seiner ganzen Scheußlichkeit. Die talentlosen, beutegierigen Satrapen, die bisher nicht genug Athem schöpfen konnten, um für ihn in die Posaune zu stoßen, und darunter die Hauptträger seiner Reclame, kehrten dem unter Sequester gestellten Manne nunmehr den Rücken. Und nun erschien S., der von einer wenig umsichtigen Gebarung mit den Millionen nicht ganz freizusprechen, wenn er auch durch den Drang der Verhältnisse gar leicht zu entschuldigen ist, in einer Art Märtyrerlicht, und wenn es vorher an viel Opposition nicht fehlte, wendeten sich ihm nun die Sympathien des Publicums so warm und allgemein zu, daß es fast, wie Jemand treffend bemerkte, den Charakter einer öffentlichen Stimmung mit einem Anklange von politischer Färbung erhielt. Nun aber, die Ausstellung war in’s Werk gesetzt worden und hatte trotz alledem und alledem alle bisherigen weit überholt. Freilich hatte sie durch die gerade zur Zeit ihrer Eröffnung eingetretene Geldkrisis einen furchtbaren Stoß erlitten, denn unter anderen Umständen wäre sie sonst ein unvergleichliches Völkerfest geworden. Als sie am 2. November geschlossen worden, veröffentlichte das „Journal von St. Petersburg“ das folgende, ihr von Wien eingesandte Parte: „M. de Schwarz-Senborn a l’honneur de vous faire part de la perte douloureuse, qu’il vient de faire en la personne de l’Exposition universelle, sa fille unique, décédée à l’àge de six mois le 2 Novembre 1873 à cinq heures après-midi, sans tambour ni trompette. „Payez pur elle. Ist doch in den Worten: „sa fille unique“ und „payez pour elle“ für beide Theile, den Ausstellungsleiter und das Publicum, Alles gesagt. Denn, wahrhaftig, die Ausstellung war S.’s einzige Tochter, und nun „zahlt für sie“ ist nach den 15 Millionen, die man verausgabt, auch eine genug bittere Wahrheit. Einige Monate nach der Ausstellung, um die Mitte des Jahres 1874, wurde S. zum Gesandten in den Vereinigten Staaten ernannt und hatte derselbe [313] im September 1874 in Washington sein Amt angetreten. Die in New-York täglich erscheinende illustrirte Zeitung: „The Daily Graphic“ brachte als Willkommgruß Bildniß und Lebensskizze des New Austrian Minister to the United States. Aber nicht lange verblieb S. auf diesem Posten. Schon zu Anfang des Jahres 1875 hatte er, wie es heißt, aus rein privaten Gründen um Enthebung von seinem Posten in Washington und um anderweitige Verwendung nachgesucht. Man sprach damals, als eben durch den Rücktritt des Handelsministers v. Banhans dessen Portefeuille erledigt war, viel von einer Candidatur S.’s für diesen Posten, um den er sich aber in der That nie beworben. S. wurde auch von seinem Posten abberufen und verweilt zur Zeit in Wien, wo er in jüngster Zeit, 29. März 1876, in der Section „Austria“ des deutschen und österreichischen Alpenvereins „über den Fremdenverkehr der Schweiz im Vergleiche zu jenem der österreichischen Alpenländer“ sprach. Daß S.’s unbestreitbare große Verdienste in den verschiedenen Stellungen, die er bekleidet, theils durch Auszeichnungen ah. Orts und der einzelnen Monarchen, theils durch verschiedene wissenschaftliche Vereine, welche ihn in den Schooß ihrer Mitglieder aufnahmen, gewürdigt worden, versteht sich wohl von selbst. Seines in hierarchischen Kreisen sonst nur bei Protectionskindern vorkommenden raschen, von S. durch seine ungewöhnlichen Leistungen verdienten Avancements wurde bereits gedacht. Schon