BLKÖ:Steinmayer, Philipp

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 38 (1879), ab Seite: 145. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 100341667, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Steinmayer, Philipp|38|145|}}

Steinmayer, Philipp (gelehrter Jesuit, geb. zu Würzburg in Franken 6. October 1710, gest. am 23. Jänner 1797). Nachdem er in seiner Vaterstadt die Humanitätsclassen beendet, trat er 1726, damals 16 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu, der ihn im Lehramte in den Mittelschulen zu München und Innsbruck verwendete. Später übernahm er das Lehramt der Philosophie zu Landsberg, darauf wurde er Lehrer der Mathematik, die seit jeher sein Lieblingsstudium war, zu Freiburg im Breisgau. Im Jahre 1770 übernahm er daselbst die Professur der Vernunftlehre, welche er bis zur Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch die Bulle des Papstes Clemens XIV. „Dominus ac Redemtor noster“ vom 21. Juli 1773 innehatte. Nun in den Weltpriesterstand zurückgekehrt, wurde er auch fernerhin im Lehramte verwendet und zum k. k. öffentlichen ordentlichen Lehrer der Naturlehre an der hohen Schule zu Freiburg in Vorderösterreich ernannt. Als mathematischer und philosophischer Schriftsteller thätig, hat er nachstehende Werke veröffentlicht: „Tabulae mnemonicae ex primis Matheseos elementis concinnatae“ (Freiburg 1750, Wagner, 8°.); – „Regulae praecipuae methodi mathematicae s. scientificae“ (Augsburg 1750); – „Tirocinium elementorum ad praeparandos adolescentum animos severioribus disciplinis“ (Augsburg 1763, 8°.); – „Epitome Elementorum Matheseos universae.“ Partes 5, cum fig. (Augsburg 1763–1766 [Wagner in Freiburg] 8°.); – „Mathesis succincta.“ Partes 2 (ib. 1766, 8°.); – „Brevis introductio in philosphiam“ (Freiburg 1771, 8°.); – „Institutiones logicae eclecticae“ (ib. 1771, 8°.); – „Institutiones metaphysicae universae cum tabulis mnemonicis log.“ Tomi 2 (Augsburg 1771, dann Freiburg 1779, 8°.); – „Institutiones physicae Wolfianae“ (Augsburg 1774). Eines seiner Werke gab in deutscher Uebersetzung Rupert, Abt zu Duitz, unter dem Titel: „Auslegung der Offenbarung Johannis.“ 2 Bde. (Augsburg 1789, Doll, 8°.) heraus. Im Jahre 1778 war Steinmayer noch Professor der Naturlehre an der Hochschule zu Freiburg, später soll er Professor der Mathematik an der Universität zu Dillingen, der Philosophie zu Straubingen, der Moral zu Dillingen und zuletzt Studiendirector in Amberg, München und Landshut gewesen sein. Steinmayer gehörte zu den aufgeklärten Priestern der Josephinischen Periode, der noch als Jesuit mit seinen Oberen nicht eben im glatten Einvernehmen stand. Als der Philosoph Wolf sein neues System bekannt gemacht, trat Steinmayer mit ihm sofort in brieflichen Verkehr, kaufte seine Werke, studirte sie auf das eifrigste und bildete sich nach ihnen. Seine Oberen, die damit nicht einverstanden waren, nahmen ihm diese Bücher, die er gewöhnlich im Strohsack versteckt zu halten pflegte, zu wiederholten Malen weg. Als ein geschworner Feind des Probabilismus und der jesuitischen Theologie und in seinem Orden als Reformator beargwohnt und scharf beobachtet, konnte er, so lange die Gesellschaft bestand, nicht aufkommen und erst die Aufhebung der Gesellschaft brachte auch ihm Erlösung. [146] Als der berühmte Riegger [Band XXVI, S. 129] bei der Wiener Hofstelle 1773 das Vorderösterreichische Referat übernahm, war Steinmayer einer von Jenen, welche zur Durchführung der nach Aufhebung der Gesellschaft Jesu an den von ihnen mächtig beeinflußten Hochschulen nöthig gewordenen Reformen mit noch anderen tüchtigen Männern, wie Haußer, Juliani, Ruef, Joseph Anton Sauter [Bd. XXVIII, S. 294, Nr. 4] an die Hochschule nach dem Breisgau berufen wurde und dort einen neuen Geist weckte. Steinmayer, der, nebenbei gesagt, auch Steinmeyer geschrieben erscheint, erreichte das hohe Alter von 87 Jahren. De Luca führt ihn[WS 1] unter ganz falschem Namen, nämlich als Stemmeyer auf.

(De Luca), Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, von Trattner, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 191. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Johann Ambros Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 999.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ihm.