BLKÖ:Selliers de Moranville, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 34 (1877), ab Seite: 66. (Quelle)
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Selliers de Moranville, Ludwig (Schriftsteller, Geburts- und Sterbejahr unbekannt), Zeitgenoß. Allem Anscheine nach einer belgischen Familie angehörend, welche nach dem Abfall Belgiens von Oesterreich, ihrem angestammten Kaiserhause treu geblieben und nach Wien übersiedelt war. Ein Sellier erscheint übrigens schon im Jahre 1728 in Gemeinschaft mit Borosino als Director des Kärnthnerthortheaters, auf welches er mit seinem Collegen ein zwanzigjähriges Privilegium erhalten hatte. Mit demselben gemeinschaftlich bis 1742 die Direction führend, leitete er es von 1742 bis 1751 allein. Als im Jahre 1741 das auf dem Michaelerplatze gelegene Hofballhaus nach einem Plane Weiskern’s in ein neues Theater umgewandelt wurde, worin deutsche Schauspieler deutsche Stücke spielten, führte Selliers auch die Direction desselben. Ob dieser Sellier und obiger Selliers de Moranville einer Familie angehören, möge dahingestellt bleiben. Die Geburt unseres Ludwig Selliers fällt wohl in den Anfang des laufenden Jahrhunderts, er studirte in Wien und trat nach beendigten rechtswissenschaftlichen Studien als Conceptspraktikant bei dem damaligen k. k. Hofkriegsrathe, heute Kriegsministerium, in den Staatsdienst, welche Stelle er aber später. 1838, mit jener eines Amanuensis bei der k. k. Hofbibliothek in Wien vertauschte, wo er im Jahre 1843 zweiter, im folgenden erster Amanuensis wurde. (Zur selben Zeit diente ein Ludwig Chev. Selliers de Moranville als Oberlieutenant im 1. Jäger-Bataillon.) Ein Freund der Kunst, war es vornehmlich seine Absicht, im Kupferstichcabinet der Hofbibliothek Verwendung zu finden; an demselben war aber zu jener Zeit Friedrich Ritter v. Bartsch, Sohn des berühmten Adam v. Bartsch, beschäftigt, der dasselbe als seine ausschließliche Domäne zu betrachten liebte, zu dem den Zutritt sich zu erobern schwer, wenn nicht gar unmöglich war, wie es Herausgeber dieses Lexikons in wiederholten Fällen selbst erfahren hatte. Selliers, als er nicht jene Verwendung fand, die er erwartet und überdieß seine schwankende Gesundheit die Beschäftigung in den [67] kalten Bibliotheksräumen nicht vertrug, gab seinen Dienst auf, trat aus und mit einer Wiener Kunsthandlung in Verbindung. Später war er verschollen und nachdem er das ganze Leid einer unglücklichen, glücklicherweise kinderlosen Ehe ertragen, gestorben. Von seinen künstlerischen und literarischen Leistungen sind anzuführen: ein „Album“, welches die Beamten der Wiener Hofbibliothek zur Feier des 19. Februar 1845, als des 70. Geburtstages des Grafen Moriz von Dietrichstein ..., Präfecten der Hofbibliothek, herausgegeben, und das als Manuscript gedruckt in Wien bei A. Pichler’s sel. Witwe erschien und die von S. veröffentlichten: „Quattro Sonetti inediti di Gentiluomini Veneziani cavati da un Ms. della collez. Foscarini ora servato alla J. R. Biblioteca di Coete“; – auch lieferte S. die Verzierungen des Umschlages obigen Albums und am Schlusse das Nachbild des von dem Grafen für die Hofbibliothek erworbenen ersten Niellopapier-Abdruckes, darstellend eine Apotheose des Niello Peregrini da Cesena. Außerdem erschienen von S., der sich mit der Naturgeschichte der Vögel und mit italienischer Literatur beschäftigte: „Die Vögel Europa’s. Eine systematische Uebersicht der synonymen Gattungen und der einzelnen Arten, nach ihrer natürlichen Verwandtschaft zusammengestellt“ (Wien 1844, Kaulfuß, Witwe Prandel und Comp., 8°.), und „Ruine antiche ossia poesie liriche italiane de secoli XIII, XIV e XV“ (Vienna 1845, 4°.). –