BLKÖ:Gaj, Ljudevit

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 58. (Quelle)
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Gaj, Ljudevit (Slavist, geb. zu Krapina in Croatien 1810). Erhielt seine Bildung auf verschiedenen österr. und deutschen Universitäten, wurde in Leipzig Doctor der Rechte und kehrte, als der nationale Aufschwung als Rückschlag der Bewegungen im Norden und Westen Europa’s nach 1830 auch bei den Südslaven zu Tage brach, in seine Heimat zurück. Dort begründete er in slavischer Sprache eine Zeitschrift. Als ihm die ungar. Regierung deren Herausgabe verweigerte, erhielt er die Erlaubniß dazu von Kaiser Franz. Die Sprache der Zeitung war der am meisten ausgebildete serbisch-dalmatische Dialect. Die provinzielle Ortographie wich der gemeinschaftlichen, welche nach Analogie der böhmisch-polnischen mittelst diakritischer[WS 1] Zeichen vereinfacht worden, und an die Stelle der alten schwerfälligen wurden die lateinischen Schriftzeichen, welche das allgemeine Verständniß ungemein erleichterten, gewählt. Die Zeitschrift hieß anfänglich: „Nowine horvazke“, kroat. Neuigkeitsbote, und das unterhaltende Beiblatt: „Danica horvazka“, kroatischer Morgenstern. Schon im nächsten Jahre änderte sie den Titel um und hieß: „Ilirske narodne nowine“, d. i. illyrische Volkszeitung, und das Beiblatt: „Danica ilirska“, illyr. Morgenstern. Seit 1838 erschien das Blatt in gr. Fol. 2mal in der Woche. Um mit Einführung der neu angewandten Schriftsprache entsprechend fortschreiten zu können, erwirkte Gaj von der Regierung die Bewilligung zu einer Druckerei, aus welcher seit dieser Zeit eine Reihe von Schriften hervorging, die theils die wissenschaftliche Begründung [59] der neuen Schriftsprache anstrebten, theils dem geistigen Aufschwunge der Südslaven Gelegenheit darboten, in der Heimat selbst die Ergebnisse desselben zu veröffentlichen. Selbstverständlich war der Einfluß ein mächtiger. Schon 1842 entstand die illyrische landwirtschaftliche Gesellschaft, die im nämlichen Jahre nach dem Muster der „Matice česká“ ein Organ in illyrischer Sprache begründete: die „Matice ilyrska“, welche sich zur Aufgabe machte, die Schriftsteller der Ragusaner Schule des 15.–18. Jahrhunderts herauszugeben, und mit der Ausgabe der Werke des Gundulić aus dem 16. Jahrhundert begann. Endlich bildete sich auch ein National-Damen-Verein, welcher die Herausgabe und Verbreitung belehrender und moralischer Volksschriften über sich nahm. An der Spitze desselben befand sich Pauline Gaj, Ljudevits Gemalin. Diese literarische Wiedergeburt gestaltete sich allmälig so, daß schon im Jahre 1844 die illyrische Nationalzeitung auf Befehl der Regierung zu ihrer einstigen Bezeichnung „kroatisch-slavonische“ zurückkehren mußte. Doch die begonnenen geistigen und literarischen Regungen konnten nicht rückgängig gemacht werden, und auch der Haß war geweckt, den die Südslaven gegen die Magyaren seit dieser Zeit an den Tag legten. Im J. 1848 fand sich Gaj mit einer croatischen Deputation in Wien ein, und erhielt die Ernennung zum kais. Rathe. In den letzten Jahren lebt er von allen öffentlichen Beziehungen fern in Agram, und beschäftigt sich mit dem Sammeln illyrischer Werke, worin er es bereits zu einem sehr ansehnlichen und für den slavischen Sprach- und Geschichtforscher werthvollen Resultate gebracht hat. Als Schriftsteller beschränkt sich Gaj’s Thätigkeit nur auf einige Zeitungsaufsätze.

Jahrbücher für slavische Literatur 1843, S. 15: „Ljudewit Gaj und der Illyrismus.“ – Hamburger literarische und kritische Blätter 1845, Nr. 149, S. 1174: „Ludwig Gaj.“ – Rittersberg, Kapesní slovniček, d. i. Taschenwörterbuch (Prag 1850, kl. 8°.) I. Bd. S. 470. – Neueste Ergänzungen zu Pierer’s Universal-Lexikon (Altenburg 1855, 8°.) S. 334 [berichtet: „Seine Agitation gegen die Magyaren setzte er fort, bewirkte die Beschickung des Slavencongresses in Prag durch südslavische Deputirte. Da er später für seinen Plan auch in Serbien zu wirken suchte, wurde er Ende 1853 in Agram verhaftet und nach Wien gebracht]. – Bibl.-statist. Uebersicht der Liter. des östr. Kaiserstaates. III. Ber. S. 1076. Marg. 35315. – (Brockhaus) Convers.-Lex. (10. Aufl.) VI. Bd. S. 467. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) III. Bd. Suppl. S. 876. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de Mr. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XIX. Bd. Sp. 199.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: diaktrischer.