BLKÖ:Spaur, Ludwig Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Spaur, Karl Graf
Band: 36 (1878), ab Seite: 112. (Quelle)
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Spaur, Ludwig Graf (Mönch, geb. zu Innsbruck 12. October 1812, gest. zu Maria-Zell in Steiermark 6. Juli 1853). Vom ersten Ast der ersten Hauptlinie; ein Sohn des Grafen und k. k. Oberstlieutenants Karl Wilhelm Julius, aus dessen Ehe mit Philippine Gräfin Thurn und Taxis [s. Stammtafel 2]. König Ludwig I. von Bayern hob den Grafen aus der Taufe. Die Studien machte derselbe zu Innsbruck und München, darauf trat er in das Seminarium zu Passau, wo er im Jahre 1835 die Priesterweihe empfing, und nun über seine Bitte als Wallfahrts-Priester an dem berühmten Gnadenorte Altötting, den damals noch der Secular-Klerus versah, angestellt wurde. In dieser Anstellung wirkte S. im Predigtamte und im Beichtstuhle. Nach einiger Zeit jedoch fühlte er in sich den Drang nach gänzlicher Zurückgezogenheit, ohne jedoch in einen bestimmten geistlichen Orden treten zu wollen. Aus diesem Anlasse begab er sich 1839 nach Rom, und wohnte dort im Kloster der Minoriten zu den zwölf Aposteln, wo er volle zehn Jahre das stille verborgene und doch so thätige Leben eines Priesters führte, der in Gott seine Mitmenschen mit warmer Liebe umfaßt. Da er ein nicht unbedeutendes Vermögen besaß, seine Bedürfnisse aber äußerst gering waren, so verwendete er Alles für die Armen, welche in Schaaren seine Wohnung umlagerten. Unter solchen Verhältnissen brach das Jahr 1848 herein. Ein Vetter des Priesters, Karl Graf Spaur (s. S. 110), [113] befreite den Papst Pius IX. aus der Gewalt der Aufrührer. Daß unter solchen Umständen das längere Verbleiben des dem Befreier so nahe verwandten Priesters in Rom gefährdet war, bedarf keiner besonderen Auseinandersetzung. So verließ denn auch Graf Ludwig das ihm lieb gewordene Heim in Rom, und begab sich noch im November 1848 nach Neapel, wo er im Kloster der unbeschuhten Karmeliter das Jahr 1849 verlebte. Bei den veränderten politischen Verhältnissen kehrte der Graf nach Rom zurück, aber die Einsamkeit des ihm lieb gewordenen Klosters zu den Zwölf Aposteln konnte er nicht wieder aufsuchen, da das Kloster mittlerweile von den eingerückten französischen Truppen besetzt worden war. Dieß veranlaßte somit den Grafen in die wiederhergestellte Academia ecclesiastica einzutreten, eine Art von Seminar für adelige Priester, in welchem sie zu den höheren Aemtern der päpstlichen Curie vorbereitet werden. Er war in dieses Institut eingetreten, zunächst um überhaupt wieder in einem geregelten geistlichen Hause zu leben, zweitens um dem Wunsche seiner Freunde, die seinen Eintritt in die Dienste der päpstlichen Prälatur wünschten, nachzukommen, wobei er sich jedoch vorher prüfen wollte, ob er sich auch dazu geeignet fühle. Bald aber erkannte der Graf, dem die besondere Gunst des Heiligen Vaters eine glänzende Laufbahn in der Diplomatie eröffnen konnte, daß dieses glänzende geräuschvolle Leben mit seinen innersten Neigungen nicht zusammenstimme. So trat er denn im J. 1852 wieder aus der Anstalt, um sich gänzlich und für immer von der Welt zurückzuziehen. Gerade um diese Zeit sollten nach dem Wunsche des Papstes im Orden der Barmherzigen Brüder der römischen Provinz zwei Reformhäuser neu organisirt, und aus diesen der ganze Orden des heil. Johann von Gott seiner Regeneration, wobei die Einführung der ursprünglichen Ordenssatzungen, welche mit der Zeit manche Veränderungen erfahren hatten, bezweckt wurde, zugeführt werden. Einstweilen wurden in der römischen Provinz die Klöster zu Tivoli und Terracina diesem Zwecke gewidmet, und