BLKÖ:Stanković, Cornel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Stankovácsi, Leopold
Nächster>>>
Stankovic
Band: 37 (1878), ab Seite: 139. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 124562892, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stanković, Cornel|37|139|}}

Stanković, Cornel (Componist, geb. zu Ofen 21. August 1831, gest. ebenda 17. April 1865). Schon in früher Jugend zeigte S. ungewöhnliche musikalische Anlagen, und als die Eltern [140] sein Talent erkannten, ließen sie ihn im Clavierspiel und Gesang unterrichten. Nachdem er die Gymnasialclassen zu Arad, Szegedin und Pesth beendet, widmete er sich fortan ausschließlich dem musikalischen Studium und ging nach Wien, wo er den Unterricht der besten Musiklehrer, Simon Sechter’s in der Composition, Wilmers’ im Pianospiel, genoß. Zunächst aber richtete er sein Augenmerk auf die serbischen Volkslieder. Eine Sammlung des Textes derselben verdankt man dem serbischen Gelehrten und Forscher Wuk Stephanowitsch Karadschitsch [Bd. X, S. 464], der dieselben bereits in den Jahren 1814 und 1815 in zwei Bänden in Wien herausgegeben hatte. S. sammelte nun die Original-Melodien der serbischen Volkslieder, und zwar ebenso die kirchlichen wie die weltlichen. Er ging dabei mit großer Sorgfalt und mit kritischem Geiste vor, indem er vor Allem bedacht war, die nationalen Melodien in ihrer Volksthümlichkeit und Reinheit zu erhalten oder herzustellen. Außerdem componirte er auch mehrere Originalwerke, darunter Gesänge und Quartetten. Sein Versuch, auch das deutsche musikalische Publicum für diese nationale Musik zu interessiren, scheiterte ganz; denn als er am 1. April 1861 im Musikvereinssaale ein Concert spirituel veranstaltete, berichteten die von dem Fürsten Czartoryski redigirten „Recensionen“ abfällig darüber, indem sie „seinen musikalisch ziemlich werthlosen national-serbischen Choral-Melodien eine fast lediglich liturgische Bedeutung“ einräumten. Im Druck sind von ihm erschienen: „Srbske pjesme“, d. i. Serbische Lieder, 2 Hefte, 54 nationale Gesänge, auf eine Singstimme und Begleitung des Piano, enthaltend; – „Srbske narodne pjesme“, d. i. Serbische Volkslieder (Wien 1861), 30 der schönsten Volkslieder für den Chor mit Pianobegleitung enthaltend; – „Polka“ (Wien 1862, Abbrecht); – „Bugarski Kadril“ (ebenda 1862); – „Bulgaren-Polka“ (ebd. 1863) und „Serben-Quadrille“ (ebd. 1863). Bisher ungedruckt ist geblieben sein Hauptwerk, eine Sammlung der altslovenischen Kirchengesänge, eingerichtet für den Chor und für eine Singstimme, in drei Büchern; ferner seine Liturgie des Johann Chrysostomos und mehrere eigene Werke, Gesänge, einige Messen, nationale Tanzstücke u. d. m. S. wurde für seine Verdienste um die Erhaltung und Hebung der serbischen Nationalmusik von Seiner Majestät mit der goldenen Medaille litteris et artibus ausgezeichnet. Ein früher Tod – im Alter von erst 34 Jahren – raffte den strebsamen Tonkünstler dahin. Er wurde zu Ofen in der Familiengruft beigesetzt.

Kukuljević-Sakcinski (Iván), Slovník umjetnikah jugoslavenskih, d. i. Lexikon der südslavischen Künstler (Agram 1860, Ljud. Gaj, gr. 8°.) S. 426. – Luksic (Abel), Slavische Blätter (Wien, 4°.), 1865, S. 215: „Nekrolog“ [nach diesem gest. am 17. April 1865]. – Agramer-Zeitung, 1865, Nr. 101, unter den Miscellen. – Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, Kober, Lex.-8°.), Bd. VIII, S. 967 [nach diesem gest. 18. April 1865].