BLKÖ:Sonnenburg, Franz Anton Berthold Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 35 (1877), ab Seite: 314. (Quelle)
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Sonnenburg, Franz Anton Berthold Freiherr von (Pfleger zu Lofer, Chef der salzburgischen Landesvertheidigung in den Jahren 1797, 1800 und 1805, geb. zu St. Gilgen im Salzburgischen 14. März 1749, gest. zu Salzburg am 14. Mär 1809). Zuletzt bekleidete S. die Stelle eines Mauth- und Hofbrauamts-Inspectors zu Lofer, seit 31. Mai 1790 die eines erzbischöflichen Pflegers, auch war er noch Truchseß. Um die Landesvertheidigung Salzburg’s in den Kriegsjahren zu Ende des vorigen und zu Anbeginn des laufenden Jahrhunderts hat er sich bleibende Verdienste erworben. Schon im Jahre 1797 war er eine Haupttriebfeder der mit Tirol gemeinsamen Landesvertheidigungs-Verbindung, für welche Salzburg 18 Schützen- und 26 Compagnien à zu 108, im Ganzen 4752 Mann aufstellte. Im Jahre 1800 leitete er vom 11. bis 31. December die Errichtung der Landesvertheidigung, wurde auf dem Schützen-Congreß zu Zell am See im Pinzgau zum Obercommandanten erwählt und von dem commandirenden General Feldmarschall-Lieutenant Baron Hiller in Tirol, mit dem er in der engsten Verbindung stand, als Schützen-Major bestätigt. Vierzehn salzburgische Schützen-Compagnien hatten an dem Kampfe am 24. December 1800, theilgenommen und sämmtliche Angriffe der Franzosen auf den Botenbühl an der Tirolerstraße wurden zurückgeschlagen. Tausend Mann betrug der Verlust derselben. In Folge dessen wurde S. unter dem 2. Juni 1801 durch Erzherzog Karl die ah. Zufriedenheit Sr. Majestät des Kaisers und ihm mit 9. September 1801 durch Erzherzog Karl bekannt gegeben, daß der Erzherzog sich bei dem Landesfürsten, Erzbischof Hieronymus Colloredo, verwendet habe, ihm die Bewilligung zu ertheilen, daß er die Tiroler Schützen-Uniform auch noch ferners tragen dürfe. Energische Thätigkeit entfaltete S. im Jahre 1805, als der Kriegsschauplatz sich wieder salzburgischen Thälern nahte. Den k. k. Oberst Marziani unterstützte S. nicht nur reichlich mit Kundschaftsnachrichten über Stärke, Stellung und Absichten des Feindes, er war ihm auch bei seiner Ortskenntniß [315] in der Aufstellung der Vorposten behilflich. Aber der Angriff des aus Franzosen und Bayern zusammengesetzten Feindes, der am 1. November 1805 auf denselben Botenbühl, der im Jahre 1800 nicht eingenommen werden konnte, stattgefunden hatte, fiel für die Salzburger unglücklich aus. Botenbühl wurde umgangen und fiel in die Hände des Feindes. Noch am nämlichen Tage rückten die vereinten Franzosen und Bayern bis Lofer vor und Sonnenburg, der Pfleger daselbst, der nicht mehr Zeit gefunden, den Oesterreichern nach Tirol zu folgen, wurde, als österreichisch gesinnt, von dem bayerischen General Deroy verhaftet und nach Reichenhall gebracht. Die brutalen Mißhandlungen, welche Sonnenburg während seiner Haft zu erdulden hatte, wie er dann aus bayerischer Haft in französische überging, drei Tage lang ohne Nahrung gelassen wurde, erzählt Schallhammer in seinem Werke: „Kriegerische Ereignisse des Herzogthums Salzburg“ ganz ausführlich. Am 5. November endlich sollte er erschossen werden und nur den energischen Vorstellungen des kurfürstlichen Ministers Manfredini gelang es, daß Sonnenburg dem ordentlichen Militärgerichte zur Aburtheilung übergeben wurde. Er wurde nun nach Traunstein escortirt und dort die Untersuchung fortgesetzt. Obgleich durch den Friedensschluß von Preßburg am 26. December 1805 das bisherige Kurfürstenthum Salzburg als Herzogthum dem Kaiserstaate Oesterreich einverleibt wurde, erfolgte doch das Urtheil Sonnenburg’s erst am 23. März 1806 und obgleich ihm nach fünfmonatlicher Haft sein verübtes Vergehen in Gnaden nachgesehen wurde, hatte er doch an Gerichtskosten die enorme Summe von 1005 fl. zu bezahlen, welche er, da er vermögenslos war, erst aufnehmen mußte, worauf er erst, nachdem er sie am 2. April 1806 erlegte, auf freien Fuß gesetzt wurde. In Folge der in der Haft erlittenen Mißhandlungen mußte S. in den Ruhestand übertreten, der ihm auch von Sr. Majestät dem Kaiser 1807 mit dem Gehalte jährlicher 1500 fl. gewährt wurde. Nicht lange sollte er denselben genießen, denn schon am 14. März 1809 raffte ihn, da seine Gesundheit sehr geschwächt war, der Tod dahin. Er wurde zu St. Sebastian bestattet, da aber im Jahre 1818 der Stadttheil, wo St. Sebastian lag, durch Feuer verheert wurde, wurden bei Gelegenheit, als seine älteste Tochter im Jahre 1823 starb, seine Ueberreste nach dem Friedhofe von St. Peter, wo seine Tochter beigesetzt wurde, überbracht. Eine Votivtafel in der Wallfahrtskirche zu Kirchenthal nächst Lofer gibt Nachricht von dem heldenmüthigen Kampfe der Landesvertheidiger mit den Franzosen am 24. December 1800. Neben dem Votivbilde steht unter dem Namen des Obercommandanten Berthold von Sonnenburg der vollständige Bericht über den Kampf, den Schallhammer in dem unten genannten Werke wörtlich mittheilt.

Schallhammer (Ant. Ritt. v.), Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809 (Salzburg 1853, Mayer, gr. 8°.). S. 310.