dem Ordenshause zu Tivoli Pater Clarenzio Maria Obinger, von Geburt auch ein Oesterreicher, durch langjährige Freundschaft mit dem Grafen Spaur auf das innigste verbunden, als Prior vorgesetzt. Kaum war die Sache so weit gediehen, als der Graf den sehnlichsten Wunsch äußerte, im Kloster zu Tivoli in der Eigenschaft eines Convictors Kost und Wohnung zu nehmen. Diese Erlaubniß erfolgte alsbald, und der Graf wurde durch ein Breve des Generals dem Orden gänzlich aggregirt, wodurch er zu dem Orden der Barmherzigen Brüder in ein geistliches Verhältniß trat, wie etwa die Tertiarier in einem geistlichen Verhältnisse mit gewissen Orden stehen. Dort lebte nun der Graf wie der Geringste des Hauses. Sein ganzes Wirken gehörte den Kranken, denen er geistlichen Trost und leibliche Pflege und Sorgfalt widmete. Schon hatte der Graf mehrere Monate im Kloster seine Dienste geleistet, als mit einem Male der Prior, der gedachte Pater Clarenzio, tödtlich erkrankte. Wohl wurde er durch die Bemühungen der Aerzte dem Tode entrissen, aber an eine Uebernahme seines geistlichen Amtes war vorderhand nicht zu denken, vielmehr riethen die Aerzte zu einer Reise, indem sie meinten, das heimathliche Klima könnte den sehr geschwächten Prior noch am ehesten kräftigen. Der Ordensgeneral[114] ertheilte sofort die Erlaubniß, und da es unzulässig war, den schwer Kranken allein reisen zu lassen, erbot sich Graf Spaur seinem Freunde das Geleite zu geben. Am 6. Juni 1853 reiste der Graf mit dem Prior von Rom ab, und ging über Foretto, Ancona, Triest und Laibach nach Gratz, von wo beide einen Ausflug nach Maria-Zell unternahmen, und von wo sie dann nach Wien, der Heimath des Priors Clarenzio, zu reisen gedachten. Am 23. Juni trafen sie in Maria-Zell ein. Das fortwährend üble Wetter auf der ganzen Reise, die Kälte und Nässe auf dem Wege nach Maria-Zell, hatten den Grafen Ludwig sehr angegriffen, so daß er schon leidend in Maria-Zell ankam. Dessenungeachtet ließ sich derselbe in seinen geistlichen Verrichtungen nicht stören, bis ihn das überhandnehmende Leiden aufs Krankenlager warf, von dem er sich nicht mehr erheben sollte, denn ein Nervenfieber hatte ihn nach wenigen Tagen hingerafft. Während seiner Krankheit wollte er seine zeitlichen Angelegenheiten in Ordnung bringen und verfaßte ein gerichtliches Testament, welches, wie sein Biograph Herr D. J. Tosi meint, „allen Priestern zum Muster dienen könnte“. Aus demselben geht hervor, daß der Graf ganz frei von irdischen Banden, nicht an Fleisch und Blut hing, und zu Gunsten der Kirche seine leiblichen, ihm nächststehenden Verwandten, von deren Familie jedoch sein ganzes Vermögen herrührte, überging. Auf seiner Durchreise in Gratz hatte der Graf erfahren, daß es der lebhafte Wunsch des Clerus der Diöcesen von Seckau und Leoben sei, ein Deficientenhaus und Hôtel für dürftige Priester zu errichten, daß aber für diesen Zweck nur erst sehr geringe Mittel vorhanden seien. In Folge dessen traf er nachstehende letztwillige Verfügung: Daß nach Abzug anderer frommer Legate sein sämmtliches Vermögen – es dürften zu dem angegebenen Zwecke immer noch 26–28.000 fl. übrig bleiben – für diese wohlthätige Absicht verwendet werde, wobei er jedoch die ausdrückliche Bedingung stellte, daß diese Stiftung durch die nach der alten Regel lebenden Barmherzigen Brüder in das Leben gerufen und fortwährend geleitet werde. Zum Testaments-Executor hatte der Graf seinen Freund, den Prior Clarenzio, bestellt.

Katholische Blätter aus Tirol. Redigirt von M. Huber (Innsbruck, Wagner, 8°.), I. Jahrg. 1853, Bd. II, Nr. 40, S. 969. „Einige Züge aus dem Leben des Priesters Ludwig Graf von Spaur“. Von D. J. Tosi.