im Jahre 1850 erhielt er den sächsischen Civil-Verdienstorden, im Jahre 1855 das Ritterkreuz der Ehrenlegion, 1858 den bayerischen St. Michael-Orden, mit ah. Entschließung vom 16. Jänner 1860 den Orden der eisernen Krone 3. Classe, worauf er noch im December d. J. statutengemäß in den erbländischen Ritterstand erhoben wurde; nun folgten in kurzen Zwischenräumen Commandeurkreuze der Regierungen von Württemberg, Hessen, Hannover, Spanien, die Verleihung des Comthurkreuzes des kais. österreichischen Franz Joseph-Ordens, mit ah. Cabinetschreiben vom 2. November 1867 die Verleihung des Ordens der eisernen Krone 2. Classe, in Folge dessen 1869 die Erhebung in den Freiherrnstand, und im Jahre 1871 zugleich mit seiner Ernennung zum General-Director der Wiener Weltausstellung die Verleihung der geheimen Rathswürde. Nicht zu zählen sind die Corporationen, welche S. bald die Ehren-, bald die wirkliche Mitgliedschaft verliehen, so seien nur genannt: die Society of arts and manufactures in London, die Genossenschaft der bildenden Künstler in Wien, das kais. Museum für Kunst und Industrie in Wien, die k. k. geographische Gesellschaft, die k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft ebenda, der Gewerbeverein in Hannover, die Société d’encouragement pour l’industrie nationale in Paris, die Société impériale des sciences in Cherbourg und viele andere. Es ist in der That auch ein reiches, in mannigfachsten Richtungen auf das Ersprießlichste thätiges und Oesterreichs materielle Interessen auf das Entschiedenste wahrnehmendes Menschenleben. Seine Thätigkeit während der Ausstellungen in London und Paris – man vergleiche nur den Local-Anzeiger Nr. 32 zur „Presse“ vom 2. Februar 1868, im Aufsatze: „Neue Geheimnisse von Paris“ – ist allgemein anerkannt. Vornehmlich er war es, welcher die Aufmerksamkeit der Jury auf die österreichischen Erzeugnisse lenkte und ihnen zu jenen Siegen verhalf, die ihnen [314] bei der herrschenden Völkereifersüchtelei und dem beschränkten „Unterthanenverstande“ so vieler Jurors, trotz ihrer gerechten Ansprüche darauf, denn doch nicht geworden wäre. Es ist eine von der öffentlichen Meinung anerkannte und laut ausgesprochene Thatsache, daß S. in der Pariser Ausstellung des Jahres 1867, obwohl er damals keine officielle Stellung bei der Ausstellung bekleidete, den Industriellen in Paris allein mehr und wichtigere Dienste geleistet, als die officiellen Ausstellungsbeamten zusammengenommen. Und endlich die Wiener Weltausstellung 1873! Die Stimmen sind getheilt, ob die Kosten derselben den mit ihr erreichten Nutzen aufwiegen? Den bisherigen gewiß nicht. Aber die Folgen solcher Bildungsmittel wie einer Ausstellung reichen über Jahrzehnde hinaus. Und gewiß sind diese 17 Millionen nicht weggeworfen. Die Frage, ob nicht mit geringerer Summe dieselben Resultate erreicht worden wären? ist nach der fertigen Thatsache eine zwecklose. Nur so viel steht fest, daß ohne Herrn von Schwarz eine Wiener Weltausstellung 1873, welche alle bisherigen in Schatten stellte, nicht möglich gewesen wäre. Und an den Mißerfolgen der Ausstellung haben die freundnachbarlichen Intriguen und die von Manchem wohl längst geahnte, aber über Erwarten früher hereingebrochene, unter dem historischen Namen der „Wiener Krach“ bekannte Geldkrisis, aber nicht Herr von Schwarz Schuld.

