BLKÖ:Steininger, Karl Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 38 (1879), ab Seite: 99. (Quelle)
[[{{{9}}}|{{{9}}} bei Wikisource]]
Karl von Steininger (General, 1804) in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1036441490, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Steininger, Karl Freiherr|38|99|}}

Steininger, Karl Freiherr (k. k. Feldzeugmeister, geb. zu Wien im Jahre 1804, gest. ebenda 26. Jänner 1867). Sein Vater, Kar von Steininger (geb. zu Netschetin in Böhmen 17. August 1772, gest. zu Orláth in Siebenbürgen 5. October 1841), war auch Soldat, und hatte seine militärische Ausbildung in der Wiener-Neustädter Militär-Akademie erhalten, aus welcher er 1790 als Lieutenant zu Kinsky-Infanterie Nr. 47 ausgemustert worden war. In für die damalige Zeit ungewöhnlich rascher Folge machte er die unteren Officiersgrade durch, wurde bereits 1800 Major, 1805 Oberstlieutenant bei Erzherzog Karl-Infanterie Nr. 3 und 1806 Oberst. In dieser Eigenschaft war er General-Adjutant bei dem Erzherzog Karl, wurde am 15. Februar 1809 General-Major und erscheint unter den Ausgezeichneten in der Schlacht bei Wagram. Zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, wurde er Divisionär in Klagenfurt, erhielt im Jahre 1835 das Stadt- und Festungs-Commando von Venedig und zugleich die geheime Rathswürde. – Sein Sohn Karl erhielt im Jahre 1821, 17 Jahre alt, eine Fähnrichstelle im 9. Linien-Infanterie-Regimente. Im Jahre 1831 wurde er Capitän im 7. Linien-Infanterie-Regimente, 1841 Major im 26. Linien-Infanterie-Regimente, aus welchem er in gleicher Eigenschaft im J. 1843 in das vormalige 2. Romanen-Grenz-Regiment übersetzt wurde. Im J. 1847 wurde er Oberstlieutenant, im J. 1848 Oberst im Oguliner Grenz-Regimente, im October General-Major und im November 1856 Feldmarschall-Lieutenant. In dieser Eigenschaft wurde Steininger im Jahre 1859 General-Inspector der Gendarmerie, von dieser Stelle aber, als im J. 1865 die Reorganisirung der Gendarmerie erfolgte, auf seine eigene Bitte enthoben und zum commandirenden General in Temesvár ernannt. Da die klimatischen Verhältnisse daselbst störend auf seine Gesundheit wirkten, bat er im November 1866 um Enthebung von diesem Posten, [100] welche ihm auch gewährt wurde. Bei der Anfangs December 1866 erfolgten Uebernahme in den Ruhestand erhielt Steininger den Feldzeugmeister-Charakter, starb aber schon wenige Wochen darnach, 63 Jahre alt. In diese 45jährige Dienstzeit fallen manche bemerkenswerthe Momente. Als im Jahre 1848 die Feld-Bataillone des Oguliner Grenz-Regiments nach Italien beordert wurden, blieb Steininger als Oberstlieutenant und Landes-Regimentscommandant im Grenzlande zurück und verstand es, durch Eifer und Energie Ruhe, Ordnung und Sicherheit ungestört zu erhalten; er organisirte später die 3. und 4. Bataillone und das Aufgebot und eilte, zum Obersten ernannt, zur Armee nach Italien, um das Commando des Feld-Regiments zu übernehmen. Neben diesem Commando führte er das Interims-Brigade-Commando durch sechs Monate, wurde mit seinen Truppen auf Vorposten an der Schweizer- und piemontesischen Grenze erfolgreich verwendet und bethätigte sich bei den Expeditionen gegen die Insurgenten, namentlich im Gefechte bei Vercea und bei der Wiederbesetzung von Chiavenna, so umsichtig, daß ihm Feldmarschall Graf Radetzky seine Anerkennung aussprach. Im italienischen Feldzug 1849 war er in der Division Wohlgemuth eingetheilt. An der Spitze seines Grenz-Regimentes nahm er im dreimaligen Sturm die feindlichen Stellungen bei San Siro und La Sforcesca mit besonderer Tapferkeit, und ward hiefür mit dem Militär-Verdienstkreuze und im October 1849 mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet. Später wurde Steininger in verschiedenen Missionen und Anstellungen verwendet; unter die ersteren zählte jene, welche er mit dem Feldzeugmeister Grafen Gyulay nach St. Petersburg unternahm. Im Mai 1856 wurde er zum Commandanten der Bundesfestung Mainz ernannt und zu Neujahr 1857 mit einer Deputation k. k. Officiere an den Hof nach Berlin entsendet. Während seiner Anstellung als Festungscommandant zu Mainz fand die bekannte Katastrophe der Pulverexplosion statt, bei welcher Gelegenheit Steininger seine Anordnungen zur thunlichsten Bewältigung der traurigen Folgen dieses Ereignisses auf das umsichtigste traf. Im März 1858 wurde S. Chef des Präsidialbureaus des bestandenen Armee-Obercommandos. Seine erfolgreiche Thätigkeit in allen diesen vorbenannten Dienstleistungen wurde höchsten Ortes wiederholt anerkannt. Im Juli 1859 erhielt Steininger das Commandeurkreuz des Leopoldordens, welchem zufolge er noch im nämlichen Jahre in den erbländischen Freiherrenstand erhoben wurde, nachdem er bereits im Juni 1851 den Ritterstand erhalten hatte. Seit 29. October war Steininger geheimer Rath und seit Anfang des Jahres 1860 Inhaber des 68. Infanterie-Regiments, heute Rodich. Auch der Kaiser von Rußland, der König von Preußen und der Großherzog von Hessen haben den General mit ihren Decorationen ausgezeichnet.

Der Kamerad (Wiener Soldatenblatt, gr. 4°.) 1867, Nr. 10. – Hoffinger (Joseph Ritter von), Oesterreichische Ehrenhalle. Separat-Abdruck aus dem österreichischen Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1869. (Wien 1869, Seidel und Sohn, gr. 8°.) Band V. 1867, S. 48 [nach diesem geboren im Jahre 1808]. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.), 1866, Nr. 354.