BLKÖ:Slawik, Rudolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Slawik, Anton (Sohn)
Band: 35 (1877), ab Seite: 137. (Quelle)
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Ueber den vierten und jüngsten Bruder, Rudolph, siehe die besondere Lebensskizze.

Slawik, Rudolph (Tonsetzer, geb. zu Hořovic 29. April 1823). Der jüngste Bruder des berühmten Geigen-Virtuosen Joseph [S. 133]. Da er großes Talent für Musik zeigte, unterrichtete ihn sein Vater frühzeitig im Gesang, Violin- und Pianospiel. Nun kam er als Sängerknabe in das Kloster der Kreuzherren mit dem rothen Stern nach Prag und 1836 in das Prager Conservatorium. Daselbst war Pixis, der auch seinen Bruder Joseph unterrichtet hatte, sein Lehrer. Nach dreijährigem Lehrcurse im Conservatorium trat er 1839 bei dem Prager Theater-Orchester ein. Von 1840 an gab er Concerte in seiner Vaterstadt, in Brandeis, Pilsen, Przibram, begab sich dann nach Ungarn, wo er gleichfalls mit Erfolg concertirte und dann zu Pesth Orchester-Director wurde. Im Jahre 1844 ging er nach Rußland, dort brachte er das erste Jahr als Musiklehrer bei einem vornehmen Russen zu, ging darauf im August 1845 nach Moskau, wo er, wie später in Zytomiř, Kiew, mit Erfolg Concerte gab. In Moskau wurde er mit dem Capellmeister der kaiserlichen Oper, dem berühmten Johannis (gestorben und begraben in Traunkirchen bei Gmunden), der einst ein Freund seines Bruders Joseph gewesen, bekannt, und über dessen Verwendung wurde er als erster Violinspieler am Theater-Orchester angestellt und später Vice-Capellmeister an demselben. Zugleich übernahm er die Chormeister- und Organistenstelle an der polnischen und deutschen Kirche zu St. Peter und Paul in Moskau, wo er zur Zeit noch sich befindet und von dort öfter seine Heimat besucht. Als Compositeur ist S. seit früher Zeit ungemein fleißig gewesen, so hatte er noch als Schüler des Prager Conservatoriums eine große Cantate: „Des Heilands erste Stunde“, Text von Peter Houda, dann mehrere Quartetten, einige Lieder mit Pianobegleitung und eine Phantasie über das Volkslied: „Spi má zlatá“ (Mein Goldchen schläft) componirt. Später in Rußland häuften sich seine Arbeiten, deren größter Theil in der Moskauer kaiserlichen Theaterdruckerei erschienen ist. Davon sind anzuführen: eine Symphonie, für großes Orchester; – „Ouverture in D-moll“; – „Ouverture in C-dur“; – die Musik zu dem Drama: „Johann Palm“ – zu dem Ballet: „Maler und Modistin“; – eine Messe, für vier Singstimmen mit Orgelbegleitung; – Phantasie über ein ungarisches Thema, für die Violine; – „Der Carneval von Moskau“, nach einem russischen Thema; – mehrere čechische Lieder, einige russische, polnische, französische und deutsche Romanzen. Für das Ballet componirte er zahlreiche ungarische, deutsche Tänze, dann Polka’s und andere Tänze, wie sie im Ballet vorkommen, für die Fanni Elßler, Nadesda Bogdanow, Sankowska u. A. Schließlich ist seiner Orchestrirung der russischen Oper: „Zapoden“ von dem Fürsten Wzazemskyi, welche in St. Petersburg aufgeführt wurde, zu gedenken.

Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. [138] Rieger und J. Malý (Prag 1872, Kober, Lex.-8°.) Bd. VIII, S. 526.