Ritterstands-Diplom für Wilhelm von Schwarz ddo. Wien 15. December 1860. – Freiherrnstands-Diplom für Wilhelm Ritter Schwarz von Senborn ddo. 22. Juli 1869. – Die Zahl per Blätter und Broschüren, welche Nachrichten über den Tageshelden der Wiener Weltausstellung des Jahres 1873 und Notizen über sein Leben mittheilen, ist Legion; ebenso auch jene der Bildnisse; nur ein Blatt – und darüber war wohl Baron Schwarz keinen Augenblick beunruhigt – die Leipziger „Gartenlaube“, schwieg demonstrativ über die Ausstellung und über Baron Schwarz. Aus der großen Menge dieser Journale und Zeitschriften, welche vor mir liegen, nehme ich nur jene hier auf, welche entweder der Berichtigung bedürfen oder Daten enthalten, oder welche von anderen Mittheilungen desselben Inhalts abweichen, oder sonst von einem anderen Gesichtspuncte aus Erwähnung verdienen. – Allgemeine Familien-Zeitung (Stuttgart, Herm. Schönlein, kl. Fol.) V. Jahrg. (1873), S. 407. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1873, Beilage Nr. 149 u 207: „Wien im Jahre 1873. III.“, von M. D. [ein der Ausstellung überhaupt und ihrem Chef nichts weniger als günstiger, aber im Ganzen höchst beachtenswerther Artikel]. – Biographisches Lexikon der Wiener Weltausstellung. Herausgegeben von Engel und Rotter, redigirt von Heinrich Frauberger (Wien [1873], Karl Fromme, gr. 8°.) Bd. I, S. 103. – Gaiger (Isidor), Wiener humoristisches Jahrbuch für das Weltausstellungsjahr 1873 (Wien, L. Rosner, 8°.) VIII. Jahrg. S. 133 u. f. [mit Holzschnitt-Bildniß auf S. 133; besser als dieses ist die auf dem Umschlage von C. A.(ngerer) geschnittene Vignette mit der Unterschrift: „Der Generalkoch: Superbe Torte! bon appetit, meine ’Errschaften“, welche den Baron in der Tracht eines Kochs darstellt, wie er die als Torte gezeichnete Rotunde des Ausstellungspalastes präsentirt]. – Illustrirte Welt (Stuttgart, Eduard Hallberger, gr. 4°.) XXI. Band (1873), Nr. 17, S. 227. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) XXXIX. Bd. (1862), Nr. 1013. S. 381: „Dr. Wilhelm Ritter von Schwarz“. – Presse (Wiener politisches Blatt) 1861, Nr. 267, im Feuilleton: „Pariser Briefe“, von Friedrich Uhl; – dieselbe 1868, in Nr. 32 des Local-Anzeigers: „Neue Geheimnisse von Paris“ [sehr interessant]. – Ueber Land und Meer. Allgemeine illustrirte Zeitung (Stuttgart, Ed. Hallberger, kl. Fol.) XXIX. Band (1873), S. 63. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) 1862, S. 182 [mit ziemlich ähnlichem, nach einer Photographie ausgeführten Holzschnitt-Bildniß auf S. 185]. – Porträte. 1) Gezeichnet von Carlo, in den „Illustrirten politischen Blättern des Floh“ 1873, Nr. 26 (10) (Fol.); – 2) gezeichnet von Klič 1873, [315] in den „Humoristischen Blättern“ von K. Klič 1873, Nr. 11 (Fol.) [das ähnlichste Bildniß]; – 3) nach einer Photographie von A. N.(eumann) im trefflichen Holzschnitt und sehr ähnlich, in der Leipziger Illustrirten Zeitung. XXXIX. Bd. (1862), S. 380; – 4) gez. von C. v. Stur, in der „Bombe“ vom 9. Februar 1873, Nr. 7; – 5) nach einer Photographie gez. von C. Kolb, in der „Allgemeinen Familien-Zeitung“ 1873, S. 403; – 6) Holzschnitt von R. Hempel, in den Wiener „Illustrirten Plaudereien“ 1872, S. 88; – 7) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen, im „Wiener Salonblatt“ 1873, Nr. 18; – 8) gezeichnet von Schubert, in Holz geschnitten von Stahl, in der „Illustrirten Welt“ 1873 (21. Jahrgang), S. 2253. – Außerdem eine Unzahl von Holzschnitt-Bildnissen, mehr oder weniger ähnlich, in den meisten illustrirten Unterhaltungsblättern der Gegenwart. Wie es sich leicht begreift, war Baron Schwarz den Chargenzeichnern und Caricaturisten in der Zeit seines Glanzes und in jener seines Falles ein unerschöpfliches Thema. Herausgeber dieses besitzt wohl selbst an die 30 Blätter mit Spottbildern auf den General-Director der 1873er Weltausstellung, aus welchen besonders erwähnenswerth sind: im Kikeriki 1872, Nr. 25: „Schrecklicher Traum des großen Hausiererfeindes Baron Schwarz“; – derselbe 1873, Nr. 26: „Ob Baron Schwarz wohl im Stande sein wird, mit der „Neuen Presse“ alle seine Blößen zu bedecken?“ – Klič’s Humoristische Blätter 1873, Nr. 12: „Das welterschütterndste Weltereigniß der Welt (nach einem spanischen Wandgemälde von Kaulbach, verbessert von K. Klič)“; – Floh 1873, Nr. 43: „Wie Baron Schwarz verschmerzt, oder wie dem Director der Weltausstellung durch Aufsetzung eines administrationsräthlichen Löschhütchens die Omnipotenz ausgeblasen wird“ (von Demare); – derselbe 1873, Nr. 44: „Metamorphosen „weitgehender Vollmachten“ 1873. Im Lenz (Zeitungsnachricht): Se. Excellenz Baron Schwarz hat die weitest gehenden Vollmachten erhalten. Im Sommer (Zeitungsnachricht): Dem Baron Schwarz wurde ein Administrationsrath beigegeben, welcher die weitest gehenden Vollmachten erhielt. Im Herbst: Alsdann, „Herr Schwarz, haben Sie jetzt die Vollmacht erhalten, weiter zu gehen“; – Neuer freier Kikeriki (Wien, Fol.) 1873, Nr. 18: „Kaiser Nero (Baron Schwarz). Nach Wilhelm Kaulbach’s berühmtem Gemälde“ (gr. Fol.). Von Bichler. – Wappen. Quadrirter Schild mit schwarzer Einfassung, die mit acht silbernen Sternen und ebenso vielen auffliegenden Bienen abgewechselt derart belegt ist, daß im Hauptrande von den ersteren drei, von den letzteren zwei vorkommen. 1: in von Roth und Gold längsgetheiltem Felde ein schwarzer Adler mit ausgeschlagener rother Zunge; 2: in Blau eine auf einem Erdglobus sitzende natürliche Eule, welche von einer aus dem rechten Oberwinkel hervorbrechenden goldenen Strahlensonne beschienen ist; 3: in Blau ein Zinnenthurm aus Silberquadern, besteckt mit einem goldenen Kreuz, mit zwei über einer schwarzen Thoröffnung neben einander befindlichen Schießscharten. Der Thurm steht auf grünem Rasen, welcher einen aus dem Fußrande schroff aufsteigenden braunen Felsenberg überdeckt, dessen Fuße eine silberne Quelle einwärts entströmt; 4: in Gold ein goldener rothbezungter Löwe, der in der rechten Vorderpranke, ein vierfaches grünes Kleeblatt vor sich hält. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, welche drei gekrönte Turnierhelme trägt. Auf der Krone des mittleren, in’s Visir gestellten Helms erhebt sich ein schwarzer rothbezungter Adler. Aus der Krone des rechten Helms wächst ein goldener rothbezungter Löwe, mit dem vorbeschriebenen Kleeblatte in der linken Vorderpranke, einwärts gekehrt, hervor. Die Krone des linken Helms trägt einen Globus, auf welchem die natürliche Eule von 2 sitzt. Die Helmdecken des mittleren Helms sind rechts roth, links schwarz, beiderseits mit Gold unterlegt; jene des rechten Helms roth mit Gold, jene des linken blau mit Silber unterlegt. Schildhalter: zwei gegengekehrte goldene rothbezungte Greife, auf golden Arabeske stehend, welche ein rothes Band trägt, worauf die Devise in goldener Lapidarschrift: „Scientia et laboro“.